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Full text of "Hymnologische Studien zu Venantius Fortunatus und Rabanus Maurus"

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©arbarö (Kollege librarg 

FROM THB BEQUBST OF 

JAMES WALKER, D.D., LL.D., 

(Class of 1814) 

FORMER PRESIDENT OF HARVARD COLLEGE; 

" Preference being given to works in the Intellectual 
and Moral Sciences." 




Veröffentlichungen 

aus dem 

^^^-Kir^henMstorischen Seminar München. 

Herausgegeben 



von 



ALOIS KNÖPFLER, 



Doktor der Theologie and der Philosophie, o. 5. Professor der Kirchengeschicht« 
an der Universität München. 



III; Keilte Hr. 3: 

Hymnologisehe Studien 



zu 



Venantius Fortunatus 



und 



Rabanus Maurus 

von 
Guido Maria Dreves 

Dr. theol. 



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MÜNCHEN 1908. 
VERLAG DER J. J. LENTNER'SCHEN BUCHHANDLUNG. 

(E. STAHL.) 



Hymnologisehe Studien 



zu 



Venantius Fortunatus 

und 

Rabanus Maurus 



von 



Guido Maria Dreves 

Dr. theol. 




9..U. 



MÜNCHEN, 1908. 
VERLAG DER J. J. LENTNER'SCHEN BUCHHANDLUNG. 

(B. STAHL.) 



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Inhaltsübersicht 



Seite 

I. Portunatus-Studien 1 

Einleitende Bemerkungen 1 

Kapitel I: Der Weihnachtshymnus 6 

Kapitel II: Der Marienhymnus 10 

Kapitel III: Sprache und Gedanken des Marienlobes 

sind Sprache und Gedanken Fortunats 15 

§ 1. Asyndeta 17 

§ 2. Polyptoton und Annominatio 20 

§ 3. Alliteration 23 

§ 4. Dreiteilung des Verses 24 

§ 5. Lieblingsworte des Dichters ...... 26 

§ 6. Seltene Worte und eigentümliche Wortformen 33 
§ 7. Abweichende Bedeutung gebräuchlicher Verben. 

Andere Anomalien 38 

§ 8. Vorliebe für gewisse Gedanken, Bilder und 

Wendungen 41 

Kapitel IV: Einwendungen und Bedenken. Metrisches 46 

II. Baban-Studien 55 

Kapitel I: Der Stand der Frage 55 

Kapitel II: Die Hymnen das Werk eines Verfassers 64 
Kapitel III: Eigentümlichkeiten der poetischen Diktion 

Itabans 70 

Kapitel IV: Babans stilistische Eigentümlichkeiten fin- 
den sich in den Hymnen wieder 107 

Kapitel V: Schlussbemerkungen 123 



I. 
Fortunatus-Studien. 



Einleitende Bemerkungen. 

Noch immer herrscht in Bezug auf einzelne Hymnen 
des Venantius Fortunatus Unsicherheit und Meinungs- 
verschiedenheit, namentlich in Bezug auf den herrlichen 
Marienhymnus Quem terra, pontus, sidera. 

Die Verschiedenheit der Meinung tritt in der 
Literatur deutlich zu Tage. Unter den Werken des 
Fortunatus führt Wetzer und Weites Kirchenlexikon 
(2. Aufl. IV, 1632) an vierter Stelle auf: „Eine kleine 
Anzahl kirchlicher Hymnen, zu denen unbestritten' 
das Vexilla regis prodeunt und Quem terra, pontus, 
sidera, vielleicht auch das Ave, maris Stella und 
Pange, lingua, gloriosi lauream certaminis gehört." 

Ähnlich unter dem Worte „Hymnus" VI, 539: 
„Claudianus Mamertus (gest. 474) ist der Passions- 
hymnus Pange, lingua, gloriosi Lauream certaminis und 
Lustra sex qui iam peregit zuzuteilen, dem Venantius 
Fortunatus das Kreuzlied Vexilla regis prodeunt und 
die Muttergotteshymnen Quem terra, pontus, 
aethera (jetzt sidera) und O gloriosa domina (jetzt 
virginum) vielleicht auch Ave, maris Stella." 

Ebenso in der Hauckschen Realencyklopädie für 
protestantische Theologie und Kirche (2. Aufl.) unter 
dem Worte „Fortunatus" VI, 133: „ Am bekanntesten 
und berühmtesten aber sind einige religiöse Hymnen 
des F. geworden z. B. Vexilla regis prodeunt, ein 
schönes Passionslied, und das Marienlied Quem terra, 
pontus, aethera. Beide sind in der Form der 
ambrosianischen Hymnen gedichtet. Ein ebenfalls be. 

Dreves, Fortunatus- and Raban-Stadien. 1 



— 2 — 

rühmtes Passionslied Pange, lingua, gloriosi proelium 
certaminis ist wie die römischen Soldatenlieder im 
tetrameter trochaicus oat. abgefaßt." 

Von dem Marienhymnus versichert auch Mone I, 
128, ohne indes Gründe beizubringen: „Das Lied ist 
von Venantius Fortunatus. 4 * 

Dem Zweifel verleiht Kayser, Beiträge zur Ge- 
schichte und Erklärung der ältesten Kirchenhymnen I 
(1881), S. 393 u, f. Worte; „Auch wird dem Fortu- 
natus der schöne alte Marienhymnus Quem terra, 
pontus, aethera zugeschrieben. In den Handschriften 
seiner Werke findet er sich nicht. Die Hymnologen 
Thomasius und Mone zweifeln an der Autorschaft des 
Fortunatus picht, führen aber auch keine Gründe dafür 
an. In neuerer Zeit hat Ebört die Echtheit aus der 
offenkundigen Verwandtschaft, mit einem Panegyrikus 
auf die allerseligste Jungfrau Maria, der ebenfalls von 
Fortunatus herrühren soll, darzutun gesucht. Die 
Übereinstimmung ist in einzelnen Wendungen und 
Ausdrücken allerdings frappant. Aber auch dieser Pane- 
gyrikus findet sich nicht in den Handschriften der 
gesammelten Werke des Fortunatus. Jedenfalls ist 
obiger Marienhymnus ein altes Kirchenlied, das schon 
früh in kirchlichen Gebrauch kam. liturgische Hand- 
schriften des 9. Jahrhunderts führen ihn bereits als 
Teil des Officiums auf. Der Hymnus auf Christi Ge- 
burt Agnoscat omne saeculum Venisse vitae 
praemium, der auch wohl unter seinem Namen an- 
geführt wird, ist offenbar unecht. Solche metrische 
Verstöße, wie darin vorkommen, dürfen einem Fortu- 
natus nicht auf die Rechnung geschrieben werden. 
Die Übereinstimmung des Anfangsverses mit dem oben 
(S. 346 Anm. 1) genannten Abcdarius auf Leontius 
hat diese Unterschiebung veranlaßt." 

Ähnlich Bardenhewers Patrologie (2. Aufl.) S. 572 : 
„Unter den drei Hymnen, welche die Sammlung um- 
schließt, finden sich die zwei bekannten Passionslieder 
Pange, lingua, gloriosi (II, 2) und Vexilla regia pradeunt 
(II, 6), nicht bloß durch den Glanz neuer und schönem 
Bilder, sondern auch durch Innigkeit des Gefühls 
ausgezeichnet. Auf anderem Wege sind noch mehrere 



— 3 — 

andere Hymnen unter Fortunats Namen auf uns ge- 
kommen, deren Echtheit indes Zweifeln unterliegt." ^ 

Diese Zweifel haben ihre Nahrung gesogen aus 
der Ausgabe des Venantius von Leo (Mon. Germ. 
Auctt. antiquiss. IV), welcher die angezogenen und 
eine Reihe anderer Hymnen in einem „Appendix 
Spurionim" (S. 382—86) beigefügt hat. So muster- 
gültig im übrigen die Ausgabe Leos ist, in diesen 
Spuria hat er keine glückliche Hand gehabt. Die 
Gründe, welche ihn bei Anlage dieser Spurien-Samm- 
lung leiteten, gibt er, soweit die Hymnen in Betracht 
kommen S. XXIV der Vorrede in ganzen drei Druck- 
zeilen also an: „De spuriis verbo monendum videtur. 
atque hymni quidem (4 — 10) temere Venantio ascripti 
et ipsis genuinis (I, 16. II, 2. 6) refutati vindicem non 
magis excitabunt quam crucis signaculum (2) aut 
S. Martialis elogium (3)." 

Denen, die sich für diese Hymnen aus irgend 
einem Grunde interessieren — den Herausgeber haben 
sie augenscheinlich nicht interessiert — ist mit einem 
solchen summarischen Verfahren nicht geholfen. Die 
unter diesen Spuria zusammengebrachten Hymnen 
sind sehr verschiedener Art und ihre Ansprüche, für 
Kinder der Muse Fortunats gehalten zu werden, sind 
sehr ungleich begründet 1 ). Sie sind mit Ausnahme 
von drei Stücken sämtlich der Ausgabe Fortunats von 
Luchi entnommen. 

Nur eine Bemerkung im Vorübergehen bezüglich 
Nr. III, das nicht zu den Hymnen gehört. Dasselbe 
ist offensichtlich eine Einleitung zu einer Lebensbe- 
schreibung des Heiligen: 

Martialis resonant hie veracissima gesta. 

Zweifellos widerlegt die in diesen Zeilen zutage 
tretende Verskunst die Aufschrift der Quelle (Lauren- 
tian. PI. XX. 3): „Incipit versus Fortunati in vita 
sanetissimi Martialis, apostoli Christi"; allein es 
wäre doch der Mühe nicht unwert gewesen, mit einem 



1 Sie alle für echt ansehen, wie Manitius, Gesch. der christlich 
lateinischen Poesie, S. 468 f. tut, ist völlig ausgeschlossen. 

1* 



— 4 — 

Worte hervorzuheben, daß die Bezeichnung des Martial 
als „apostolus Christi" in der Überschrift wie Vers 5: 

Quanti sit meriti praeclarus apostolus iste, 

nicht nur Fortunat vor jedem Verdachte der Urheber- 
schaft schützt, sondern auch zweifellos dartut, wo 
und wann diese Verse geschrieben sind. Dieselben 
sind tatsächlich die Einleitung zur Legende des Pseudo- 
Aurelian, die um das Jahr 1000 zu Limoges das Licht 
der Welt erblickt hat, und als deren Verfasser mit 
gutem Grunde Adh6mar von Chabannes angesehen 
wird. Vergl. Duchesne Saint-Martial de Limoges, Annales 
du Midi IV, 289 sqq.; Fastes 6piscopaux II (1899), 
104 ff. In allen andern Handschriften sind die Verse 
anonym. 

Zu Nr. Vm, IX und X bemerkt Leo p. 385 in 
der Note: „In Thomasii hymqario Fortunato adscripti". 
Dies ist nur richtig in Bezug auf VIII, unrichtig in 
Bezug auf IX und X. 

Nr. IX, das Ave, maris Stella ist Niemandem 
je beigefallen dem Fortunatus zuzuschreiben bis auf 
Luchi. Dieser druckt in seiner Ausgabe I, 265: „Iste 
quoque hymnus [sil. Quem terra, pontus] sicut et 
sequens [vid. Ave, maris Stella] in honorem sanc- 
tissimae deiparae scripti, quos ecclesia usu suo iam 
consecravit, leguntur sub hac epigraphe in dicto Hymn. 
Cl. Tomasi: »V. H. Fortunati, episcopi Pictaviensis«, 
quos proinde hymnos hie attexere visum est. a Diese 
Angabe beruht aber auf einem Versehen. Es ist 
Thomasius nicht beigefallen, diesen Hymnus dem For- 
tunatus beizulegen. Jene Autorenangabe steht bei 
ihm in seinen Opera II, 383 zum Hymnus Quem terra, 
pontus; dann aber folgt das Ave, maris Stella ohne 
Autorenangabe. Es ist aber ein Irrtum, eine Autoren- 
angabe Thomasius" auf mehrere Hymnen zu beziehen, 
da er, wenn sich Hymnen desselben Verfassers folgen, 
stets die Angabe wiederholt. Der Hymnus ist somit 
erst durch Luchi u. z. infolge einer zu Tage liegenden 
Entgleisung mit dem Namen des Fortunat in Ver- 
bindung gebracht worden. Er hat mit demselben 
nichts zu schaffen. 



— o — 

Ebensowenig wird Nr. X Qua hora Christus 
sitiit von Thomasius dem Fortunat zugeschrieben, 
obschon Daniel dies behauptet und Leo es ihm glaubt. 
Thomasius schreibt II, 363 den Hymnus Pange, lingna, 
und 364 das Vexilla regis dem Fortunat zu. Zwischen 
diesen beiden Hymnen stehen drei zusammengehörige 
Hymnen für die s. g. kleinen Hören der Terz, Sext 
und Non mit den Anfängen: 

Dei fide, qua vivimus. 
Qua Christus hora sitiit. 
Ternis ter horis numerus. 

Alle drei sind ohne Verfasserangabe. Der Um- 
stand, daß Thomasius bei dem nachfolgenden Vexilla 
regis den Namen des Fortunat wiederholt, beweist 
doch zur Evidenz, daß er die dazwischen liegenden 
Hymnen ihm nicht beigelegt wissen will. Wül man 
aber irren und die Autorenangabe weiter beziehen, 
als der Verfasser sie bezieht, so muß man doch alle 
drei Hymnen mit dem Namen des Fortunat in Ver- 
bindung bringen und nicht einen beliebigen. 

Über Nr. IV, das ich für einen Hymnus des For- 
tunat halte, habe ich mich Anal. L, 85 hinlänglich 
ausgesprochen. Es steht in einem sehr alten Pontificale 
aus der Bischofstadt Fortunats (Cod. Arsen. 227) mit 
dessen Namen. Wir haben keinen Grund diese An- 
gabe abzulehnen. Die Fehler in einer der acht Strophen 
nötigen nicht dazu. 

Nr. V wird von Luchi auf Grund eines Rituale 
von BesanQon aus dem 11. Jahrhundert Fortunat zu- 
gesprochen. Die Angabe dieser Handschrift verdient 
aber nicht das Vertrauen, das wir dem Pontificale 
Pictavense schulden. Einmal ist die Quelle bedeutend 
jünger, worauf ich indes nicht zu viel Gewicht legen 
möchte. Es ist jedoch dieser Hymnus rhythmisch, nicht 
metrisch geschrieben. Wir kennen aber von Fortunat 
kein rhythmisches Gedicht. Ferner möchte man meinen, 
wenn Fortunat beide Hymnen, IV und V, den der 
Wasserweihe und den der Weihe des Chrisam verfaßt 
hätte, würden sich auch beide in dem gedachten Ponti- 
ficale vorfinden. Dies ist aber nicht der Fall; V findet 
sich dort nicht. 



— 6 — 

Nr. VI wird von Hilduin von St. Denis in seinem 
bekannten Briefe an Ludwig den Frommen (Migne 
PP.LL. 106, col. 20) Fortunat zugeschrieben. Der 
Hymnus enthält nichts, was an Fortunat erinnerte, 
aber auch nichts, was seine Autorschaft ausschlösse. 
Hilduin aber war ein frommer Fälscher wie Adh&nar 
von Chabannes. 

Kapitel I. 
Der Weihnachtshymnus. 

Nach diesen Vorbemerkungen komme ich zu den 
Hymnen VII und VIII, dem Weihnachtshymnus Ag- 
noscat omne saeculumund dem Marienliede Quem 
terra, pontus, aethera, die uns hier zunächst in- 
teressieren. 

Der Weihnachtshymnus steht nicht in den Ge- 
dichthandschriften, sagen wir in den „Gesammelten 
Gedichten" des Fortunat. Dieser Umstand schließt 
indes die Verfasserschaft des Dichters nicht aus u. z. 
aus einem doppelten Grunde: 

1. Es gibt auch andere Gedichte des Fortunat, 
die in seinen „Gesammelten Gedichten" nicht vor- 
kommen und die dennoch niemand ihm abspricht noch 
absprechen kann. Leo selbst hat in einem Anhange 
H4 solcher Gedichte zusammengestellt. In zweien 
V und XXXIV nennt sich der Dichter mit Namen. 

2. Liturgische Hymnen sind uns immer und überall 
anders überliefert ab sonstige Gedichte. Sie dienten 
einem praktischen, nicht einem literarischen Zwecke 
und Bedürfnisse und gingen deshalb, fast immer ohne 
den Namen der Verfasser, in die liturgischen Bücher, 
nur in Ausnahmsfällen aber in die „gesammelten 
Werke" des Autors über. Wir wissen, daß Ambrosius 
Hymnen geschrieben; Augustinus hat uns Bruchstücke 
einiger derselben aufbewahrt. Aber in keiner Hand- 
schrift der Werke des Ambrosius hat man je seine 
Hymnen gefunden. Anders mit den Hymnen des 
Prudentius. Sie waren nicht für den liturgischen Be- 
darf geschrieben und wurden erst später zu kirchlichen 



— 7 — 

Zwecken herangezogen; dementsprechend ist ihre Über- 
lieferung eine literarische, keine liturgische. 

Man entgegne nicht, daß die drei Kreuzeshymnen 
des Fortunat (Ü 1, 2 und 6) in seinen Werken stehen. 
Denn einmal hebt die Ausnahme — es gibt deren 
mehr denn diese — niemals eine Regel auf; dann aber 
sind diese drei Lieder nicht nur liturgische Hymnen, 
sie sind auch ihrer Entstehung nach, wie die meisten 
Dichtungen Fortunats, „Gelegenheitsgedichte"; sie 
wurden für Radegunde verfaßt, als diese von der 
Kaiserin Sophia von Byzanz eine Kreuzpartikel zum 
Geschenke erhielt. Dieser Umstand führte sie in die 
Sammlung. 

Zu dem Gesagten kommt hinzu, daß Fortunat 
nach dem Zeugnisse des Paulus diaconus sogar viele 
Festhymnen geschrieben hat: „maximeque hymnos 
singularum festivitätum" (Hist. Langob. II, 13). Da 
sie nicht in seinen „gesammelten Werken" stehen, 
müssen wir sie, soweit sie nicht zugrunde gegangen, 
außerhalb derselben vermuten und zu finden hoffen. 

Der erste, der den Weihnachtshymnus Agnoscat 
omne saeculum dem Fortunat beilegt, ist, soweit 
ich sehen kann, Trithemius. Derselbe führt unter den 
Werken des Dichters u. a. auf: „Hymnorum septua- 
ginta Septem lib. 1. Agnoscat omne saeculum." Bei 
dieser Angabe überrascht es gleichmäßig, daß der Ver- 
fasser ein so umfangreiches Hymnenbuch des Fortu- 
natus kennt, wenn auch vielleicht nur par renommä 
kennt, als daß er den ersten Hymnus der Sammlung 
zu zitieren in der Lage ist. Daß er mit dem Hymnus 
Agnoscat omne saeculum das Weihnachtslied, 
nicht den Abcdarius gleichen Anfangs auf Leontius 
von Bordeaux bezeichnen will, geht aus dem Umstände 
hervor, daß er immittelbar vor den oben angeführten 
Worten schreibt: „De eiusdem [Leontiil laudibus: 
Agnoscat omne saeculum." Er unterscheidet also die 
beiden Hymnen und legt beide Fortunat bei. Die Liste 
der Werke unseres Dichters, die er aufstellt, ist nicht 
vollständig, enthält aber im übrigen nur echte Werke. 
Um so mehr gibt uns die Angabe des Trithemius übei 
dies Hymnenbuch und über diesen Hymnus zu denken. 



— .8 — 

Sollte er diese Angabe gemacht haben, weil der 
Leontiushymnus ihn zu dem Glauben veranlaßte, der 
gleich anlautende Weihnachtshymnus müsse notwendig 
von dem gleichen Verfasser herrühren? 

Nach Trithemius kommt Clichtoveus. Er bemerkt 
in seinem Elucidatorium ecclesiasticum (Basel 1517) 
fol. 18b zu dem uns beschäftigenden Hymnus: „Auetor 
eius Fortunatus episcopus. a Stützte er sich auf 
Trithemius? 

Es folgt Georg Fabricius. Er gab in seinen 
Poetarum veterum ecclesiasticorum opera christiana 
(Basel 1562) auch die Gedichte des Fortunat heraus 
nach einer Murbacher Handschrift, die er von Johannes 
Oporinus erhalten hatte (vgl. Comment. S. 57). Die 
Handschrift enthielt, in Bücher abgeteilt, die „ge- 
sammelten Gedichte", darunter den uns beschäftigen- 
den Hymnus, den Fabricius S. 694 zum Abdruck bringt 
mit der Überschrift: „Ex lib. H." 

Ein weiteres Moment fügt Browerus hinzu. Er 
führt den Hymnus als Nr. 3 des VHI. Buches und 
bemerkt dazu in den Noteji S. 194 (ich zitiere nach 
der 2. Aufl. von 1617): „Hymnus hie in aliquod (!) 
MSS. desideratus. Vaticanus tarnen codex, ut et 
Morbacensis apud Fabritium (!) eum exhibebant." 

Das alles ist nicht imstande, uns eine feste Über- 
zeugung von der Autorschaft des Fortunat zu ver- 
mitteln, aber es dürfte imstande sein, uns von einem 
Verwerfen seiner Autorschaft ohne Prüfung abzu- 
halten. 

Nun sagt freilich Kayser a. a. 0. S. 393 u. f. 
„Der Hymnus auf Christi Geburt Agnoscat omne sae- 
culum Venisse vitae praemium, der auch wohl unter 
seinem [des Fortunat] Namen angeführt wird, ist offen- 
bar unecht. Solche metrische Verstöße, wie 
darin vorkommen, dürfen einem Fortunat nicht 
auf die Rechnung geschrieben werden." Kayser 
wiederholt augenscheinlich nur, was vor ihm Ebert 
(AUg. Gesch. der Lit. des MA. I, 534 Anm.) geschrieben: 
„Der sehr unbedeutende Hymnus auf die Geburt Christi 
Agnoscat omne saeculum Venisse vitae prae- 
mium (Daniel I, 159), welcher auch in den Mss. For- 



— 9 — 

tunats sich nicht findet, gehört ihm aber sicher nicht 
an, wie schon die metrischen Fehler zeigen (Hiatus, 
Spondeus im zweiten Fuß). a Ich weiß nicht, wie 
Ebert und Kayser zu dieser Ansicht kamen; sie streitet 
jedenfalls in auffälliger Weise mit der des Jodokus 
Clichtoveus: „Praesens hymnus iambicus est dimeter, 
ubique carminis illius leges exacte servans, 
praeter id, quod in septimo versu bis secundo loco 
pyrrichium habet pro iambo a (a. a. 0. fol. 18 b). Mir 
scheint, daß Clichtoveus der bessere Beobachter ge- 
wesen. Auch ich entdecke in dem Hymnus keinen 
metrischen Verstoß, weder Hiatus noch Spondeus, 
sondern nur zweimalige Anwendung der Lizenz eine 
kurze Silbe durch die Arsis zu längen in Str. 7 (novüs, 
humillimüs). Wir werden im Verlaufe uns überzeugen, 
daß wir Fortunat ganz andere Dinge auf die Rech- 
nung schreiben dürfen und müssen. 

Was nun schließlich die Wage zu Gunsten der 
Authentizität des Hymnus senkt, ist der Umstand, daß 
derselbe: augenscheinlich von dem Verfasser des 
Marienhyinnus Quem terra, pontus herrührt. Man ver- 
gleiche einerseits den ganzen Ideenkreis, in dem beide 
Gedichte sich bewegen, dann aber besonders 3,3 sq. 

Quem totua orbis dod capit, 

Portant puellae viscera, 

mit 4,3 sq. und 2,3 sq. des Marienliedes: 
Mundum pugillo continens 
Ventris sub arca clausus est. 

Perfusa caeli gratia 
Gestaut puellae viscera, 

wo sich die Verwandtschaft des Gedankens bis zur 
Kongruenz des Ausdruckes steigert. Man vergleiche 
2,3-3,3: 

Annuntiavit angelus, 

Sanctus replevit Spiritus. 

Maria ventre concipit 
Verbi fidelis semine 

mit Strophe 8 des Marienliedes: 

Mirantur ergo saecula, 
Quod angelus fert semina, 
Quod aure virgo concipit 
Et corde credens accipit 



— 10 - 

Man vergleiche den völlig parallelen Schluß in 
beiden Hymnen; dort: 

Venite, gentes, credite, 
Deum Maria protulit; 

und hier, wieder mit Apostrophe an die „gentes": 

Vitam datam per virginem, 
Gentes redemptae, plaudite. 1 

Ich vertraue, nicht subjektiver Autosuggestion 
verfallen zu sein, wenn ich der Überzeugung bin, der 
Weihnachtshymnus und das Marienlied sind von einem 
und demselben Verfasser. Sollte es gelingen, als 
Dichter des letzteren Fortunatus nachzuweisen, dann 
hat derselbe gleichfalls als Verfasser des Ägnoscat 
omne saeculum zu gelten. 



Kapitel IL 

Der Marienhymnns. 

Der Hymnus Quem terra, pontus, aethera 
wird dem Fortunatus im Hymnarium des Kardinal 
Thomasius (Opera ed. Vezzosi II, 383) zugeschrieben: 
„V.H. Fortunati, episcopi Pictaviensis." Thomasius 
begründet seine Meinung nicht; es ist aber nach 
Analogie ähnlicher Fälle so gut wie ausgeschlossen, 
daß ihr Angaben handschriftlicher Quellen zugrunde 
liegen. Möglich und nicht unwahrscheinlich ist da- 
gegen, daß Thomasius Behauptung auf der des Clich- 
toveus ruht, der in seinem Elucidatorium ecclesiasti- 
cum, Basel 1517, fol. 49a zu diesem Liede bemerkt: 
„Auetor eius Fortunatus episcopus, in hymnis modu- 
landis elegans." Clichtoveus seinerseits mag auf Wimphe- 
ling fußen, der in seiner „Brevissima Eruditiuncula u 
vom Jahre 1499 bemerkt: „Fortunatus, archiepis- 
copus [sie] Pictaviensis, sequentes edidit: 

Quem terra« pontus, aethera. 
Vexilla regia prodeunt. 
Crux fidelis inter omnes. 

1 Vgl. hiemit auch Fortunat 1, 16, 77: „Venite, crives, plaudite". 



— 11 — 

Weiter hinauf vermag ich die „Tradition" für 
Fortunat nicht zu verfolgen. Dieselbe würde somit 
sehr spät einsetzen und mangels anderer Anhalts- 
punkte keine Beachtung verdienen. An diesem toten 
Punkte hilft uns eine Wahrnehmung weiter, die zu- 
erst Ebert gemacht und in seiner Allg. Gesch. der 
Literatur des MA. I (2. Aufl.) 533, Anm. 2 ausge- 
sprochen hat: „Die Frage der Authenticität dieses 
Gedichtes ist bislang noch gar nicht erörtert worden, 
auch nicht von Mone, obgleich das Gedicht in den 
Handschriften des Fortunat sich nicht findet. Ihre 
Entscheidung hangt wesentlich mit der Frage der 
Echtheit der früher oben erwähnten Dichtung auf die 
Jungfrau zusammen. Wie man nämlich noch gar 
nicht" bemerkt hat, zeigt sich zwischen dieser Dichtung 
und dem Hymnus eine solche Übereinstimmung, daß 
man beide als das Werk eines Verfassers betrachten 
muß, da man an eine Entlehnung von Seiten eines 
andern hier nicht wohl denken kann ... Da der 
Hjrmnus ein Marienlied ist, ist die Frage der Authen- 
ticität von einiger Wichtigkeit." 

Der Hymnus Quem terra, pontus, aethera rührt 
vom Verfasser des Buches In laudem sanctae Mariae 
und, wenn dieses von Fortunat verfaßt ist, von For- 
tunat her. Wir haben zuerst jenes, dann dieses zu 
erhärten. 

Gleich für den Eingang des Hymnus 

Quem terra, pontus, aethera 
Colunt, adorant, praedicant, 

finden sich frappante Parallelen im Panegyrikus. 

174. Cuncta tegens palma, sidera, rura, freta. 
358. Gaudet et orbs totus, pontus, arena, polus. 

Ich will gleich beifügen — ich brauche dann 
später nicht darauf zurückzukommen, — daß diese in 
Hymnus und Panegyrikus beliebte Dreiteilung des 
Weltalls, Fortunats ganze Liebe besitzt. Ich zitiere 
aus seinen zweifellos echten Gedichten: 

Terra, pontus, astra, mundus quo lavantur flumine IL 2, 21. 

Deliciis reficis, quas caelum, arva, unda ministrat III. 23 a, 27. 

Te, pater, ergo precans terram, freta, sidera testor IX. 8,7. 

Orania conspicio siinul, aethera, flumina, terram XI. 2,3. 



— 12 — 

Cuius euDte fido terras, mare, sidera supplet VM. IV, 425. 
Aethera suspendis, sola congeris, aequora fundis III. 9, 53. 
Arva capax, pelagus intrans, super astra coruscans VM.IV,709. 

* * 
* 

Trinam regentem machinam 

Ciaastrum Mariae baiulat. 

Auch der Zusammenfassung der drei Reiche 
unter dem Begriffe der machina mundi, der trina 
machina begegnen wir wieder im Marienlobe: 

141. Cuius mundi uno est haec machina tecta pugillo. 
201. Artificique suo se machina subderet orbis. 

Derselbe Ausdruck begegnet uns aber auch wieder 
in Fortunats unbestrittenem poetischen Besitze: 
Et trinitatis opem machina trina sonet III. 6, 52. 
Es bekundet Fortunats Vorliebe, daß er das« Wort 
auch in anderem Zusammenhange gebraucht, so von 
einem Bauwerke: 

Ordinibus ternis extensaque machina crevit III. 12, 31. 
so von einem menschlichen Leibe: 

Et stetit intrepidis membrorum machina plantis VM. I, 195. 

* * 

* 

Perfusa caeli gratia 
Gestant puellae viscera. 

Das Wort puella statt des den kirchlichen Schrift- 
stellern geläufigeren virgo ist wieder ein ganz bevor- 
zugter Ausdruck sowohl des Marienlobes wie Fortunats 
im allgemeinen. In ersterem lesen wir: 

3. Consona vox hominum memorat hoc ferre puellam. 
67. Hanc Gabriel vocitat benedictam laude puellam. 
142. Clauditur in fibris casta puella tuis. 
216. Praelata astrigeris sola puella choris. 
231. Dulcis et angelico pretiosa puella relatu. 

In den sonstigen Gedichten Fortunats lesen wir 
von Maria: 

Respice, qui voluit Dasei de ventro puellae VIII. 3, 85. 
Templa creatoris sunt membra pudica puellae VIII. 3, 95; 

von den gottgeweihten Jungfrauen: 

Quälern nupta Deo ferre puella potest VIII. 3, 276. 

Iungitur angelicis casta puella choris VIII. 4. 4. 1 

Ille puellarum locus est, quae lucis amore VIII. 4, 23. 

1 Man beachte die fast wörtliche Kongruenz dieses Verses mit 
dem weiter oben angeführten Vers 216 des Marienlobes. 



— 13 — 

von der Königsbraut Brunhilde: 

Incipit inde Venus laudes memorare puellae VI. 1, 99. 
Die Dichterin Sappho, die Fortunat einmal, IX. 
7,52 „Lesbia virgo a nennt, bezeichnet er in demselben 
Gedichte Vers 8 als „docta puella". 

Quod aure virgo concipit 
Et cor de credens parturit. 

Auch diesem Gedanken, daß der Glaube an die 
Botschaft des Himmels, an das Wort des Engels es 
ist, der den Schoß der Jungfrau befruchte, begegnen 
wir wieder in den Laudes: 

122. Et generare diem concipiente fide. 

247. Virgo intacta manens fidei ubertate marita. 

340. Te generante fide nos paradisus habet i 

* * 

* 

Mundum pugillo coDtinens 

Ventris sub arca clausus est. 

Zu ersterem dieser Verse ist die schon w. o. an- 
geführte Stelle des Panegyrikus, Vers 174: 
Cuucta tegens palma, sidera, iura, freta 

zu vergleichen, noch mehr aber die ebenfalls vor- 
erwähnte, Vers 141 u. f.: 

Cuius mundi uno est haec machina tecta pugillo. 

Ich füge gleich aus Fortunat TU. 9,70 als Parallele 
hinzu: 

Indignum est, cuius clauduntur cuncta pugillo, 
Ut tegat inclusum rupe vetante lapis. 

Zu dem zweiten Verse: Ventris sub arca clausus 
est, sind als parallel heranzuziehen aus dem Marien- 
lobe: 

154. Infra arcam abscondens, fulgida luna, iubar. 

211. Arca nitens et theca potens gladii bis acuti. 

Wie im Hymnus Ventris arca so lesen wir 
Pectoris arca bei Fortunat IV. 11,4 und VH. 8,36: 

Cuius semper habet pectoris arca Deum. 
Non abolenda virum pectoris arca tenet. 



1 Vgl. Fortuuat VIII. 3, 91: „Concipiente fide nullo se 
semiue lusit. 



— 14 - 

Ja das Wort arm kommt bei ihm ohne nähere 
Bestimmung in der Bedeutung Leib oder Rumpf 
vor, so im Leben des hl. Martinus I, 427 und III, 443 : 

Vivificata pedum geminie stetit arca columnis. 
Quae facies, oculi, gena, pes, manus, arca, figura. 

• * * 

O gloriosa femina, 
Excel sa super sidera. 

Zu diesen Versen des Hymnus vergleiche man Vers 319 
des Buches In Laudem: 

O decus excellens, o femina forma salutis. 

Wieder ist zu den Worten des Hymnus: 

Quod Eva tristis abstulit, 
Tu reddis almo germine, 

heranzuziehen In Laudem, Vers 125 u. f.: 
Humano generi gernuit quos Eva dolores, 
Curavit genitus, virgo Maria, tuus. 

Ebenso Vers 341 u. f.: 

quos merserat Eva profundo, 

De limo in caelum nos facis ire sinu. 

Bei den unmittelbar folgenden Versen des Hymnus: 

Intrent ut astra flebilee, 
Caeli fenestra facta es, 

bietet sich als Parallele dem Worte nach In Laudem, 

Vers 56: 

Matema et puero membra fenestra fuit, 

dem Gedanken nach: 

- Felix, quae generi humano sub tartara lapso 
Ad caelos facta es sors, via, porta, rota. 

Hiezu bieten wieder eine Wort-Parallele die an 
obige anschließenden Zeilen des Hymnus: 
Tu regis alti ianua 
Et portä lucis fulgida. 

Der erste dieser Verse spielt an auf Ezech. 44,2, 
eine Stelle, die Marienlob 51 u. f. umschreibt: 

Haec porta est clausa, in quam intravit nemo nee exit, 
Ni Dominus solus, cui quoque clausa patent; 

der zweite zeigt uns die „Königspforte" auch als „Pforte 
des Lichtes", ein Gedanke, den auch das Marienlob 
mehrmals variiert: 



— 15 — 

35. Inte arcam abscondens, fulgida luna. iubar. 
122. Et generare diem coDcipiente fide. 
135. Post tenebras so lern revocat tuus alvus in orbem 
137. In te habitans mundi lumen statfone corusca. 
145. Qualiter illa novum tenuerunt viscera lumen. 
150. Bern splendoris habens — lux neque pondus erat. 
153. Cuius Stella erat et sol matutinus in alvo. 

Zu vergleichen ist damit wieder Fortunat 1. 15,55 ff.: 
Ecce, beata sacrae fandasti templa Mariae, 

Nok ubi victa fugit semper habendo diem. 
Lumine plena micans imitata est aula Mariam, 

Illa utero lucem clausit et ista diem. 

Das Gesagte dürfte wohl zu dem Beweise ge- 
nügen, daß in der Tat zwischen dem Marienhymnus 
einerseits und dem Marienlobe andererseits eine frap- 
pante Gemeinsamkeit der Ideen besteht, die sich nicht 
selten zur Ähnlichkeit, ja zur Kongruenz des Aus- 
druckes auswächst. Es wird mich wohl niemand all- 
zu großer Kühnheit zeihen, wenn ich mitEbert einen 
Dichter für beide Dichtungen annehme, um so weniger 
als beide Dichtungen nicht erst mit dem Namen eines 
Dichters in Verbindung zu bringen, sondern durch die 
Überlieferung gebracht sind, mit dem Namen des 
Fortunatus. Sollte es möglich sein, ihn als Dichter 
des Marienlobes festzuhalten, so würde ebendamit auch 
der schöne Hymnus als sein legitimes Eigentum nach- 
gewiesen sein. 

Kapitel III. 

Sprache und Gedanken des Marienlobes 
sind Sprache und Gedanken Fortnnats. 

Auch das Buch In lau dem sanctae Mariae 
hat Leo als erste Nummer unter die Spuria versetzt. 
Er motiviert diese Versetzung S. XXIV der Einleitung 
wie folgt: „Non magis de Mariae virginis laudatione 
ambiguum esse potest iudicium. Scilicet illa senten- 
tiarum et locutionum ex libris sacris excerptarum in- 
condita farrago et natura sua et sermone plane ab- 
horret a Venantii facultate et consuetudine. Quod 
curiosius per argumenta explicare eo minus necessarium 



— 16 - 

videtur, quo certius numerorum ac prosodiae degene- 
rata licentia fraudem scriptoris Fortunati nomen 
mentiti evincunt; cuius rei in indice metrico passim 
documenta invenies (cfr. de pentametri et hexametri 
exitu notata, nominum praesertim quadrisyllaborum 
mensuram initio (114), spgciösus (164), muheres (65), 
sacrämenti (241), alia). Editoribus vero Brower et 
Luchio, sermonis reique metricae plerumque securis, 
veri Fortunati, cuius sermone satis imbutus erat, ad- 
fectata locis nonnullis imitatione fucum fecit perso- 
natus." 

Diese Beweisführung — wenn von einer solchen 
die Rede sein kann — hat schon Ebert nicht zu befrie- 
digen vermocht. Er schreibt a. a. 0. S. 523, Anm. 4: 
„Während Brower und Luchi sich für die Echtheit 
erklären, verwirft sie Leo (Prooem. p. XXIV.) aus 
sprachlichen und metrischen Gründen. Indes ist der 
Stil dem des Fortunat durchaus ähnlich . . . Für die 
Autorschaft Fortunats spricht auch noch die mehr- 
fache Übereinstimmung dieses Gedichtes mit dem 
danach oben erwähnten (gemeint ist VIII. 3); so wird 
in diesem auch der himmlischen Hierarchie gedacht 
in der Rangordnung: Patriarchen, Propheten, Apostel, 
Märtyrer, Jungfrauen (v. Uff.). — Ferner hielt man 
im 9. Jahrhundert Fortunat rar den Verfasser, wie 
z. B. Ratramnus, der in seinem Buche de nativitate 
Christi c. 10 Verse aus dem Gedicht anführt 1 ). »Und 
wer hätte denn, möchte man fragen, in den beiden 
vorausgehenden Jahrhunderten Fortunat so nach- 
ahmen können, als Leo dies a. a. 0. annimmt?" 

Das Urteil Eberts hat sich Manitius angeeignet: 
„Kolorit und Wortschatz sind durchaus fortunatisch, 
und da das Gedicht auch in alten Handschriften und 
von Ratramnus von Corbie dem Fortunat beigelegt 
wird, so zweifle ich nicht an dessen Autorschaft." 
A. a. 0. 468. 



1 Migne PP. LL. 121, col. 100: „Huic simile Fortunatus 
presbyter peregrinus, sed caelestis civis, pauper rebus, censu fidei 
dives, in laude Mariae virginis sie fatur: 

Sed redeo, aua virgo trahit me laude canenda, 
Qualis nulla fuit, nulla futura venit etc. 



— 17 — 

Bei solchem Widerstreit der Meinungen wird sich 
doch wohl eine etwas eingehendere Untersuchung 
rechtfertigen, als sie Leo für notwendig hielt. Fasse 
ich seine Bedenken zusammen, so kommt er aus einem 
dreifachen Grunde zur Ablehnung des Werkes. Nicht 
die Art der Überlieferung ist es, die ihn dasselbe für 
die Ausgeburt eines bewußten Fälschers halten lässt; 
er hält es vielmehr für eine solche 

1. Weil der Inhalt dem Ideenkreise des Fortunat 
widerspricht: Incondita farrago abhorret a Venantii 
consuetudine natura sua. 

2. Weil die Ausdrucksweise der Schreibweise des 
Dichters zuwider ist: Sermone plane abhorret. 

3. Weil die Metrik des Stückes nicht überein- 
stimmt mit der Verskunst des angeblichen Verfassers: 
Numerorum ac prosodiae degenerata licentia frau- 
dem evincünt. 

Wir werden also zu untersuchen haben, ob 
Browerus durch die Ähnlichkeit des Marienlobes mit 
den Werken Fortunats sich ungerechtfertigter Weise 
zu Gunsten, oder ob sich vielleicht Leo durch die Un- 
ähnlichkeit zu Ungunsten desselben beeinflussen ließ. 
Ich werde zuerst den Ähnlichkeiten nachgehen, die 
zwischen dem Marienlobe und den Werken des Fortunat 
bestehen, an zweiter Stelle die von Leo aufgeworfenen 
Bedenken nochmals überdenken. 



Asyndeta. 

1. Eine nicht zu verkennende Eigentümlichkeit 
des Dichters des Marienlobes ist seine ausgesprochene 
Vorliebe für Häufung von Asyndeta. Er häuft sie 
gerne in der zweiten Hälfte des Pentameter: 

22. Cum daret arte melos vox, lyra, chorda, chorus. 
174. Cuncta tegens palma sidera, rura, freta. 
206. Ad caelos facta es sors pia, porta, rota. 
324. Per claoses resonant carmine, voce, lyra. 
334. Zachariae genitus vox, tuba, praeco, sonus. 
358. Gaudet et ort» totus pontus, arena, polus. 

Dies ist nun aber eine ebenso ausgesprochene 
Liebhaberei des Fortunatus. Man wird von mir nicht 

Dreves, Fortmuttns- und Raban -Studien. 2 



- 18 — 

erwarten, daß ich hier sämtliche Belege aus allen elf 
Büchern der Gedichte aufführe 1 ; ich kann aus der 
Unsumme nur eine für unseren Zweck ausreichende 
Summe aufführen. Und diese Bemerkung sei hier 
ein für allemal rücksichtlich aller weiteren Falle ge- 
macht. 

. IL 7, 54. Pro te, Ohriste, mori est gloria, Tita, quies. 
TL 9, 18. Ecclesiae genium, gloria, mann», honor. 
III. 8, 50. Perpetuo Felix Domine, mente, fide. 
III. 9,100. Ecclesiae pastos ubere, lacte, sinu. 

III. 23a, 24. Per quem plebs Dominum seit, timet, orat, amat. 

IV. 26, 44. Certantesque sibi mente, decore, fide. 

V. 5, 44. Sic tribuß est unus ins, opus, ordo, thronus. 
VI. 5,114. Quo mihi nemo venia ci vis, amice, parena, 
VI. 5,204 Singula commemorans dulcia, dura, pia. 
VI. 5,368. De nata et genero nepte, nepote, viro. 
VI. 10, 38. Omnibus aequalem spe, sale, pace, fide. 
VII. 4, 12. Triplice merce ferax, alite, pisce, rate. 
VIII. 4, 8. Et gemmae exornant pectora, colla, comam, 
X. 10, 18. Inde datae tibi sunt alba, topazus, onyx. 
XL 22a, 2. Omnia sumendo lac, olus, ova, butur. 

2. Beliebter noch als diese Häufung in der zweiten 
Pentameterhälfte ist die Anfüllung des ganzen Verses, 
vorwiegend des Hexameters, nicht selten aber auch 
des Pentameters mit solchen Asyndeta. Und zwar 
beobachten wir diese Vorliebe wieder gleichmäßig so- 
wohl in dem Marienlobe wie in den zweifellos authen- 
tischen Dichtungen Fortunats. In ersterem: 

45. Carnem, animam, ossa, cutem, nervös, venas, femur, ungues. 

160. Vipera seu dipsas, serps, draco, chenchris 

168. Pulcher, sanguineus, candidus atque rubrus. 

235. Crystallina, electrum, aurum, ostrum, concha, alba, zmaragdus. 

287. Natio, gens, populus, regiones, agmina, reges. 

289. Aethiopes, Thraoes, Arabes, Daca, Indus, Alanus. 

355. Cara, benigna, micans, pia, saneta, verenda, venusta, 

356. Flos, deeus, ara, nitor, palma, Corona, pudor. 

Aus den elf Büchern der gesammelten Gedichte 
notiere ich: 

I. 1, 17. Gratia, mens, animus, bonitas, dilectio plebis. 
I. 2, 5. Fundavit, struxit, dotavit, deinde dieavit 
II. 9, 33. Non lapides, cooeus, eidar, anrum, purpurn, byssus. 
II. 12, 13. Carcere, caede, fame, vinclis, site, Mgore, flamma, 
II. 16, 95. Indicat, aecusat, convincit, damnat, acerbat. 



1 Die Vita Martini kann, da sie nicht in Distichen geschrieben 
sondern verai fceroico, hier nicht herangezogen werden. 



- 10 - 

III. 6, 3. Leritas proceres, pueroa, hmneaque seaeaque. 

III. 9, 23. Myrta, salix, abiea, corylus, silex, ulrons, acernua. 

IV. 5, 9. Actu, meDte, gradu, spe, nomine, sanguine nexi. 
IV. 25, 11. Orphanus, exsul, egens, viduae, nudaeque iacentes, 
IV. 26, 125. Lilia, nardssua, riolae, rosa, nardus, amomue. 

VI. la, 23. Lingua, decus, virtus, bonitas, mens, gratia pollent 

VI. 2, 15. Ille fuit mitiß, sapiens, bonus, omnibus aequus. 

VI. 5, 83. Tunc proceres, famuli, domo», urba, rex ipee remogit 

VL 5, 112. Gentem, animos, mores, oppida, rura, nemua. 

VI. 5, 151. Currat, stet, sedeat, fleat, intret et exeat alter. 

VL 5, 205. Nobilis, impatiens, metuens, flens, anxia mater. 

VL 5,275. Ducitur, ornatur, deponitur, undique fietur. 

VI. 8, 14. Fixnriae, cocumae, scafa, patella, tripes. 
VII. 4, 15. Esara, Sara, Cares, Scaldis, Säte, Somena, Sura. 
VII. 12, 25. Archyta, Pythagoras, Aratus, Cato, Plato, Ghrysippus. 
ViL 12, 41. Cinaroa, calta, crocna, riolae, rosa* litt* eedunt 
VIII. 3, 99. Sana, Bebecca, Rachel, Hesther, Judith, Anna, Noemi. 
VIII. 3, 127. Blanditur, refovet, veneratur, honorat, obumbrat. 
VIII. 3, 205. Singoltus, gemitus, curas, suspiria, fletus. 
VIII. 3,237. Iüia, narciesus, violae, rosa, nardus, amomus. 
VIII. 21, 5. Dulcis, care, decens, facunde, benigne Oregori. 

XL 25, 17. Pascoa, rura, nemus, segetes, viburna, salicta. 

Fügen wir noch einige Belege aus der Vita Mar- 
tini bei: 

I, 164. Flet, gemit, adcurrit, dolet, eiulat, urltur, angit. 

I, 509. Urbes, rura, domus, templa, oppida, moenia, villas. 
II, 78. Rhenus, Attax, Rhodanus, Tigris, Padus, Hister, Orontes. 
II, 80. Emblem*, gamma, lapis, toreumata, tun, Falerna. 
II, 2Ö7. Sputa, flagella, chlamys, lel, aeetum, lancea, clavi. 
II, 208. Crux, pia mors, tumulus, lapis, inferus, umbra, tyrannos. 
II, 397. Sermo pius, promptus, placidua, catus, aptus, amandos. 
II, 441. Floß, odor, esca, sapor, fons, lux, via, gloria Christus. 
III, 170. Excolit, includit, Berit, inserit, alligat, ambit. 

III, 478. Aurea, pulchra nimie, gemmata, yenusta, corusca. 

IV, 574. Flos, odor, esca, sapor, mera, cinnama, balsama, tura. 

3. Um uns aber die ganze Abhängigkeit zwischen 
dem Marienlobe und Fortunat vor Augen zu führen, 
müssen wir die Asyndeta jenes mit einigen anderen 
Versen des Dichters zusammenstellen, in denen nicht 
nur die Analogie der Form, sondern auch die Ab- 
hängigkeit des Inhaltes so lebhaft in die Erscheinung 
tritt, daß diese lebhafter wohl nicht gedacht werden 
kann. Man vergleiche die hegend gedruckten Verse 
des Marienlobes mit den anschließenden der Gedichte 
und der Vita Martini: 

45. Carnem, mmmaw^ o$sa t cutem, nervo*, vma* t fmwr, ungues. 

2* 



VM. III, 443. Quae facies, ocnli, gena, pes, manus, arca, figura. 
VM. III, 473. Quae frona, ora, oculi, facies, gena, pes, manus, ulna. 

*• 

160. Vipera seu dipsas, serps, draco, cenhris — 

VIII. 3, 195. Vipera, serps, iaculus, basiliscus, emorrois, aspis. 

168. Pulcher, sanguineus, Candidas atgue rubrus. 
IV. 4, 21. Mansuetus, patiens, bonus, aequus, amator, amandus 
IV. 18, 13. Tranquillus, sapiens, iucundus, pacis amicus. 
IV. 24, 9. Vir sapiens, iustus, moderatus, nonestus, amatus. 
VII. 17, 11. Providus, erectus, vigilans, moderatus, honestns. 

VM. p. 23. Attonitus, tepidus, hebetus, vagus, anxius, auceps. 

235. Crystattum) electrutn, aurutn, ostrutn, concha, alba, zmaragdus. 
VI. 1, 110. Saphyrus, alba, adamas, crystalla, zmaragdus, iaspis. 

289. Aethiopes, Thraces, Arabes> Daca, Indus, Manus. 
VI. 5, 219. Thrax, Italus, Bcytha, Persa, Indus, Geta, Daca, 

Britannus. 
Ap. 2, 45. Thrax, Italas, Scytha, Phryx, Daca, Dalmata, Thes- 

salus, Afer. 
VM. II, 74. Qaas habet Indus, Arabs, Geta, Thrax, Afer, Hibernns. 
VM. II, 81. Gazaque Creta, Samos, Cypros, Golophona, Seraptis. 
VM.III, 497. Hebraeus, Graecus, Romanus, Barbaras, Indus. 

* 
355. Cara, benigna, tnicans, pia, sancta, vercnda, venusta* 
I. 15, 103. Cara, serena, decens, sollers, pia, mitis, opima. 
VI la, 37. Pulchra, modesta, decens, sollers, [pia], grata, benigna. 
VI. 3, 9. Mens veneranda, decens, sollers, pia, cara, benigna. 



Polyptoton und Annominätio. 

Diese beiden Figuren, von denen die erste es 
liebt, dasselbe Wort in verschiedenen Formen der 
Deklination oder Konjugation, die andere es anstrebt, 
verschiedene Worte desselben Stammes im Verse ein- 
ander zuzugesellen, erfreut augenscheinlich den Ver- 
fasser des Marienlobes in nicht gewöhnlichem Maße. 
Ich stelle die Beispiele zusammen, ohne die beiden 
Figuren zu trennen: 

4. Quod daret absque viro germine virgo virum. 
43. Quando incorporeus pie corporis induit artus. 
. 57. Quando. exsultavit ventrem de ventre salutans. 



— 21 — 

123. Mundatura novo parkt de crimine mundum. 

125. Homano generi genuit quos Eva dolores. 

143. Supportans fabricata fabrum et humaoa tonantem. 

155. Agniculam portans agnum antiquumque gigantem. 

180. Angelicos cursus ire, redire novos. 

226. Luminibus rotilis lumen honore rotans. 

230. Ad laudem artificis nobib's artia opus. 

250. Nee violata paris nee pari endo gemis. 

255. Factor dans legem f actus sub lege minister. 

263. Nobile nobilior circumsistente senatu. 

264. Consulibus celsis celsior ipsa sedens. 

265. Sic iuxta genitum regem regi na perennem. 

307. O cotiens coctum zonae micat aura per aurum. 

308. Pallida nee pallae est fimbria luce nitens. 

Gerade in diesen beiden Figuren sehen wir nun 
aber auch Fortunatus förmlich schwelgen. Aus den 
Gedichten seien hervorgehoben: 

I. 1, 9. Sumpsisti a Domini culmen, cui eulmina condis. 
I. 8, 3. Post finem sine fine manet mens dedita Christo. 
I. 10, 3. Semine terrigeno terrenis usibus exsors. 
I. 15, 110. Oulminibusque satis eulmina vestra tegat. 
II. 3, 18. Obsequiisque suis crux habet alma cruces. 
II. 7, 38. Et corpus lacerum corpora multa fovet. 
II. 8, 5. Una quod est habilem de magnis magna fateri. 
IL 15, 10. De ingenito genitum quae negat esse Deum. 
II. 16, 57. Quid referam mutis qui verbo verba dedisti. 
III. 6, 44. Felix felici cum grege pastor age. 
III. .7, 30. Celsius haec tantum eulmina culmen habent 
III. 8, 18. Qui ad tua teeta fugit, tectus et ipse redit 
III. 9, 52. Quo sumpsit mundus principe prineipium. 

III. 26, 16. Ut pari t er paribus det sua dona Deus. 
VI. 26. 50. Spem peperit luci luce negante sibi. 

IV. 26, 61. Alter in alterius letali sorte pependit. 

IV. 26, 69. Consultum tarnen iliud habet de coniuge coniunx. 
V. 5, 51. Cum a Domino Dominus pluit igni triste Go- 

morrhae. 
V. 5, 115. Excepitpopuluspopulum, pl ebs altera plebem. 
V. 5, 128. Cum libeat vivo hostia viva Deo. 
VI. 5, 179. Oscula sie rumpunt et fixa ori ora repellunt. 
VI. 5, 227. Saepe tarnen missis dulei sibi dulcis adhaesit. 
VI. 5, 242. Jurat iure suo, se quoque lege ligat. 
VI. 5, 261. Sic extineta meum mea cernunt lumin a lumen. 
VI. 5, 263. Die aliquid miserans miserae, mihi redde loquelas. 
VI. 5, 368. De nata et genero, nepte, nepote, viro. 
VII. 7, 70. Quem commune dueum lumina lumen habent. 
VII. 11, 10. Cur, rogo, non pariter lumine lumen habent? 
VII. 19, 5. Alter in alterius mihi visu visus habetur. 
VII. 19, 7. Unius ex facie facies mihi nota seeundi. 
VIII. 3, 86. Et Domini summi qua caro carne venit. 
VIII. 3, 182. Festinat f es tos concelebrare toros. 



— 22 — 

VIII. 3, 340. Excitet ad lucem fori sine luce puer. 

VIII. 3, 341. 8i vivat genitus genetrix se oblita requirit, 

IX. 1, 24. In quo tot procerum oulmina culmen nabent 

IX. 2, 48. Vir quicunque venit pulvere, pulvis erit 

X. 9, 79. lata diu Dominus dominia spectaoula praestet. 

X. 16, 11. Kex Ohildeberctus cresoens te crescere cogat 

X. 17, 1. Actibus egregiis praeconia fulgida f ulgent. 

Was in den Gedichten uns als Fortunats Art er- 
scheint, das steigert sich bisweilen zur Unart in der 
Vita Martini, der Brauch wird Mißbrauch, das Spiel 
Spielerei. Nur wenige Beispiele: 

I, 9. Et patris in solio sedit sua dextera dexter. 

I, 19. Prudens prudenter Prudentius immolat actus. 

I, 99. Netimeam timidum,timorestDeusarmatimentum. 
I, 103« Daemonabest,&icumbrafugit,quemChristusobumbrat» 
I, 114. Vir pius ergo sagax fideique fidel is athleta. 

I, 154. Et vivente viro intra se sua mortua mors est. 

I, 157. JExcipithiccupidum cupienset amator amantem. 
I, 326. Obstant inculti cultores ruricolares, 

I, 327. Ne colerent melius sua si cultura periret. 

I, 344. Dum rapit, eripitur rapienda rapina rapaci. 

I, 508. Illustris lustrante viro loca lustra ligustra. 

I, 510. Quaeque viri insignis tarn insignia signa mereris. 

II, 12. A digitis salit alta salus, fluit unguen ab ungue. 
II, 16. Siccavitque suo refluamina fluxa fluento. 

II, 61. Dum regit insolitas frenorum Infrenus habenaa. 

II, 115. Induperatori Martinus et imperat ipsi. 

II, 200. Ut tibi tarn misero misereri Christus haberet. 

II, 204. Immaculatus enim maculas detergere venit. 

II, 329. Unde probanda probo, reprobo reprobantia 

probra. 

II, 473. E minimis minimus, de magnomaxima temptans. 

II, 477. Fer pietatls opem misero miserando misertor. 
III. 68. Ut magis esses inops, inopi dum cuncta dedisses. 
III, 279. Denique post fragilis conf regit fortia culmus. 

III, 499. Principibus geminis fidei sub principe Borna. 

IV, 50. Vociferans et voce data sua gaudia plorans. 
IV, 86. Ac fragmen fragile statuit benedictio forte. 
IV, 144. Quando flagellatur grfcviter te iudice iudex. 
IV, 149. Cede, precor, discede loco, concede, quod oro. 
IV, 155. Et gravis ira fngit, sibi fit timor ipae timori. 
IV, 234. Stabat celsa rigens inform is forma columnae. 

Vollends auf die Höhe getrieben erscheint die Vor- 
liebe als Sucht in einem Gedichte an Childebert, Append. 
Nr. 6: es beginnt: 

Res regionis apex et supra regna regimen, 

Qu! caput es capitum, vir capitale bonum, 
Ornamentorum ornatus, ornatius ornans, 

Qui decus atque decens cuncta decenter agis, etc. 



— 23 — 

§ 3. 
Alliteration. 

Mit den Figuren des Polyptoton und der Anno- 
minatio ist selbstverständlich stets Alliteration oder 
Assonanz verbunden. Aber auch abgesehen von 
diesen Figuren liebt Fortunat die Assonanz. Die Vor- 
liebe ist am stärksten in der Vita Martini. 

I, 506. JFoedere /ida /ides /ormoeat /oeda /idelie. 

I, 508. IZlustris Zustrante viro foca Zustra Zigustra. 
II, 344. Mox inimicu8 iners ribratus terbere rerbi. 
II, 352. Martinique /idem neque /ulgida forma /efellit. 
II, 428. Idem semper erat facie, cute, carde, colore. 
II, 478. Et crudis eloqnio carpo, quod condere certo. 
IV, 40. Atque insueta canit camerati concha palati. 

So mächtig tritt in den übrigen Gedichten For- 
tunats die Freude am Stabreim nicht in die Erschei- 
nung. Sie ist aber vorhanden und bekundet sich da 
und dort: 

I. 1, 3. Com te Fitalem voluit wcitare tetustas. 

I. 3, 10. Poesidet ille polos, tu magis ima petia. 

I. 11, 2. Tarn pia. non j?atiar vota Tatere tibi. 

L 11, 15. Membrorum contemptor erat cupiendo coronam. 

I. 13, 11. Nunc meliore via riruit renotwta fetustas. 

I. 11, 13. Qui /ervente /ide Christi solidatus amore. 

I. 15, 15. Nobüitate potens praecellis, j?apa Leonti. 

I. 18, 9. tftraverat ipsa «olo «enio rapiente vetustas. 

I. 20, 6. Praemiacum jx>llens praemia nomen habes. 

I. 20, 12. Florea ^emmato ^ramine prata vireat. 

II. 2, 4. De j>arenti8 protoplaati /raude /actor condolens. 

II. 2, 29. Atque portum praeparare nauta mundo naufrago. 

II. 3, 12. Dona repente dedit rfivina potentia Christus. 

II. 13, 3. Haec est aula Petri caelos qui clave catenat. 

Es ist wohl kaum nötig dieser Eigentümlichkeit 
weiter nachzugehen. In dem Maße, in dem sie die 
übrigen Gedichte Fortunats — nicht die Vita Martini — 
beherrscht, zeigt sie sich uns auch in demMarienlobe: 

24. Ipee hanc /undavit /actus in ipea homo hie. 

112. Parvulus in Juda wilibua ipse manes. 

105. Quem dominatorem terrae miait Afoabitis. 

119. O virgo insignis nobisque medella monades. 

161. Arvulus ipee puer persona vetusta dierum. 

210. Hoepitium vitae pona jpenetrando jpolce. 

213. Celsa super cedros et vaata cacumina montis, 

231» Dtücifl et angelico pretioe* jpuella relata. 



— 24 — 

241. Occulti in terris «acramenti con«cia «ummi. 

242. Et secreta po\i sunt patefacta tibi. 

243. Dignus ager Domini generans «ine «emine frugem. 
264. Consolibus celsis celsior ipsa sedens. 

319. O decus excellens, o /emina /orma salutis. 

Um auch ein Beispiel von Assonanz anzuführen, 
verweise ich auf Carra. III. 7,33 und In laudem s. 
Mariae 155: 

Altius ut stupeas orce abscondendo per arcus. 
ilgniculum portans ognum antiquumque gigantem. 



§4. 
Dreiteilung des Verses. 

In den Gedichten Fortunats zeigt sich eine nicht 
mi&zuverstehende Vorliebe für eine eigenartige Drei- 
teilung des Verses. Sie zeigt sich einmal im Hexa- 
meter. Vergleicht man die weiter oben § 1 Nr. 1 
aufgeführten Beispiele von asyndetischen Hexameter- 
schlüssen, so wird man finden, daß die meisten der- 
selben, sowohl der dem Marienlobe wie der den Ge- 
dichten entnommenen durch drei Worte gebildet sind: 

Cuncta tegens palma — sidera — rura — freta. 
Ähnlich liebt es Fortunat auch seine Hexameter in drei 
Glieder zu teilen, oder genauer gesagt, die drei Glieder, 
in welche der Hexameter so häufig durch doppelte 
Cäsur zerlegt wird, durch drei koordinierte Satzglieder 
zu füllen, so daß der materiellen Dreiteilung des Verses 
eine ebensolche Gliederung des Gedankens entspricht: 
II. 4, 29. Excellens cultu | diva ortu | fulgida fructu. 
II. 11, 19. Ecclesiae fultor | laus regum j pastor egentum. 
II. 16, 55. Nil valet abscondi | nil claodi | nilve teneri. 
III. 8, 17. Floe generis | tutor patriae | oorrectio plebis. 
III. 8, 19. Semita doctrinae | ins causae | terminus irae. 
III. 9, 41. Nobilitas anni | mensum decus | arma dierum. 
III. 18, 11. Per loca | per populos | per compita cuncta videres. 
III. 19, 7. Corde parens | pästu nutrk | bonus ore magister. 
III. 22a, 7. Lumen duloe meum | patriae vigor | altor egentum. 

III. 23a, 29. Sumit pauper opem j tristis spem | nudus amictum. 

IV. 2, 9. Summus amor regum | populi decus | arma parentum. 
IV. 2, 11. Esca inopum | tutor yiduarum | cura minorum. 

IV. 7, 13. Spes cleri | tutor yiduarum | panis egentum. 

IV. 10, 11. Regum summus amor | patriae caput | arma parentum. 



— 25 — 

IV. 11, 5. ßelligionis apez | vitae decus | arnia salutis. 

IV. 11, 11. Lingua potens | pietas praesens | oratio iugis. 

IV. 16, 15. Consilio sapiens | animo pius | ore serenus. 

IV. 18, 11. Regis amor | carus populis | ita pectore dulcis. 

IV. 21, 7. Nobilitate potens | animo probus | ore serenus. 

IV. 26, 151. Nam puer atque senes | niger albus j turpis honestus. 

V. 3, 5. Spes gregis, ecce, venit j pJebis pater | urbis amator. 

V. 8, 1. Culmen honoratum | decus almum | lumen opimum. 

V. 14, 9. Figo pedem | suspendo aurem | mihi panditur ore. 

VI. 5, 163. Quis gremio foveat | genibus vehat | ambiat ulna. 

VI. 8, 11. Corde niger | fumo pastus | fuligine tinctus. 

VI. 10, 37. Insignem specie | celsam lare | lege sagacem. 

VII. 7, 71. Principi8 auxilium | patriae decus | arma parentum. 

VIII. 4, 15. Virgo Dei | fructus caeli | victoria mundi. 

VIII. 11, 11. Terror eram totus | tristis rogus | igne caminus. 

X. 13, 1. Pontifices summi | fidei via | semita vitae. 

X. 13. 7. Exsulis auxilium | errantis via | norma salutis. 

Wir begegnen demselben Versbaue auch in der 
Vita Martini. Ich entnehme ihr die Beispiele: 

I, 27. Faece gravis | sermone levis | ratione pigrescens. 
I, 87. Ambo valent | dum nemo cadit | sie vicit uterque. 
I, 116. Suppliciis lacerus | flagris datus | urbe repulsus. 

}, 126. Buccina terribilis | tuba legis | praeco tonantis. 
, 319. Idola comminuit | fana eruit | obruit aras. 
I, 412. Si mora fit | mea causa perit | suecurre duobus. 
I, 490. Vir maculis varius | cute nudus | vulnere tectus. 
II, 9. Dulcis apex | spes fida ratis | leve pondus amantis. 
II, 246. Fit subito strepitus | quatitur locus | arva moventur. 
II, 379. Dives agris | opulens famulis | locupletus acervis. 
II, 380. Vir censu vastus | lare celsus | et ore rotundus. 
II, 407. Mens fundata Deo | sine fueo | proxima caelo. 
II, 440. Vir, cui Christus amor | Christus honor | omnia Christus. 
III, 57. Tactu mollia | honore potens | splendore coruscans. 
III, 58. Crine ornans | meritum prodens | protegmine fulgens. 
III, 345. Poplite defecto | pede laeso | nare reclina. 
III, 380. Pars pastus | pars fossus erat | pars floreus agger. 
III, 381. Sed sue confoseus | bove pastus | flore comatus. 
III, 386. Herbis luxurians | freno apta | flore decora. 

III, 387. Digna Deo | gemmis rarior | radiantior ostro. 

IV, 149. Cede, precor | discede loco | concede, quod oro. 
IV, 396. Saeva bonum | furiosa pium | truculenta benignum. 
IV, 411. Stant undae | armatura cadit | fragor aequoris urget. 
IV, 709. Arva capax | pelagus intrans | super astra coruscans. 

In dieser Weise gebaute Verse finden wir nun 
auch in dem Marienlobe wieder: 

95. Aegypti | labor Aethiopum | Sabaimque sublimes. 
140. Orbem alt* | astra regt* | tartara luce replet. . 
149. Tum genetrto | de face levt* | de prole salubro. 



— 26 — 

209. Aula Det | oroatus paradia» | gioria regni. 
337. O virgo insignis | benedicta j ad gaudia Data. 

Sollte jemand die Beteiligung des Marienlobes an 
den dreiteiligen Hexametern mit nur fünf Versen für 
zu gering halten, so sei er darauf verwiesen, daß, ob- 
schon Fortunat diese Verse augenscheinlich liebt und 
anstrebt, doch das ganze erste Buch seiner Gedichte 
nicht ein Beispiel eines so gebauten Hexameters auf- 
weist. Somit ist der Prozentsatz der Verse im Marien- 
lobe ein völlig ausreichender. 

Ich habe in vorstehenden Versen durch liegenden 
Druck die Assonanz der drei Versteile hervorgehoben. 
Wer die weiter oben mitgeteilten Beispiele dreiteiliger 
Hexameter darauf ansieht, wird finden, daß in einer sehr 
großen Zahl von Fällen alle drei Glieder reimen, in 
einer anderen Zahl von Fällen nur die zwei ersten 
Glieder. Auch diese Endassonanz ist zweifellos vom 
Dichter beabsichtigt und gesucht. 

§5. 
Lieblingsworte des Dichters. 

1. Ein Wort, das Fortunat gerne gebraucht und 
das daher ihn zu verraten geeignet ist, ist das Wort 
susurro (und susurrus). Es findet sich in den 
Gedichten: 

III, 9, 45. Si tibi nunc avium resonant virgulta susurro. 

IV. 7, 25. Haec qui, sanetepater, pro magnis parva susurro. 
VI. 1, 7. Promittens flores graeih blandita susurro. 

VI. 2, 62. Constantes an i mos non Ventilat aura susurrans. 

VI. 6, 7. Mitior hie aestas, ubi molli blanda susurro. 

VII. 12, 61. Cur igitur metu trahitur data vita susurro? 

VII. 14, 35. Alter in alterius ruetabat mole susurros, 

VII. 17, 15. An tibi Romuleum fastidit lingua su surr um? 

VIII. 3, 356. Cum matrem dulei fauce susurrus alit 

IX. 7, 14. Voce qui rauca modo vix susurro. 

X. 9, 55. Laxabat placidos mox aerea tela susurros. 

XI. 6, 13. Heu, mea damna gemo, tenui ne forte susurro. 

Ap. 30, 3. Expavesco famem, quae iam vicina susurrat. 

Auch im Leben des hl. Martin von Tours stoßen 

wir des öftern auf das Wort: 

II, 247. Et confusa simul vario fremit aura susurro. 
III, 130. Vulnera nulla refert manibuß nee ab ore susurros. 



— 27 — 

IV, 44. Beddit adulta vetus lactantes ore susnrros. 

IV, 96. Sic redit incluso tremula sine voce susurro. 

Das Wort fehlt aber auch in unserem Marienlobe 
nicht, woselbst wir Vers 359 lesen: 

Haec tibi qui, indignus quamvis corde, ore susurro. 

2. Erschreckend geläufig ist Fortunat das Wort 
culmen; aber auch das seltenere cacumen liebt er 
augenscheinlich. Er schreibt in den Gedichten: 

IL 8, 39. Sed quamvis altum teneat de stirpe cacnmen. 
III. 19, 1. Praesul honoris apex, generis fideiqne cacnmen. 
VI. 2, 31. Cuius celsa fides eduxit ad astra cacumen. 
VI. 5, 15. Alta super colles, speciosa cacumine pulchro. 
VII. 8, 15. Arboris anft tremulae viridante cacumine fuso. 
VIII. 15, 1. Summe pater patriae, oelsum et generale cacumen. 
Ap. 23, 7. Arboris oppressit hodie nix alta cacumen. 

In dem Leben des hl. Martinus: 

I, 259. Afcjue subincepitans casura cacumina nutat 

III, 237. Vilia regna probans et celsa cacumina curvans. 

IV, 471. Et visa est meritis curvare cacumina caeli. 

Das Wort fehlt aber, wie zum Ausweise, auch im 
Marienlobe nicht: 

213. Celsa super cedros et vasta cacumina montis. 

3. Ein Synonymum von cacumen ist Fortunat das 
Wort apex, dessen er sich zur Bezeichnung der könig- 
lichen, der bischöflichen oder anderer Würden mit 
Vorliebe bedient: 

I. 15, 29. Emicat altus apex generosa stemmata pandens. 

I. 15, 33. Pontificalis apex quamvis sit celsus in orbe. 

I. 15, 72. Non aliter vobis subiacet omnis apex. 

III. 6, 22. Et sua membra videns fortior exstat apex. 

III. 11, 1. Bplendor, apex fidei, venerabile mente Niceti. 

III. 19, 1. Praesul, honoris apex, generis fideique cacumen. 

IV. 8, 8. Venit ad heredem pontificalis apex. 
IV. 12, 10. Inter honoratos germinis altus apex. 

V. 5, 12. Tu, Deus omnipotens, summe perennis apex. 
V. 10, 2. Dulce caput Turonis, reüigionis apex. 

V. 18, 4. Succurrendo viris, vester ut exstet apex. 

VI. 1, 43. Begalis fervebat apex nee nocte sopora. 

VI« 11, 20. Moribus ut vestris debitor exstet apex. 

VII. 5, 30. Et taue aeterna luce coruscat apex. 

VII. 7» 42. Quo rectore datus crescere novit apex. 

VIII. 15, 2. Forte decus generis, Turonicensis apex. 

VIII. 19, 8. Qui facis, unde decens multipb'cetur apex. 

IX. 1, 144. Sis quopue catholicis reüigionis apex. 

X. 6, 2. Egregium meritis nobüis artis apex. 



X. 


7, 


X. 


19, 


Ap. 


2, 


Ap. 


5, 


Ap. 


5, 


Ap. 


7. 


m. 


I, 



— 28 — 

72. Febre ubi auccensis fons suüs ibat apex. 
66. Et Domini famtilis sitis honoris apex. 

8. Praestet ut arma ducis, qni tibi restat, apex. 
98. Temporibus largis ut tibi constet apex. 

1. Bex, regionis apex et supra regna regimen. 
14. Me quoque; sie nobis hie domineris apex. 

4. Dom colis et coleris, carus haberis apex. 
I, 123. Et quia summus apex fiedei, virtutifl, honoris. 

So finden wir denn auch im Marienlobe das Wort 
wieder: 

136. Cum Domini iubaris irradiavit apex. 

4, Ein anderes Wort, das Fortunat sehr lose hängt, 
ist das Wort opimus. Ich kann aus der Fülle der 
Fälle nur einige aufführen: 

11. Talibus offieiis placatus, opime sacerdos. 
6. Gloria martyrii cuius opima viret 
22. Dum quoque pro parvis reddat opima Deus. 
22. Oui magis ascensum proles opima dedit. 
103. Cara, serena, decens, sollers, pia, mitis, opima. 
37. Dux meriti8 in gente sua, qui pollet opimis. 
44. Et maneat semper nomen opime tuum. 
i, 1. Pastor opime gregis, eunctis tua pabula prosunt. 
25. Sollicitat pia cura gregis te, pastor opime. 
2. Cultor agri pollens, pastor opime gregis. 
16. Rite Deo placitas pastor opimus oves. 
33. Orphana tunc aviae studiis adolevit opimae. 
139. Nam si deplores meritis quae vivit opimis. 
10. Ad patriae sedes civis opima redis. 
1. In venerabilibus famnlis Operator opime. 
40. Subdit vulgus iners tandem dehinc sensus opimi. 
70. Et reges geniturus erit spes gentis opimae. 
42. Cuius in auspieiis floret opima quies. 
VII. 25. 23. Pontifici summo commender opime precatu. 

Ein Fortunat so geläufiges Wort wird man mit 
einer gewissen Berechtigung auch im Marienlob er- 
warten; man wird wenigstens untersuchen, ob es sich 
nicht finde. Es findet sich in der Tat Vers 246 und 266: 

Ignara amplexu, mater opima, sinu. 
Ornata ex partu, mater opima, tuo. 

5. Sehr augenfällig ist des Dichters Vorliebe für 
disjunktives hinc — hinc oder hinc — inde. Auch 
hier ist es selbstredend ausgeschlossen, sämtliche Bei- 
spiele aufzuführen. Einige statt vieler: 

II. 9, 28. Qni regit hinc iuvenes, subrigit inde senes. 
III. 6, 16. Hinc sunt custodes, inde medella gregis. 



I. 


7, 


I. 


8, 


I. 


12, 


I. 


15, 


I. 


15, 


II. 


8, 


III. 


13, 


III. 13 f 


III. 


14, 


III. 


19, 


IV. 


11, 


IV. 


26, 


IV. 


26, 


IV. 


27, 


V. 


5, 


VI. 


1, 


VI. 


1, 


VI. 


2, 



— 29 — 

III. 6, 27. Domnulus hinc folget meritis, BomacbariuB inde. 

III. 6, 45. Hinc te pontifices circumdaDt inde ministri. 

III. 6, 46. Cingit te totum hinc honor, inde favor. 

III. 8, 24. Et te concelebrant hinc opus, inde genus. 

III. 13, 12. Hinc sata culta videe, cernis at inde rosas. 

IV. 1, 10. Inde gradu iudex, hinc pietate pater. 
IV. 5, 10. Exsultant pariter hinc avus, inde nepos. 

IV. 9, 6. Hinc puer, hinc iuvenis deflet et inde senes. 

IV. 18, 9. Hinc doctrina rigans, illinc dulcedo redundans. 

V. 2, 20. Hinc Jacobi tribuens, inde Johannis opem. 

VI. 3, 4. Et simul hinc frater personat, inde pater. 

VI. 5, 87. Hinc tenet affectus, rapit inde tumultus eantes. 

VI. 5, 347. Partitis lacrimis soror hinc, inde anxia mater. 

VII. 4, 18. Cuspide, rete feras hinc ligat, inde necat. 

VII. 7, 47. FultU8 utrisque bonis hinc armis, legibus illinc. 

VII. 8, 60. Hinc mens urget amor, hinc tuus obstat honor. 

VIII. 2, 4. Hinc retinet mater, me vocat inde pater. 

VIII. 6, 10. Et saturat foliis hinc odor, inde decor. 

IX. 1, 40. Hinc in amore manens plebis et inde patris. 
IX. 1, 102. Belliger hinc radias, legifer inde micas. 
X. 16, 4. Atque pararetur hinc equus, inde cibus. 
Ap. 6, 12. Praesens hinc gaudens, inde sed aure favens. 
VM. III, 401. Hinccapulum vibrans, hinc torquens missile telum. 

Dieselben Wendungen im Marienlobe: 

38. Aequalis matri hinc, par deitate patri. 
132. Nunc tuus est uterus hinc cibus atque salus. 
233. Inde rubore rosas, candens hinc lilia vincens. 
258. Hinc prolem, inde patrem, hoc Deus, illud humus. 

6. Damit verwandt ist der gleichfalls Fortunat 
beliebte und geläufige Gebrauch von unde — inde 
(hinc) zur Bezeichnung von Wirkung und Ursache: 

I. 8, 12. Nam abstulit unde caput, contulit inde polum. 
I. 11, 20. Unde mori voluit, vota salutis habet. 
I. 13, 14. Unde senes fieret, iunior inde redit 
H. 2, 9. Et medellam ferret inde, hostis unde laeserat. 
II. 14, 18. Mors fuit unde prius, lux fovet inde viros. 
III. 8, 34. Unde tibi nupsit, castior inde manet. 

III. 12, 12. Exhibet hinc epulas, unde rapina venit. 

IV. 4, 24. Unde furor poterat, inde triumphus erat. 
IV. 26, 52. Unde redire solet, deficit inde genus. 

VI. la, 14. Hinc modo, te reges unde sequantur, habes. 
VI. la, 18. Tu magis unde subis, mitior inde manes. 
VI. 4, 4. Unde fugis terras, hinc petis astra magis. 
VI. 10, 20. Nam sanguis latices hinc gelat, unde rigat. 

IX. 1, 36. Unde magis coluit, praetuTit inde pater. 
IX. 1, 56. Unde fatigavit, hinc meliora dedit. 

IX. 1, 63. Unde gravabaris, celsior inde redis. 



— 30 - 

Geradeso der Dichter des Marienlobes, Vers 44: 

Unde aequalis matri, fit minor, in de patri. 

7. Nicht zu übersehen ist die Vorliebe Fortunats 
für das Wort pendulus. Beispiele: 

IL 3, 8. Ecclesiam stabilit pendulus ipee cruoe. 

III. 14, 24. Alter in excelso pendulus ordo datur. 

V. 5, 28. Ac homo sidereum pendulus iit iter. 

VI. 5, 2. Nee figit stabilem pendula vita pedem. 

VI. 5, 72. Cervici insiliant pendula membra meae. 

VI. 6, 8. Aura levis semper pendula mala quatit 
VII. 4, 2. Pendula sidereo quae movet aze rota. 
VIII. 3, 234. Pendula sideream planta tenere viam. 

X. 9, 54. Reddebantque suos pendula saxa tropos. 

X. 17, 38. Quique sui domini pendulus implet opus. 
XI. 25, 2. Instabilique gradu pendula vita meat. 

Dieselbe Vorliebe zeigt sich in der Vita Martini: 

P., 14. Intrat et aerias pendula prora vias. 
I. 182. Accessit, ubi sie male pendula praeda iaeebat 

II. 1. Pendula iam dudum laxavi carbasa pinu. 

II. 325. Pendula planta volans cum nubila finderet intrans. 
III. 123. Quo iumenta sacri dum pallia pendula cernunt. 
III. 171. Interea mulier defuneta pendula nato. 
III. 299. Pendulus aerio quatiens auriga flageüa. 

Der alte Bekannte kehrt wieder im Marienlob, 
Vers 194: 

Neu pes oftendat, pendula turba volaL 

8. Sehr geläufig ist Fortunat die Redensart iter 
ire, die gewiß nicht des Charakteristischen ermangelt. 
So schreibt er beispielsweise: 

III. 16. 36. Ne prius iret iter, quam daret ista Deo. 
28. Ut nomo sidereum pendulus iit iter. 

4. Et fragiti glaeie lapsibus itur iter. 
54. Matri praestaret, quo omul iret iter. 

312. Tardius ad matrem hie dolor iret iter. 

5. Quin tibi pauca ferat, qui vult iter ire, viator. 
314. Sie medioere tenens cantius itur iter. 
112. Artis diversae sie simul itur iter. 

XL 26, 10. Nee cupimus subter, nee super itur iter. 

Ap. 1, 70. Si plus arva forest, longius isses iter. 
VM. IV, 113. Et pietetis iter solus parat ire viator. 
VM. IV, 649. Per Dravum itur iter, qua se casteila supinant. 

Sehen wir uns nach dem Ausdrucke im über de 
laude s. Mariae um, so fehlt er auch hier nicht: 

5. Dum pede non potuit, motious iit iter. 
183. Quae eirea te ades, vel quando iter ire parares. 



V. 


5, 


VI. 


5, 


VI. 


5, 


VI. 


5, 


VII. 


17, 


VIII. 


3, 


IX. 


1, 



— 31 — 

Zur Form iit in Vera 5 und V. 6,28 vergleiche 
man auch: 
VM. IV, 13. Fluctiboa in trifidis tribus ii nauta libellia. 

9. Lesen wir in dem Marienlobe Vers 20: 
Iudicium faciens arbiter orbis erus, 

so erinnern wir uns, daß dieser Ausdruck arbiter 
orbis Fortunat auch sonst geläufig ist; z. R: 

II. 14, 26. Cum veniet iudex, arbiter orbis erit. 

IV. 26, 91. NubibuB invectus cum venerit arbiter orbis. 
Ap. 23, 25. Hoc age, ut ad thalamoe cum Tenerit arbiter orbis. 
VM. II, 478. Bector ut altithronus cum Tenerit arbiter orbis. 
VM. IV, 609. Arbiter in populos, tribuum pavor ante tribunal. 

10. Ähnlicher Weise erinnern wir uns, wenn wir 
im Marienlobe Verse lesen wie: 

143. Supporten« fabricata f abrum et humana tonantem, 
220. Quam formam sculpeit tarn super astra faber, 

daß auch dies Bild ein Bild Fortunats ist: 

X. 6, 106. Cui Dens occurrit, qui dedit aslra faber. 

11. Sehr geläufig ist Fortunat der synekdochische 
Gebrauch von astra statt caelum. Nur wenige Bei- 
spiele statt vieler: 

IV. 6, 6. Quod hunc pro meritis vexit ad astra fides. 

IV. 18, 20. Pauperibus tribuens dives ad astra subit 

V. 8a, 2. Mente salutifera qui petit astra palam. 

VL 2, 31. Cui us celsa fides adduxit ad astra cacumen. 

VI. 3, 31. Stat sine fraude tuum, quod mittis ad astra talentum. 

Vi. 4, 4. Unde fugis terras, binc petis astra magis. 

VI. 5, 302. Quaque recurrit iter, quaestibus astra ferit 

VII. 12, 48. Ac terris recubat, quod super astra voiet. 
VIII. 1, 52. Atque bomines inter iam super astra petit. 

VIII. 3, 10. Laudibus et Domini concutit astra fragor. 

VIII. 3, 22. Erepfcos terris iungit rä astra fides. 

VIII. 3, 36. Et quascunque sacer vexit ad astra pudor. 

VIII. 3, 54* Felix angustam pandit ad astra viam. 

VTII. 3, 100. Quamvis praecipue culmen ad astra levent. 

VIII. 3, 150. Laeta relaxato mittit ad astra sinu. 

VIII. 4« 25. Despice, quod terrae est, et clare sedebis in astris. 

VIII. 5, 4. Et dum clausa lates, hinc super astra vides. 

Die Phrase kehrt auch im Marienlobe wieder: 
273. Qui omnes ore sui ornati super astra coruscant. 
315. Cum regio ergo pob* satusque exercitus astri. 
343. Laudibus his, Domini genetrix, fragor intonat astris. 
350. Arte super soles et super astra nitena. 



— 32 — 

12. Im Anschlüsse an diesen Gebrauch von astra, 
wäre auch auf das seltenere Wort astriger hinzu- 
weisen, das sich im Marienlobe sogar zweimal findet: 

216. Praelata astrigeris sola puella choria. 
260. Et super astrigeros erigis ora polos. 

Es findet sich auch in den gesammelten Gedichten 
wieder: 
Ap. 3, 40 Possit in astrigero reddere digna throDO. 

13. Auffallend ist es für den Leser, daß Fortunat, 
wenn er vom Schmucke, sei es der Himmlischen, sei 
es irdischer Größen, redet, selten vergißt die palla, 
die zona und das diadema zu erwähnen. Und zwar 
geschieht diese Erwähnung gleichmäßig in den unbe- 
strittenen Poesien Fortunats und im Marienlob. Zu 
bemerken ist dabei noch, daß die palla bei Fortunat 
nicht nur das Frauengewand der alten Römerinnen 
bedeutet, sondern schlechthin ein Gewand, unter Um- 
ständen sogar das sagum des Kriegers. Beispiele: 

VIII. 4, 10. Et candore nivis fulgida palla tegit. 
IX. 2, 127. Utentes niveam per Candida pectora pallam. 
X. 6, 30. Unde tegis nudum, hinc tua palla Deum. 
VM. III, 64. Cui gravis est vel palla levis, dum clamat egenns. 
VM. III, 468. Quae palla ex humeris mixto chrysoprasse beryllis. 

Und so im Marienlobe, Vers 308: 

Pallida nee palla e est fimbria luoe nitens. 

Der Gürtel erscheint u. a. in den folgenden Stellen: 

VIII. 3, 273. Pnlchra topaziacis ornatur zona lapillis. 
IX. 2, 128. Purpureamque togam fulgida zona ligat 
X. 7, 28. Atque sacris lumbis fulgida zona viret. 
VM. III, 466. Quanto zona die lapidnm radiabat honore. 

Ebenso im Marienlobe Vers 307: 
O quotiens coctum zonae micat aura per anrum. 
Auf das Diadem stoßen wir u. a. in den Versen 
der Carmina: 

V. 2, 73. Unde mlustre caput cingas diademate pulchro. 
VIII. 3, 263. Inseritnr capiti radians diadema beryllis. 
VIII. 4, 7. Pnlchra Corona caput triplici diademate cingit. 
IX. 2, 126. Et varÜ8 gemmis frons diadema geret 
X. 7, 27. Hos inter Martinus habet diademata pulchra. 

Ebenso in der Vita saneti Martini: 
I. 134. Ornatum eccledae pollens diadema coruscum. 



- 33 — 

II, 289. Tectus bratteolia väcuo diademate pulcher. 
II, 318. Se neque purpureum necsit diademate fultum. 
II, 452. Hunc praetexta nitens, illum diadema facetat 
III, 460. Vidisti templam Domini diademate fultum» 

III, 472. Luminis et varios Bpargens diadema virores, 

IV, 5Ö3. Tegmine vir niveus, miro diademate fulvus. 

Ebenso endlich in dem Marienlobe Vers 301: 
OomponeDdo caput niveum diademade f ulvo. 

14. Es wäre allenfalls noch auf die Rolle zu ver- 
weisen, die das Wort ops in Dichtungen Fortunats 
spielt. Indes genügt es vielleicht, mich für dies Wort auf 
den sprachlichen Index bei Leo (S. 410) zu beziehen 
und nur die einschlägigen Stellen aus dem Marienlob, 
die dort fehlen, hier anzufügen: 

78 Vobis ex vestris fratribus orbis opem. 
120 Quam Deus implevit totius orbis ope. 
144. Virgula radicem, facta creantis opem. 
3(30. Spes mihi eis veniae, quae vehis orbis opem. 

Seltene Worte und eigentumliche Wortformen. 

Aus dem Schatze bemerkenswerter Worte und 
Wortformen, die Leo in seinen „Index Grammaticae 
et Elocutionis" aufgenommen, seien hier einige hervor- 
gehoben, welche geeignet sind, die Identität des Ver- 
fassers der: Carmina und der Vita Martini einer-, des 
Marienlobes andererseits noch weiter zu veranschau- 
lichen. 

1. Das Wort alba in der Bedeutung „die Perle" 
(die Weiße) kann schlechterdings als selten bezeichnet 
werden. Nicht so selten ist das Wort bei Fortunat: 

VI. 1 , 10. Saphyrus, alba, adamans, crystalla, zmaragdus, iaspis. 
VIII. 3, 264. Ordinibus variis alba, zmaragdus inest. 

X. 10, 18. Unde datae tibi sunt alba, topazus, onyx. 
VM.III, 471. Sculptilis impressis et in auribus alba sigillis. 
VM.III, 514. Chrysolithis rutilas, niveas stellantibus albis. 
VM. IV, 627. Vel toga permixtis hyazinthina curreret albis. 

Ebenso aber auch im Marienlobe Vers 312: 
Quando pavimentis, alba, topazus inest. 

2. Zu den seltenen Worten werden wir unbedingt 
das Wort specular e rechnen können. Fortunat braucht 

Drevea, Fortunatna- und Baban -Stadien, ß 



— 34 — 

es in der Vita Martini dreimal (Leo führt die beiden 
ersten Fälle auf, nicht den dritten): 

I, 172. Runui et josertus renovat specularia visu«. 

III. 156. Ad speculare noyum concurrena undique visu. 

IV. 505. Aut speculare dedit, quo sanctus lumine transit? 

Ebenso nun auch im Marienlobe Vers 55: 
Trans uterum niatris quasi per specularia eernena, 

3. Zu den seltenen Worten dürfen wir mit Leo 
auch das Fremdwort aroma und das davon gebildete 
Eigenschaftswort Aromaticus zählen. Beide Worte 
konstatieren wir bei Fortunat, beide im Marienlob. 

IL Ö, 25. Fundis aroma cortice. 

V. 1, 1. Nares ipsas aromate rcspirante sufßvit 
VII. 12, 120. Suayiua et recreat quam quod aroma reflat. 

V. 5, 133. Fudit aroma ticum Domini libamen ad aram 
VII. 8, 41. Sensus aromaticus suaves diffundit odores. 

Im Marienlobe hinwieder lesen wir Vers 13 und 354: 

Laxus morte iaoens, de cuius aromate tactus. 
Vincis aromatlcas mentis odore comas. 

4. Noch ein anderes Fremdwort dürfen wir hier- 
herbeziehen, das Wort pharus. Es findet sich dreimal 
bei Fortunat, einmal im Marienlob: 



VIII. 15, 4. Qui inlustrans populoe spargeris ore pharus. 

X. 7, 7. Qui telut alta pharus lumen pertendit ad Indos. 
VM. I, 49. Oallica celsa pharus fulgprem extendit ad Indoa, 



Vergleiche damit Marienlob Vers 212: 
Ära Dei adsurgens, luminis alta pharus 1 ). 

5. Überraschend ist das Vorkommen des Eigen- 
namens Naddaverbei Fortunat und in dem Marien- 
lobe. Der Name ist den apokryphen Apostelgeschichten 
des Abdias entlehnt, wo von aem Apostel Matthäus er- 
zählt wird, daß er in Äthiopien in der großen Stadt 
Naddaver, der Residenz des Königs Anghppus Aufent- 
halt genommen habe. Die beiden Parallelstellen VDI. 
3,148 und Marienlob 284 lauten: 

Matthaeum eximium Naddaver alta virum. 
Quos Patras, Ephesus, Naddaver arce tenet. 



*) Pharus und pharos wechselt in der Überlieferung Fortunats, 
wie auch topazos und topazus. 



— 35 — 

6. Unter den Zeitwörtern feilt bei Fortunat der 
Gebrauch von rotare auf. Man vergleiche: 

III. 18, 2. Atque cothurnato verba rotata sopho. 

VI. 5, 1. Casibus incertis rerum fortuna rotatur. 
VII. 7, 16. Ingenio vivax, ore rotante loquax. 
VII. 8, 28. Psallit honorificum fauce rotante melum. 
VII. 18, 11. Ad tibi carta parum peregrina meroe rotatur. 

XI. 25, 1. Casibus innumeris homiDum momenta rotantur. 
VM.III. 336. Hie frutice in vacuo delusus odore rotatur. 
VM. IV. 527. Voce venenata verba haec anguina rotabant. 

Dazu nun Marienlob Vers 226: 

Luminibus rutilis lumen honore rotans. 

7. Das Zeitwort sagittare kommt einmal im Leben 
des hl. Martinus vor und einmal im Marienlobe, merk- 
würdiger Weise beide Male mit dem Wort iaculare ver- 
bunden. 

VM.III, 285. Tibia frage ferax larvam iaculata sagittat. 
ML. 225. Ore diem iaculans radios e fronte sagittat. 

Wäre der Dichter des Marienlobes ein Fälscher, 
so müßte er sich gerade dieses änat; hydfievov bei 
Fortunat herausgeklaubt haben; das ist sonst nicht 
Fälscherart, weder Art der unintelligenten, noch weniger 
Art der intelligenten Fälscher. 

8. Ganz dasselbe ist zu sagen von dem Worte 
sepultare. Auch dies kommt nur einmal bei Fortunat 
vor, Vin. 3,167 und einmal im Marienlob, Vers 286. 
Die beiden Stellen lauten: 

Vitalem ac reliquos, quos cara Ravenna sepultat. 
Quoeque sepultat humus, cingit et Oceanus. 

9. Etwas häufiger ist der Gebrauch von reflare 
bei Fortunat. Leo fthrt zwar (S. 415) nur eine Stelle 
auf; es ist aber kein anal key6/xevov: 

III. 7, 36. Vivere picturas arte reflante putas. 
VII. 12, 40. Vincens quae pinguis balsama silva reflat. 
VII. 12. 120. Suavius et recreat quam quod amara reflat. 

Dem gesellt sich aus dem Marienlobe Vers 14 zu: 

Postque diem quartum Lazarus ore reflat. 

10. Gehen wir zu den eigentümlichen Wort formen 
über, die uns da und dort bei Fortunat begegnen, 
treffen wir einmal auch das Wort serps in der Be- 
deutung von serpens: 

VIII. 3, 195. Vipera, serps, iaculus, basilicus, emorrois, ftspis. 



— 36 - 

Dasselbe Wort, hier allerdings seps x geschrieben, 
kehrt aber auch im Marienlobe Vers 160 wieder: 
Vipera seu dipsas, serps, draco, cenchris 

Der Fälscher hätte also wieder ein &rza£ Xeydpevov 
seines Vorbildes sich angeeignet, hätte aber in demselben 
Verse ein anderes — noch der Erklärung harrendes — 
übergangen. 

11. Mit der Form serps statt serpens ist der Nomi- 
nativ orbs statt orbis parallel. Wir finden diese Form 
zweimal bei Fortunat, einmal im Marienlob. Bei 
Fortunat: 

IX. 3, 14. Orbs quoque totus item per nova vota fremit. 
VM. IV, 583. Quid, pie vir, satis est, cui laudis debitor orbs est 

Im Marienlobe aber lautet Vers 358: 
Gaudet et orbs totus, pontus, arena, polus. 

Dieser eine Vers enthält somit nicht weniger als 
drei für Fortunat zeugende Eigentümlichkeiten, näm- 
lich die Form orbs, das Asyndeton in der zweiten Vers- 
hälfte und die Aufteilung des Alls in Meer, Land und 
Himmel. 

12. Um zu zeigen, wie sehr diese Bildungen serps 
und orbs fortunatisch sind, sei noch auf eine dritte 
hingewiesen, die sich allerdings im Marienlobe nicht 
wieder findet. Statt des Wortes merces bildet nämlich 
Fortunat einmal den Nominativ merz: 

V. 6, 38. Dulce Dei munus, quo merx te, care, Coronet 

13. Einmal begegnen wir im Marienlobe der Nomi- 
nativform gigans statt gigas: 

28. Exsultatque gigans Christus eundo viam. 
Ich vermag zwar diese Form bei Fortunat nicht 
nachzuweisen, wohl aber eine ganz analoge Bildung. 
Er braucht nämlich einmal — vi. 5,107 — die Form 
adamans statt adamas (magnetischer Eisenstein) 

Antea vos geminas adamans petra una ligasset. 

14. Statt des Wortes penna gebraucht Fortunat 
fast konstant die Form pinna. Ist diese an sich auch 



') Übrigens hat auch VIII. 3, 195 eine Handschrift seps; 
vgl Lucan. IX, 723; 764. 



— 37 — 

nichts schlechterdings ungewöhnliches, so dient sie doch 
zur Charakterisierung seiner Schreibweise, Nur einige 
Beispiele zum Belege: 

VI. 1, 62. Et pariter levibus fregerunt nubila pinnis. 
VL la, 9. Cuius rapta semel sumpsit Victoria pinnas. 
VI. 5, 310. Maerorisque gravis tarn cito pinna volat. 
VII. 2, 81. Caroibus et pinnis non furor aequus erit. 

VII. 10, 1» Quam cito fama volat pernicibus excita pinnis. 
Ap. 23, 4. Dum veluti pinnis tempora nostra volant. 

Ap. 24, 7. Daedalico lapsu si pinnas sumere nossem» 
VM. II, 232. Et cito aiderea volitent sua nuntia pinna. 
VM. II, 321* Atque piis plantis straverunt flamioa pinnas. 
VM.III, 425. Quem pendente via nee in aera pinna fatigat. 

Ebenso bildet er HI. 17,10 das Diminutiv pinnula 
und VM. II, 326, III, 289 das Adjektiv pinniger. 
Die Form pinna nun finden wir wieder Marienlob 
Vers 192: 

Ille levans pinnas, vertat ut imber aquas. 

15. Statt der Form senex gebraucht Fortunat die 
Nominativform senes oder senis; z. B.: 

I. 13, 14. Unde senes fieret, iunior inde redit 

I. 15, 8. Parvus eras annis et gravitate senes. 

I. 15, 52. Sic solet et phoenix se renovare senes. 
IL 9, 56. Inde senis largam ruetat ab ore tubam. 
V. 5, 36. Ut vitam renoves, credere disce senes. 
VI. 2. 52. Floruit inde magis spe meliore senes. 
Ap. 18, 11. Haec pia festa diu maltos, senis ipsa, per annos. 

Das Wort senex kommt im Marienlobe nicht vor. 
Es darf aber wohl als eine Analogie bezeichnet werden, 
daß in dieser Dichtung, Vers 16 statt des gebräuch- 
lichen vates die Nominativform vatis auftritt: 

Monstrans voce pari sie quoque vatis ait. 

16. Das Wort alvus wird Marienlob 135 als Mas- 
kulinum gebraucht: 

Post tenebras solem revocat tuus alvus in orbem. 
Weit entfernt, daß dieser Mißbrauch gegen Fortunat 
spräche, zeugt er für ihn, denn dieser Dichter braucht 
das Wort auch anderwärts als Maskulinum. 

IL 16, 135. Mors et origo simul misero processit ab alvo. 

VIII. 3, 87. Spiritus intactum venerabilis attigit alvum. 

17. Einmal stoßen wir in dem Marienlobe — 
Vers 190 — auf das Wort subnitidare: 

Ille excussa ala subnitidare viam. 



— 38 — 

Dies Wort kann ich den anderen Dichtungen des 
Fortunat nicht nachweisen ; wohl aber zeigt die Bildung 
ganz seine Art, der sich auch Worte wie subtitu- 
bare (VM.11,474) und subincrepitare (VM.^259) 
zusammensetzt. Überhaupt ist Fortunat ein kühner 
und rücksichtsloser Wortbildner. Namentlich die Vita 
Martini ist überreich an solchen Leistungen. Man ver- 
gleiche nur Worte wie flatilis (IV, 303), furiatalis 
(DI, 306), lymphatilis (EL 286; IV, 313), natatilis 
(IV, 303), pluviatais (UI, 485), radiatilis (H, 286; 
IV, 313), simulatilis (II, 276); wie volucriter (111,294), 
iuvenahter (I, 381), penetranter (IV, 597). u. s. w. 

§7. 

Abweichende Bedeutung gebräuchlicher Verben. 
Andere Anomalien. 

Eine Reihe von Zeitwörtern — und dieselben ge- 
hören alle zu den gewöhnlichsten und gebräuchlichsten 
— erhalten im Sprachgebrauche Fortunats eine unge- 
wöhnliche und ungebräuchliche Färbung. 

1. So braucht Fortunat das Kompositum ad esse 
in der Bedeutung des Simplex esse: 

VI. 8, 12. Et cuius fades cacabufl alter ade st 
VII. 16, 31. Ipse gubernabas, veluti si tutor adesses. 
VIII. 1, 24. Cui de fratre patris Hamalafredus ad est 
IX. 2, 22. Cum de lege neos nemo solutus ad est 
Ap. 1, 132. Laedere quod timait, causa doloris ad est 

Ganz so wird das Verbum auch Marienlob 100 
gebraucht: 

Eins renis adest cinctoriumque fides. 

2. Ganz analog wird im Marienlobe das Kompo- 
situm astare in der Bedeutung des Simplex stare 
gebraucht, u. z. in der Fortunat eigentümlichen, weiter 
unten zu erörternden Bedeutung des einfachen „sein*. 

A staus in Signum populorum, eiusque sepulcrum. 

3. Hierhin gehört der Gebrauch von agere im 
Sinne von vivere oder esse: In den Gedichten: 

III. 6, 44. Felix felici cum grege pastor age, 

IV. 4, 30. Bis ter dena tarnen iustra superstes agens. 

V. 3, 35. Leatus agat sub clave Petri, sub dogmate Pauli. 



- 39 — 

VI. 1, 32* Corde pudlcus agens, reotor tot gäfitibus unus. 
VIII. 3, 284. Fluctibus in mediis anchora oordis agat 

VIII. 14, 4. Vestris nunc scriptis laetificatus agens. 
Ap. 34, 10. Beete minister agens, ecce, magister ades. 

Derselbe Gebrauch läßt sich auch in der Vita 
Martini beobachten: 

I, 379. Cum impatiens ageret, nee adesset cura inedellae. 

III, 219. Ordine milet agens removet potumque eibumque. 

IV, 101« Moribus üt tumidus comes Avitianus agebat 

Genau so nun lesen wir im Marienlob; 
166. Qui nos lumen agens visitat in tenebris. 
313. Quodque oculus non vidit agens, non audüt auris. 

4. Hervorzuheben ist des weiteren die Verwendung 
des Wortes dare im Sinne von faeere, efßcere, reddere. 

I. 1, 18. Et gradus et pietas te dedit esse patrem. 
I. 2, 18. Ne magis ageret, se spoliare dedit 

III. 23a, 26. Dans pator monitis, ne premat error oves. 

IV. 24, 14. Nee placitnra homini, se dedit esse Dei. 
V. 5, 34. Adloquitur blande, quoe dabat ira truces. 

VI. 2, 112. Et dominum servet, quem dedit esse patrem. 

IX. 1, 2. Quos dedit alma fides relligione pares. 
X. 6, 106. Cui decus oecurrit, qui dedit astra faber. 

X. 7, 55. Qui de peste domum salvam dedit esse Leonti. 

X. 11, 22. Quos Deus omnipotens hie dedit esse pares. 
X. 13, 2. Quos dedit omnipotens luminis esse duces. 

X. 14, 12. Sollennem ecclesiae hie dedit esse diem. 

Ap. 1, 72. Prosperior quam te terra Toringa dedit 

Auch in der Bedeutung edere gebraucht Fortunat 
das Wort: 

IL 7, 14. Ut quod sermo daret, consequeretur opus. 
VIII. 3, 386. Quod dat apostolica Paulus ab ore tuba. 
Ap. 1, 28. Funereas planctu nee dedit ullus aquas. 

In all diesen Bedeutungen finden wir das Wort 
im Marienlobe wieder: 

196. Solaque dormitans tot vigilare dar es. 
8. Emmanuel nostrum virgine dante canens. 
82. Decrepitus senio haec pia verba dedit 
94. Quem salvatorem germroe virgo dedit. 

5. Das Wort stare hat bei Fortunat sehr häufig 
die Bedeutung des bloßen esse oder manere: 

I. 12, 20. Hie agat, ut robis stet diuturna Salus. 

III. 10, 27. Stet sine labe tibi, Felix, pia vita per aerum. 

IV. 9, 4. Quod stetit eximium pontificale caput. 
IV. 27, 8. Stas melior caelo, quam pius esses numo. 



— 40 — 

V. 5, 42. Personis propriis stat tribus unus apex. 

V. 5, 53. Qui tuus ipse mens stat conditor atque Creator. 
VI. 3, 31. S ta t sine fraude tuum, quod mittis ad astra, taten tum* 
VI. 5,100. Stas, felix regio, cur ego praeda trahor? 
VL 5,270. Te stante incolumi me pnus ira neci. 
VI. 10, 26. Quo recreans animum stat viror, halat odor. 
VI. 10, 66. Curat ut affatus, stet tibi longa salus. 
VII. 12, 122. Longa stante die, dulcis amice, vale. 
VIII. 11, 12. Febris et in fibris stabat operta patens. 
IX. 2, 34. Vivens sub pelago stat modo pressus humo. 

X. 7, 14. Stat modo gemmatus pauper in orbe prius. 

X. 7, 25. Stat quoque post lacrimas ubi nunc Badegundis 

opima. 

X. 8, 26. Cumque pio merito st es placitura Deo. 
XI. 2, 6. Te celan te mihi stat sine sole dies. 
XI. 8, 12. Et vestro freno stet chorus ille Deo. 

Ganz denselben Sprachgebrauch finden wir im 
Marienlobe wieder: 

32. Stat Deus et homo fit Christus, utrumque genus. 
130. Stante redemptoris de cruce dulce sapit. 
162. Egressus cuius stat sine principio. 
224. St ans merito fidei gemma superba throni. 

6. Von andern Eigentümlichkeiten sei der Gebrauch 
von per erwähnt in solchen Zusammenhängen, wo wir 
in oder ad erwarten würden; z. B.: 

VI. 5, 66. Quando iterum natae per pia colla cadam? 
VIII. 15, 6. Vir per plana sedens, qui pia castra tegis. 

IX. 3, 14. Orbs quoque totus item per nova vota f rennt. 
VM. III, 302. Exagitator iners, residens per terga bubulcus. 
VM. IV, 218. Tunc sacer antistes assueta per arma recurrens. 
VM. IV, 522. Forte sacer residens per dura sedilia ligni. 

Wer erkennte nicht dieselbe Art Marienlob, Vers202 : 

Ac miraretur per tua membra De um. 

7. Sehen wir im Marienlobe 246 und 248 Worte 
wie ignarus und inscius mit dem Ablativ statt 
mit dem Genitiv verbunden: 

Ignara amplexu, mater opima sinu, 
Inscia coniugio, feta negante viro, 

so wundern wir uns um so mehr, als nichts den 
Dichter, hinderte ebensogut ampkxus und coniugii zu 
schreiben. Wir wundern uns aber nicht mehr, wenn 
wir beobachten, daß dies auch sonst Fortunats Ge- 
pflogenheit ist; z. B.: 

VI. 5, 11. His premimur tenebris ignari sorte futuri. ' 
VM. p., 26. Pondere victus aquae nescius arte iacet 



— 41 — 

§8. 
Vorliebe für gewisse Gedanken, Bilder and Wendungen. 

In dem Marienlobe wiederholen sich gewisse Ge- 
danken, Bilder und Wendungen, die uns aus den Ge- 
dichten Fortunats alte Bekannte sind und uns in der 
Überzeugung bestärken, daß er und kein anderer Ver- 
fasser des Panegyrikus ist. 

1. Die Weltgegenden. Lesen wir im Marien- 
lobe 285 und 290: 

Quos Oriens, Occasus habet, quos Africa et Arctos, 
Aurora et Vesper, Fersa .Britannus adest, 

so erinnern wir uns, daß diese vier Enden der Erde 
auch sonst bei Fortunat eine Rolle spielen: 

VII. 12,57. Arctos, Meridies, Oriens, Occasus honorat 
IX. 1, 15. Quem profert Orieos, Iibyes, Occasus et Arctos. 
X. 7, 9. Hunc Oriens, Occasus habet, hunc Africa et Arctos. 
VM. II, 75. Quod fert Meridies, Arctus, Occasus et Ortus. 
VM. II, 76. Quod Boreas, Aquilo, Libs Circius, Auster et Eurus. 
VM. III, 492. Arctos, Meridies, hinc plenus Vesper et Ortus. 

2. Fortunat liebt es bisweilen die ganze himmlische 
Hierarchie in seinen Gedichten aufmarschieren zu lassen. 
Ich will hier nur drei Stellen nebeneinander stellen, 
in denen die Verteilung der Apostel über die Welt 
geschildert ist und von denen die erste dem Marien- 
lobe, die beiden andern den Gedichten entlehnt sind. 
Als die zwölf Tore des himmlischen Jerusalem erscheinen 
die Apostel Marienlob v. 289—196. 

Aethiopes, Thraces, Arabes, Daca, Indus, Alarms, 

Aurora et Vesper, Persa, Britannus adest, 
Intrantes in regna Dei pietate redempti 

Gaudia visuri regis in arce poli, 
Quos recipit sacra porta Petri, quos ianua Pauli, 

Postis ad Andreae limen Achaia petit. 
Mattheus Aethiopes, Ephesenos valva Johannis, 

Et quem quisquis amat, hunc sua porta rogat. 

Damit vergleiche man V. II, 5 — 14: 
ßedditur avulsis spinis urbs Romula princeps, 

Principis egregii vomere culta Petri; 
Paulus ad Illyricos Scythicas penetrando pruinas 

Dogmate ferventi frigora solvit humi; 
Mattheus Aethiopos attemperat ore vapores 

Vivaque in exusto flumina fundit agro; 



— 42 — 

Bellica Persidis Thomae subiecta vigori 

Fortior efficitur victa tiara Deo; 
Lurida perspicuo datur India Bartholomaeo, 

Andreae monitis exstat Achaia seges. 

Und neuerdings VIII. 3, 137—152: 

Jurisconsulti Pauli comitante volatu 

Princeps Bomana currit ab aroe Petrus; 
Culmen apostolicum radianti luce coruscum 

Nobilis Andream mittit Achaia suum. 
Praecipuum meritis Ephesus veueranda Johannem 

Dirigit et Jacobos terra beata sacros. 
Laeta suis votis Hierapolis alma Philippum, 

Producens Thomam munus Edessa pium. 
Inde triumphantem fert India Bartholomaeum, 

Matthaeum eximium Naddaver alta virum. 
Hinc Simonem ac Judam lumen Persida gemellum 

Laeta relaxato mittit ad astra sinu ; 
Et sine rore ferax Aegyptus torrida Marcum, 

Lucae evangelica participante tuba. 

Es genügt diese Stellen sich näher zu rücken; 
doch sei 

3. darauf aufmerksam gemacht, daß die an erster 
Stelle, Marienlob 289 ff., beliebte Auffassung der Apostel 
als der zwölf Tore des himmlischen Jerusalem, die auf 
Offenb. 21,21 beruht, Fortunat auch sonst geläufig ist: 

VM. III, 510. Vidistis Sion ternas quater ordine portas, 
daß namentlich Petrus auch HL 7, 10 als Tor be- 
zeichnet wird: 

Est via cui Paulus, ianua fida Petrus. 

4. Ähnlich wird Paulus vom Dichter mit Vorliebe 
als tuba, als evangelische Drommete gefeiert: 

II. 13, 5. Sedibus bis Paulus habitat, tuba gentibus una. 
VIII. 3, 386. Quod dat apostolica Paulus ab ore tuba. 
XI. 4, 11. Sic quoque Timotheum Paulus, tuba gentibus una. 
Ap. 2, 17. Quod cecinit Paulus passim tuba miubus una. 
VM. III, 488. Quid sacer ille simul Paulus, tuba gentibus anipla. 

Das Beiwort wird zwar mit Vorliebe Paulus zu- 
gelegt, von dem es auch Vita Martini III, 493 heißt: 

Buccina concrepuit regiones una per omnes, 
es ist aber nicht auf diesen beschränkt. Auch von 
Lucas heißt es VIIL 3, 152: 

Lucae evangelica participante tuba; 
ebenso vom hl. Hilarius in der Vita Martini I, 126: 

Buccina terribilis, tuba legis, praeco tonantis. 



— 43 — 

Es spricht also Fortunat zu uns, wenn wir In 
Laudem s. Mariae v. 6 von Isaias hören: 

Quae Dens inspirat, haec canit ipse tuba. 
5. Wie in dem geordneten Aufmarsche der zwölf 
Apostel (s. o. n. 2), so gefällt sich Fortunat in dem 
Aufzählen edler Steine. Wir finden eine solche im 
Marienlobe Vers 235: 

Crystallina, electrum, aurum, ostram, concha, alba, zmaragdus; 
wir finden solche Aufzählungen weiterhin: 
VI. 1, 110. Sapphirus, alba, adamans, crystalla, zmaragdus, iaspis. 
Den Schmuck einer Jungfrau des Lammes beschreibt 
uns VIII 3, 263ff.: 

Inseritur capiti radialis diadema beryllis, 

Ordinibus variis alba, zmaragdus inest. 
Adtigat et nitidos amethystina vitta capillos, 

Margaritato flexilis arte sinu. 
Sardonyche impressum per colla monile coruscat, 

Sardia purpurea luce metalla micant. 
Dextrae armilla datur carcedone, iaspide mixta, 

Aut hyacintheo sudat honore manus. 
Brattea gemmatam cycladem fila catenant, 

Sidereis donis arte sigilla tument. 
Fulchra topaziacis oneratur zona lapillis, 

Chrysolitha aurata fibula claudit acu. 

Dieselbe Vorliebe spricht aus VIII 4, 17 ff: 

Sunt ibi chrysolithls fabricata palatla gemmis 

Atque zmaragdineo ianua poste viret. 
LimiDa sardouychum variato lumine florent, 

Et hyacintheus circuit ordo domum, 

eine Stelle mit der zu vergleichen ist Marienlob v. 
311 u. f.: 

Quando strata iacet pedibus pretiosa zmaragdus, 
Quando pavimeutis alba, topazus inest 1 ). 

Mit ähnlichem Schwelgen in edlem Gestein be- 
schreibt uns der Dichter die Gewandung Mariens 
Vita Martini III, 463 ff.: 

Qualis iaspis erat pedibus laterique topazus, 
Qui digitis annuli viridi fulgore venusti! 
Quales armillae dextrae ardesceute hyacintho, 
Quanto zona die Iapidum radiabat houore, 



*) Vgl. auch Expositio Symboli (X. 1, 29): „Ubi iustus gern m as 
calcabit iu plateia. 



— 44 — 

Cycladis aut qualis cataclysis effora rasisl 
Quae palla ex humeris mixto Chrysoprase beryllis 
Quodve monile decens collo radiabat in illo! 
Forsan erat nitidis amethystina vitta capillis 
Sculptilis impressis et in auribus alba sigillis. 

Ähnlich noch einmal Vita Martini IV, 323 ff, wo 
das Gewand beschrieben wird, mit dem ein Engel den 
hl. Bischof bei der Messe bekleidet: 

O Martine decens, lapidum velamine compte, 
Quam nova palla tibi, cuius textura coruscans, 
Trama topazos erat rntilans et stamen iaspis 
Et tunicae insignes currunt pro vellere gemmae! 
Quae manus artificis cataclycia fila rotavit, 
Quis fuit hie opifex, ubi lana hyacinthina cürrit? 

6. Einmal wird im Marienlobe die Jungfrau lactea 
virgo genannt (v„ 262): 

Cingeris et niveis, lactea virgo, choris. 

Auch das ist Fleisch und Bein von dem Fortunats: 

IV. 26, 22. Et rosea facie lactea colla tulit. 

VI. 1, 107. Lactea cui facies incoeta rubore coruscat. 

7. Ebenso sind wir auf der Fährte Fortunats, 
wenn wir In Laudem s. Mariae 233 lesen: 

Inde rubore rosas, candore hinc lilia vincens. 

Rose und Lilie spielen bei unserem Dichter eine große 
Rolle: 

IL 9, 24. Et candunt rntilis lilia mixta rosis. 
VII. 6, 10. Lilia nunc reparans, nunc vereeunda rosas. 
VIII. 4, 11. Floribns aeternis oculos rosa, lilia paseunt. 
IX. 2, 122. Candida seu rubeis lilia mixta rosis. 
X. 1, 29. lüiorum tobslt um que blandior lux arridet. 
VM. IV, 628. Pingere seu variam rosa, lilia, gemma coronam. 

8. Schon oben § 5, n. 10 ist darauf hingewiesen, 
daß Fortunat den Weltenbaumeister gerne als faber 
bezeichnet. Ein anderes Bild, das auf Rom. 9, 20 ff. 
zurückgeht, führt uns der Dichter vor die Seele, wenn 
er Gott als Figulus bezeichnet. 

IX. 2, 73. Quäle placet figulo vas fictile, tale paratur. 
X. 6, 31. Inter opima Deus figulus quae vascula facit. 

Ganz derselbe Fortunat spricht im Marienlobe: 
217. Figmentum figuli super omnia vasa decorum. 



— 45 — 

9. Sehr frappant ist es, wenn der Dichter des 
Marienlobes Maria das Lamm, Christus ihr Lämmlein, 
Maria das Schaf, Christus ihr Lamm nennt: 

155. Anniculam portans agnum antiquumque gigantem. - 
328. Cuius agnns ovis content ora lupi. 

Das ist aber einer der eigenstenGedanken Fortunats : 

II. 3, . 6. In cruce restituit virginis agnus oves. 
VIII. 3, 26. Virgineoque agni de grege ducit oves. 

Vergleiche auch die weiteren Verse: 

II. 1, 4. Traxit ab ore lupi aua sacer agnns oves. 
III. 9, 84. Et de fauce lupi subtrahit agnns oves. 

denn dieser Ausdruck ore lupi, fauce lupi fand sich 
ja auch oben Marienlob 328. 

10. Ein von Fortunat in die Hymnendichtung ein- 
geführtes Bild stellt uns das Kreuz als die Wage hin, 
auf der das Lösegeld der Welt abgewogen wird: 
n, 6: 

Beata cuius brachiis 
Pretium pependit saeculi! 
Statera facta corporis 
Praedamque tulit Tartari. 

Er wiederholt den Gedanken XI. I, 26: „Ut 
pretium sui corporis mercator in statera pensaret". 
Er wiederholt ihn Vita Martini II, 336 u. f.: 

Quae dedit in pretium generosa talenta redemptor 
Inque crucis trutina pretii numismata pensans; 

er wiederholt ihn auch Marienlob 170: 

In cruce pensandus, membra cruore levans. 

Die (mystischen) Glieder Christi werden gehoben (auf 
der Wage), da er sein Blut in die andere Schale wirft. 

11. Gewiß dürfen und müssen wir auch die beiden 
Verse, Marienlob 129 und II 4, 27 einander nahebringen; 
auch sie zeigen, daß derselbe Geist in beiden Gedichten 
denkt: 

Succus amarus enim vetiti de cortice ligni. 
Arbor dulcis agri, rorans de cortice nectar. 

Es erübrigte nun noch der Nachweis, daß auch 
Art und Unart in der Technik des Versbaues bei 
Fortunat und dem Dichter des Marienlobes in auf- 
fallender Weise dieselben sind. Da aber im folgenden 



— 46 — 

Abschnitt vorwiegend von metrischen Dingen Rede 
sein wird, will ich nach dem Grandsatze „Ne bis in 
idem" hier von dem Aufwurf einschlägiger Fragen ab- 
sehen. 

Kapitel III. 
Einwendungen und Bedenken. Metrisches. 

Nachdem im Vorhergehenden, wie ich zu hoffen 
wage, in genügender Weise festgestellt ist, daß sich 
Gedanken, Bild und Wort des Marienlobes mit den 
Worten, Bildern und Gedanken Fortunats sozusagen 
decken, erübrigt es die Einwendungen zu würdigen, 
welche Leo veranlaßt haben, das Werk dem Dichter 
abzuerkennen. Wir sahen schon oben, daß seine Be- 
denken sich auf Inhalt, Stil und Metrik des Marien- 
lobes bezogen. „Scilicet illa sententiarum et locutionum 
ex libris sacris excerptarum incondita farrago et natura 
sua et sermone plane abhorret a Venantii facultate 
et consuetudine" x ). 

1. Was nun den Inhalt betrifft, will ich nicht 
untersuchen, ob die Stellen der hl. Schrift, welche 
Fortunat — gewiß nicht als der erste, gewiß nicht 
proprio Marte — auf Maria bezogen wissen will, in 
der Tat eine „incondita farrago" darstellen, oder ob 
sich irgend ein ordnender Gedanke in denselben fest- 
stellen, oder endlich ob das scheinbare Fehlen eines 
solchen sich nicht aus Erwägungen ästhetischer oder 
rhetorischer Art verstehen liesse; es würde das mich 
aufhalten und überdies irrelevant sein. Schlechter- 
dings unerfindlich ist mir aber, warum Fortunat nicht 
fähig gewesen sein sollte, in einem umfangreichen 
Panegyrikus auf die Mutter Jesu jene Stellen der 
Schrift anzuwenden und zu deuten, von denen er 
glauben mochte, daß sie auf dieselbe gedeutet und 
angewandt werden könnten oder müßten. 

Dies widerspricht nämlich durchaus nicht dem 
Denken und Pflegen unseres Dichters. Derselbe liebt 

') Ä. a. 0. S. XXIV. 



— 47 — 

es vielmehr auch sonst Schriftstellen seinen Poesien 
einzugliedern und dichterisch zu umschreiben. Leo 
selbst hat als dritten Index seiner Ausgabe eine 
Sammlung von Schriftstellen beigefügt, die er in den 
Dichtungen das Fortunat zitiert fand. Sie belehrt 
jeden, daß, wenn das Marienlob reich ist an solchen 
Zitaten, die andern Gedichte daran nicht arm sind, 
um so weniger als dieser „Index locorum" durchaus 
nicht vollständig ist. Nicht einmal das klassische Zitat 
in II, 6, 13 ff: 

Impleta sunt, quae concinit 

David fideli carmine 

Dicendo nationibus: 

Regnayit a ligno Dens, 

das sich auf Ps. 95, 10 bezieht, ist gebucht. Über- 
haupt verzeichnet der Index außer denen des Marien- 
lobes (Spur. 1) nur die Schriftstellen der letzten zwei 
Bücher der Carmina. Nur einmal ist das fünfte Buch 
(V. 6, 16) zitiert; alle andern Zitate sind ausnahmslos 
aus X und XI. Und doch fehlen auch in den neun 
ersten Büchern der Carmina und in den vier Büchern 
der Vita Martini die Zitate ebensowenig. Ich will 
nur ein oder das andere Beispiel belegshalber bei- 
bringen: So zitiert IV. 26, 103 Luc. 23, 30; V. 2, 54ff 
Matth. 25, 21 ff. (Luc. 19, 17); VM. I, 98 Ps. 117, 6; 
VM. in, 487 Matth. 16, 18; VM. III, 511 Ps. 86, 2. 

Auch das Häufen von Schriftzitaten ist nicht un- 
fortunatisch: seine Auslegung des Vaterunser (X, 1) 
ist nichts als ein Gewebe von Schriftstellen. Konnte 
Fortunat sich einen solchen Teppich leisten in Prosa, 
warum sollte er nicht den Versuch machen dürfen 
einen ähnlichen zu wirken in Versen? 

Wir haben aber obendrein das Zeugnis des For 
tunat selbst dafür, daß die Idee, die wir im Marien- 
lobe ausgeführt finden, seine Idee ist. Er sagt uns 
ausdrücklich in seiner Expositio Symboli (XI, 1, 18) 
Hinc plurima prophetae de virginis conceptu et de 
partu locuti sunt. Unum tarnen exemplum pro 
brevitate proponemus, de quo Ezechiel dicit: Porta, 
quae respexit ad orientem, clausa erit" etc. Warum 
sollte Fortunat seine Idee, die er hier „pro brevitate" 



— 48 — 

nicht entwickeln konnte, nicht an anderem Orte, wo der 
Raum für ihn nicht in Frage kam, auch einmal des 
Breiteren ausspinnen. 

2. Das zweite Bedenken ging gegen den „sermo", 
der total verschieden sei „a Venantii facultate et con- 
suetudine". Leo hat diesen Vorwurf nicht spezifiziert 
und nicht begründet; es ist also auch eine Entgegnung 
weder nötig noch möglich. Positiv ist der Beweis 
des Gegenteils erbracht; die einzelnen fehlerhaften 
Formen aber, auf die man im Marienlobe stößt, sind 
keinesfalls anderer Art als jene, denen man in sonstigen 
Schriften Fortunats begegnet. Leistet er sich im 
Marienlobe Formen wie servibunt: 

80. Servibunt gentes et Saba dona dabit, 
so ist die Form nicht besser und nicht schlechter 
als etwa lambiat, die wir im echten Fortunat be- 
treffen : 

VI. 5, 70. Quis colat affectu, lambiat ore caput. 

Ja die Form servibunt zeugt vielmehr für For- 
tunat, der X. 9, 49 schreibt: 

Omne per illud iter servibant piscibus undae. 
Lesen wir im Marienlob 327 imitari nescia virgo, 
so zeugt der passivische Gebrauch von imitari nicht 
gegen sondern weist mit Fingern auf Fortunat. Man 
vgl. Leos ersten Index s. v. deponentia, wo man Worte 
findet wie admodulare, cavillare, dominare, lacrimare, 
lamentare, medere, pollicere, precare u. s. w. u. s. w., 
die alle aus dem rechten Fortunat belegt werden, z. B. 
IX. 11, 8. Et pro me famulo, quaeso, precato Deum. 

Kann überhaupt irgend eine gewagte und mehr 
als gewagte Form gegen Fortunat sprechen, der er- 
sichtlich nach dem Rezepte arbeitet, daß Malern und 
Dichtern alles erlaubt sei? „Von der Sprache des 
Fortunat werde ich nicht handeln", schreibt W. Meyer, 
„da hier vielleicht weitgehende Untersuchungen not- 
wendig sind. Die Textüberlieferung des Fortunat ist 
schlecht (und die vieler Vitae ist vielleicht nicht viel 
besser, da hier die rhythmischen Schlüsse oft falsch 
sind); die ganze Sammlung ist überarbeitet; da die 
Handschriften aus der Karolingerzeit stammen, so 



- 49 — 

kann mancher Barbarismus geglättet worden sein. 
Merovinger-Latein hat man ja bei dem geborenen 
Italiener nicht zu erwarten: allein wenn man nur die 
Formen ,consuleas' oder jconsuliturus* liest, welche 
durch den Vers verbürgt sind, so wird man irr über 
die Ansichten des Fortunat über Sprachreinheit; er 
wußte genau, was von diesen Formen zu halten sei, 
und schrieb sie doch" 1 . 

3. Während Leo seine dem Inhalte und der sprach- 
lichen Form des Marienlobes entnommenen Bedenken 
weder spezifiziert noch begründet, hat er rücksichtlich 
der metrischen Verwahrlosung, die ihn augenscheinlich 
am meisten beeindruckt und zu seinem Urteile veran- 
laßt hat, wenigstens einige Andeutungen gemacht. Er 
schreibt (a. a. 0.): „Quod curiosius per argumenta 
explicare eo minus necessarium videtur, quo certius 
numerorum ac prosodiae degenerata licentia fraudem 
scriptoris Fortunati nomen mentiti evincunt; cuius rei 
in indice metrico passim documenta invenies (cf. de 
pentametri et hexametri exitu notata, nominum prae- 
sertim quadrisyllaborum mensuram: Initio (114), specio- 
sus (164), muüeres (65), sacrämenti (241), alia)". 

a. „Cfr. de pentametri et hexametri exitu no- 
tata". — Vergleicht man, was Leo im Index metricus 
unter den Stichworten „hexametri exitus" und »penta- 
metri exitus" zusammengestellt, so ergibt sich ab- 
solute Übereinstimmung zwischen Marienlob 
und den andern Dichtungen Fortunats. Was hier 
vorkommt, kommt auch dort vor, was dort sich 
vorfindet, findet sich auch hier vor, und das in ganz 
gleicher Weise, mit einer einzigen Ausnahme und 
das ist die folgende: Schließt Fortunat einen Hexa- 
meter mit einem einsilbigen Worte, so ist allemal 
auch das vorhergehende Wort ein Einsilber. Leo 
zitiert vierzehn Stellen 2 ; an allen' vierzehn bewahr- 
heitet sich die Regel. Nun aber finden sich im 



1 Der Gelegenheitsdichter Fortunat. Berlin 1901, 8. 4. 

* Es sind aber im ganzen 21 Stellen; zu den 14 von Leo 
angemerkten sind 7 weitere hinzuzufügen, nämlich IL 1, 17; II. 6, 18; 
III. 7, 49; IV. 13, 1; VI, 1, 83; VM. II, 312; IV, 580. 

Dreves, Fortunatug- und Raban-Stndien. A 



— 50 — i 

Marienlobe zwei Hexameter, die auf ein einsilbiges 
Wort enden, während das vorletzte Wort nicht ein- 
silbig sondern mehrsilbig ist. Also ist das Marienlob , 
nicht von Fortunat sondern von einem Falscher. | 
Das Marienlob enthalt auch einen „richtig" ge- \ 
bauten, einsilbig schließenden Hexameter: 
113. Egredietur, qui dominetur in Israel ex te. 

Die zwei beanstandeten Hexameter lauten: 

65. O benedicta inter mulieres, unde mihi hoc. (j 

115. Lumen sanctormn in splendoribus ex utero quem. 

Leo zitiert noch einen Vers 583, das Marienlob ; 

hat aber nur 360 Verse und hat auch keinen weiteren : 

auf ein einsilbiges Wort endenden Hexameter außer j 

Vers 97, in dem aber das Schlußwort durch Synaloephe 5 

mit dem vorigen verschmolzen wird: ' 
Est in quo tantum Dens et non est Dens abeque hoc 

Ich will mich auf eine Würdigung des obigen 
Schlußverfahrens nicht einlassen; ich glaube, jeder 
empfindet hier ohne weiteres das Richtige. Ich will 
nur das eine noch hinzufügen, daß die beiden inkri- 
minierten Hexameter Zitate enthalten aus Luk. 1,42 
u. f. und Ps. 109,3, die der Dichter gewiß möglichst ( 

wortgetreu seinem Texte eingliedern wollte. Sollte 
Bich da der Schreiber von servibunt, von consuteas und 
vonsuliturus, sollte sich ein Metriker von der Noncha- 
lance des „wahren" Fortunat, in die wir uns sofort 
vertiefen werden, irgend eine Scheu empfunden, irgend 
ein Bedenken gekannt haben, einmal ein zweisilbiges, 
einmal ein dreisilbiges Wort an die vorletzte Stelle des 
einsilbig schließenden Hexameters zu setzen? Hätte 
über nicht umgekehrt der raffinierte Fälscher, den Leo 
voraussetzt — denn nur ein solcher konnte das 
Marienlob schmieden — sich sorgfältig vor solcher 
Anomalie in Acht genommen, die ihn sofort verraten 
mußte? 

b. Das zweite metrische Bedenken, welches Leo 
veranlaßt, das Marienlob Fortunat wegzunehmen, sind 
die falschen Messungen namentlich viersilbiger Worte. 
Er hat einige der frappantesten selbst hervorgehoben : 



— 51 — 

mtdfcres (65). 
Inltio (114). 
speciösus (164). 
sacramenti (241). 

Es lassen sich einige kaum minder wertvolle Bei- 
spiele hinzufugen: 

aequälis (43). 
ässümens (46). 
moüädes (119). 
candSlabrum (219). 

Gewiß lauter erstklassige Verstöße. Wie aber 
sieht es mit der Reinheit des metrischen Gewissens 
bei dem „wahren" Fortunat aus. Ist es richtig, daß 
solche Fehler „plane abhorre[n]t a Venantii facultate 
et consuetudine" ? So wenig, das es unschwer ist, neben 
jeden dieser Verstöße einen mindestens ebenbürtigen 
des „echten" Fortunat zu setzen. 

Marienlob. Fortunat. 

43. aequaüs cedrinus II. 10, 7. 

46. ässümens petltus VM, III, 67. 

65. mulieres onäger VII. 4, 22. 

114. inltio regimen Ap. 5, 1. 

119. monädes emblema VM. II, 80. 

164. speciösus infidus VM. IV, 395. 

219. cadelabrum satägit VM. III, 190. 

241. sacramenti daemoniäcus VM. I, 474. 

Zur Bequemlichkeit des Lesers will ich die ganzen 
Verse hersetzen: 

Marienlob. 

Unde aequalis matri, fit minor inde patri. 
Formam servi assumens est minor inde patris. 
O benedicta inter mulieres, unde mihi hoc. 
O virgo insignis nobisque medella monades. 
Speciösus forma prae genitis hominum. 
Candelabrum pulchrum verbi capiendo lucernam. 
Occulti in terris sacramenti conscia summi. 

Fortunat 

Illam aurum, lapides ornarunt, cedrina Iigna. 
Haec tua sola putana, petitus si nulla negasses. 
Nee mortem differt ursus, onager, aper. 
Kex, regionis apex et supra regna regimen. 
Emblema, gemma, lapis, toreumata, tura, Falerna. 
Nee vaga constantem fugit, infida corde fidelem 
Sternitur ante oculos Domini pro plebe satagens. 
Pastor adesse iubet quendam ex grege daemoniacum. 

4* 



— 52 — 

Gibt es irgend eine metrische nicht Freiheit, 
nein Frechheit, die dem zu stark wäre, der aus daemoni- 
äcus daemoniäcus macht, wenn es gemacht werden 
muß. . So macht der „echte" Fortunat aus quandöque 
quandoque (IV. 27, 22), aus mediocris mediöcris (VIII. 
3,314), aut rubricat rubricat (VIEL 7,12), aus fabrlcas 
fabrieas (VI. 3, 29), aus cyclädem cyclädem (VIII. 271) 
aus defecerit defecerit (I. 6, 20) aus fanäticus fanäticus 
(X. 6, 43), aus petebatur petebatur (V. 3, 30) aus 
häeresis, herßsis (V. 2, 29), aus moveret moveret 
(VIL 1,1). Wer das kann, der kann überhaupt alles, 
der kann auch das Marienlob geschrieben haben. 

Übrigens muß ich Leo noch eines der von ihm 
angeführten Beispiele: 164 speciösus, streitig machen. 
So ist nicht zu lesen sondern mittelst der Fortunat 
sehr geläufigen Synicese 1 völlig richtig: 

Speciosus forma prae genitis hominum, 
nur daß die erste Silbe durch Arsis gelängt wird. Das 
tut aber auch der echte Fortunat 
Selens in solo firma mauere Deo. 

Die unrichtige Betonung monädes spricht nicht 
gegen, sondern gerade für Fortunat (der dies Wort 
auch X. 2, 4 gebraucht: infelix cunctisEva monades); 
denn er betont das ebenso gebildete triades (statt 
trias) in derselben Weise (V. 2, 1): 

Lumen apostolicum cum spargeret una triades. 

Er betont ebenso VIII. 3, 271: 
Brattea gemmatam cyclädem fila catenant, 
nicht etwa weil er diese Betonung für richtig hielte, 



*) Man vgl. z. B. die Verse der Vita Martini: 
I, 253. Promde paciseuntur hac lege excidere pinum. 
I, 387. Genua, manus plantasque per oscula mollia lambens. 
II, 154. Conductus mercede tarnen deest rusticus unus. 
II, 157. Semianimem inveniunt missi suprema gementem. 

Das Wort dehinc braucht Fortunat in der Regel einsilbig; 
Tgl. den Index metricus bei Leo; aber auch deinde wird kontrahiert: 
VI. 1, 66. Et litem fecere piam sie deinde cupido. 
VII. 16, 23. Instituit cupiens, ut deinde domesticus esses. 



— 53 — 

sondern weil sie ihm paßt. Denn er weiß anderswo 
(VM. DI, 467) ganz richtig zu skandieren: 
Cyclädis aut qualis cataclysis effora raais. 

Ebenso weist die doppelte Kürzung langer Silben 
in candeläbrum geradezu auf Fortunat; denn der 
„echte" Fortunat betont nie anders: 

V. 5, 7. Sopra candeläbrum positi, quorum ore corusco. 
V. 5, 125. Inter candelabros radiabat et ipse sacerdos. 
IX. 2, 118. Aut quasi candelabris pulchra lucerna nitens. 

Über die Metrik Fortunats ließe sich ein Buch 
schreiben. Es kann nicht meine Aufgabe sein. Ich 
will mich nicht einmal auf die interessante Eigen- 
namenfrage werfen, sondern mich begnügen mit der 
Bemerkung, daß die Behandlung derselben imMarien- 
lobe und außerhalb desselbens völlig gleich ist. For- 
tunat hat die Eigennamen metrisch vogelfrei gemacht, 
was sie dann das ganze Mittelalter hindurch geblieben 
sind. Für den Zweck dieser Zeilen, Fortunat als 
Verfasser des Marienlobes festzuhalten, habe ich ge- 
nügendes Material an die Hand gegeben. Was darüber 
hinausliegt, wäre hier Ballast. 

Ich will mich auch auf die mariologische Seite 
der Frage nicht einlassen. Es würde uns das nicht 
weiter führen, als wir bereits sind. Wir erfahren aus 
dem Marienlobe für die Geschichte der Marienverehrung 
nichts Neues, nichts, was wir nicht auch aus gleich- 
zeitigen und älteren Lateinern belegen könnten. Von 
der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel weiß 
er selbstredend nichts. Während Fortunat in der 
Regel, wenn er die himmlische Hierarchie defilieren 
läßt (Vm. 3, llff, IV. 26, 93ff; vgl. XL 6, 5) an die 
Patriarchen und Propheten Apostel und Märtyrer an- 
schließt, denen dann als Führerin des Jungfrauen- 
chores Maria folgt, scheint letztere im Marienlobe 
schon halbwegs die Stelle einer „Himmelskönigin" ein- 
zunehmen; das klingt wenigstens aus den Worten (259) 
heraus: 

Cuiufi honore sacro genetrix transcendis Olymp um. 

Dasselbe klingt aber auch VIH. 3, 136 durch: 
Et nati dono virgo Maria prior. 



— 54 — 

Auch als Dichter des Quem terra, pontus, aetkera 
kann er nicht den Ruhm beanspruchen, den ersten 
lateinischen Marienhymnus gesungen zu haben; Enno- 
dius ist ihm damit zuvorgekommen. 

Zum Schlüsse nochmals meine Gedanken zu- 
sammenzufassen, glaube ich zur Genüge dargetan zu 
haben, daß Fortunat und kein anderer das Buch in 
laudem sanctae Mariae geschrieben hat. Von unbe- 
wußter Nachahmung eines an Fortunat gebildeten und 
sich anlehnenden Dichters kann ohnehin nicht die Rede 
sein; es könnte nur der bewußte Fälscher in Frage 
kommen. Ein solcher aber arbeitet nicht, wie wir 
den Dichter des Marienlobes arbeiten sehen, der 
Fortunats Lieblingswendungen wiederholt, ohne dessen 
&raf Xeyd/jieva auszuschließen. Auf alle Fälle hätte 
ein berechnender Fälscher niemals die metrischen Frei- 
heiten und Unarten seines Vorbildes derartig auf die 
Spitze getrieben, daß er dadurch den Erfolg seines 
ganzen Bemühens in Frage gestellt hätte. Befremdet 
es uns, daß Fortunat in diesem Werke dieselben 
Fehler, die er anderswo begeht, öfter zu begehen 
scheint, so zwingt uns das nicht, ohne weiteres die 
Autorschaft desselben in Frage zu stellen. Wir be- 
gegnen dieser Schwierigkeit weit besser und zufrieden- 
stellender, wenn wir annehmen, der Dichter habe an 
sein Werk nicht die letzte Hand anlegen können, eine 
Annahme, zu der die Überlieferung außerhalb des 
Corpus der Carmina Miscellanea recht gut stimmen 
würde. 



n. 
Raban-Studien. 



Kapitel I. 
Der Stand der Frage. 

Über die Echtheit der Raban 1 zugeschriebenen 
Hymnen herrscht noch immer Unsicherheit. Läßt sich 
dieselbe beheben? 

Schon der erste Herausgeber dieser Hymnen, der 
Jesuit Christoph Browerus, auf dessen Schultern unsere 
Kenntnis von Rabans Hymnen heute noch zum 
größten Teile steht, hat auch zuerst dem Zweifel be- 
züglich der Echtheit derselben Ausdruck gegeben. Der 
zweiten Auflage der poetischen Werke des Venantius 
Fortunatus, Mainz 1617 2 , fügte er eine Ausgabe der 
Gedichte Rabans bei. Sie trägt den Titel: Hrabani 
Mauri, ex magistro et Fuldensi abbate archiepiscopi 
Moguntini, poemata de diversis, nunc primum vulgata 
et scholiis illustrata studio R. P. Christophori Broweri, 
Societatis Jesu presbyteri. Moguntiae sumptibus Ber- 
nardi Gualtheri, Biblip. Golonien. Excudebat Joannes 
Volmari. Anno MDCXVIL 

Die Ausgabe gliedert sich wie folgt: Drei nicht 
numerierte poetische Episteln, die Raban mit einem 
Exemplar seines Liber de Laudibus s. Grucis an die 



1 Raban schreibt seinen Namen konstant Hrabanus; da wir 
uns aber gewöhnt haben, auch Ludwig und Lothar statt Hludwig 
und Hlothar zu schreiben, werden wir auch die geläufigere Form 
Raban beibehalten dürfen. 

' Venantii Honorii Clementiani Fortunati, presbyteri Italici, 
episcopi Pictaviensis, carminum, epistolarum, expositionum libri IX, 
poematfe et libris singularibus aucti novaque rursum editione illu- 
strati . . . Moguntiae 1617. 



— 56 — 

Päpste Paschalis und Gregor (IV.) sandte, sowie die 
Dedikation dieses Werkes an den hl. Martin von Tours, 
letztere ex persona Albini, deines Lehrers Alcuin, ge- 
schrieben, unter dessen Leitung er — ein dreißig- 
jähriger — dies Opus verfaßt hatte 1 ; S. 3 — 5. Nun 
folgen: 

1. Poem ata de diver sis, vorwiegend poetische 
Episteln, unter ihnen aber auch zwei Hymnen, zwei 
hymnenartige Gebete und ein Rhythmus der fide catho- 
lica. Nr. 1—30; S. 5—40. 

2. Tituli et inscriptiones. Nr. 31—147; 
S. 40—66. 

3. Hymni. Nr. 1—26; S. 66—86. 

4. Epitaph ia. Nr. 1—20; S. 88—95. 

Einige Analekten, deren Inhalt ich hier nicht 
näher charakterisiere, und Scholien zu den einzelnen 
Gedichten beschließen die Publikation 2 . 

Browers Ausgabe beruhte auf einer Handschrift, 
von der er(S. 2] sagt: „En, tibi, amice lector, Hrabani 
versus ex vespillonum manibus extorti, quos ex pro- 
bato et pervetusto MS. cuius tarnen Possessor 
latere voluit, renatos, tanquam a libitina vel inferis 
reducere et Domino suo restituere visum est. Libri 
membranacei sed male excepti inscriptio erat: Versus 
Hrabani de diversis XTV. Ord. XIX. Quae mani- 
festa velut Hrj/uTa xloTiijs et compilatae Bibliothecae 
indicia." Nach diesen Worten hätten wir die Hand- 
schrift als zu Browerus Zeit in Privatbesitz befindlich 
anzusehen, obschon die angeführte Signatur zeigt, daß 
sie aus einer größeren Bibliothek stammte. Doch be- 
merkt Dümmler (Poetae Aevi Carolini H, 157): „Bro- 
werus tarnen alio loco (Annal. Treviren. I, 415) Hlotharii 
epitaphium, quod eidem debebat, »ex pervetusto poe- 
matum Hrabani codice bibliothecae Puldensis« se edi- 
disse fertur." Danach haben wir uns zu denken, daß 
die Handschrift, nach Ausweis der Signatur vermut- 

1 Ast ubi sex lustra implevit, iam scribere temptans 
Ad Christi laudem nunc edidit arte librum. 

* Browers Aasgabe wurde nachgedruckt von Colvenerius, 
Habani Mauri Opera, Coloniae Agripp. VI, 202 und Migne PP.LL. 
112, 1583 sqq. 



— 57 — 

lieb, einst der Stiftsbibliothek von Fulda angehört 
habe, aus dieser aber, sei es rechtmäßiger, sei es un- 
rechtmäßigerweise, in Privathände übergegangen war. 

Die Handschrift, aus der Browerus schöpfte, ist 
heute leider verschollen; nur ein Teil derselben ist in 
der Einsiedler-Handschrift 266 (S. 207—224) wieder- 
gefunden worden. Wie dies Öruchstück an seinen 
heutigen Aufbewahrungsort gelangt ist, entzieht sich 
unserer Kenntnis; doch wir wissen ja, daß die Schick- 
sale der Bücher kaum weniger wunderbar sind als 
die der Menschen. Wir wissen nun, daß Browers 
Quelle im 10. Jahrhundert geschrieben war. Leider 
enthält der nach Einsiedeln gerettete kleine Teil nur 
den Anfang der Gedichte, nicht aber auch die Hymnen. 

Diese überschreibt Browerus in seiner Ausgabe: 
„Hymni Hrabano in eodem msc. attributi" (S. 66). 
Er bemerkt dazu S. 144: „Porro hymnos nonnullos 
hie reperiri, qui scriptoribus aliis vindicari possint, 
haud diffitear et, quia vetustae membranae manu non 
antiquissima nonnullos insertos observavimus, eos ad 
disenmen faciendum asteriscis insignivimus; reliquos 
plerosque, quia eodem charactere et titulo versuum 
Hrabani praescripti sunt, eidem ceu prolis legitimae 
parenti transscribere nil veremur." 

Der Zweifel, den hier Brower bezüglich einiger 
weniger Hymnen äußert, ist bis auf die neueste Zeit 
auf sämtliche Hymnen von all denen ausgedehnt worden, 
die sich zu der Echtheitsfrage dieser Hymnen über- 
haupt geäußert haben. 

Bahr, Gesch. der röm. Literatur, Suppl. ni, 106 f. 
schreibt: „Die andere Abteilung befaßt 26 Hymnen 1 , 
freilich von sehr verschiedener Art und daher auch 
in verschiedenen Metren abgefaßt ... Es sind meist 
Hymnen auf die großen Feste des Kirchenjahres, Weih- 
nachten, Ostern, Pfingsten (wie z. B. das bekannte 
Lied Veni, creator Spiritus, no. 10) gedichtet; sie ge- 
hören auch der Mehrzahl nach zu den besseren Pro- 
duktionen dieser Gattung von Poesie aus dem karo- 



1 Die Angabe ist nicht ganz genau, da Brower gegen Schluss 
anter einer Nummer oft mehrere Stücke zusammenfasse 



- 58 — 

lingischen Zeitalter und reihen sich durch Fassung 
und Inhalt und durch die darin herrschende Erhebung 
den älteren Poesien eines Ambrosius u. A. würdig an. 
Ob sie freilich alle den Rabanus selbst zum 
Verfasser haben, dürfte in manchem zweifel- 
haft sein, wie z. B. no. 25 De obitu Caroli, ein Ge- 
dicht auf den Tod Karls des Großen, von Columban, 
Abt von St. Tron[d], herrührt." 

Auch Ebert (Allg. Gesch. d. Literatur des MA. II, 
145) verzweifelt daran, Licht in dies Dunkel zu bringen: 
„Raban hat auch Hymnen gedichtet; es werden nicht 
wenige ihm mindestens beigelegt, aber da es mir 
nicht möglich ist, die in der Tat authentischen 
auszuscheiden, muß ich auf ein Urteil hier ver- 
zichten. Sicherlich gehören ihm nur gar wenige von 
den ihm zugeschriebenen an." Hierzu noch die Note: 
„Dafür spricht auch, daß Walahfrid in seinem Buche 
de exordiis etc. Rabans als Hymnendichter gar nicht 
erwähnt. Für die Echtheit des Hymnus de ascensione 
Domini Festum nunc celebre magnaque gaudia, 
bei Daniel, Thes. hymn. I. p. 217, könnte das auch 
sonst von Raban angewandte asklepiadeische Metrum 
sprechen." 

Der Zweifel des ersten Herausgebers hat sich in 
verstärktem Maße auf den neuesten, Dümmler, über- 
tragen. Zwar stimmte derselbe früher den oben an- 
gefahrten Auslassungen Browers : „reliquos plerosque, 
quia eodem charactere et titulo versuum Hrabani 
praescripti sunt, eidem ceu prolis legitimae parenti 
transscribere nil veremur," mit den Worten bei: „Im 
allgemeinen wird man diese Auffassung gelten lassen 
können, insoweit nicht ein Gegenbeweis geführt werden 
wird" (Neues Archiv IV, 290); in seiner Ausgabe Ra- 
bans aber (Poetae Aevi Carolini II, 159 sqq.) bezeichnet 
er alle diese Hymnen schlankweg als „Appendix hym- 
norum incertae originis", mit Ausnahme von zweien 
(Browers Nr. 20 und 23), die er stillschweigend und 
ohne Begründung unter die opera genuina versetzt. 
Die einzige Äußerung, die er jetzt zur Sache tut, lautet: 
„Hymnorum sub Hrabani nomine a Browero editorum, 
de quorum omnium scriptoribus nihil certi 



- 59 — 

affirmare ausim, in appendice vel ex editione eius 
vel ex eodicibus eos repetivi, qui inter Hrabani tan- 
tum opera inveniuntur, eos vero praetermisi, quos in 
sylloge a Francisco Monio parata vel in aliis libris 
satis usitatis legi possunt. Quibus poetis haec 
carmina tribuenda sint, ea de re penes existi- 
matores nie peritiores iudicium esto (a. a. 0. 
S. 159) 1 . 

Es hat mich, ich kann es nicht verhehlen, be- 
fremdet, daß der Herausgeber Rabans keinen Versuch 
wagt, sich seine Zweifel zu lösen, um so mehr, als 
die Lösung derselben sehr an der Oberfläche der Dinge 
lag. Ein Vergleich der sprachlichen Eigen- 
tümlichkeiten der Hymnen nämlich mit den 
anerkannt echten Gedichten Rabans muß 
jeden Zweifel an der Authentizität jener zer- 
streuen. Ich werde diesen Vergleich vornehmen, 
nachdem ich aus der Liste Browers das entfernt haben 
werde, was seinen eigenen Angaben gemäß zu ent- 
fernen ist. Stellen wir zunächst die Reihe der Hymnen 
nach der Angabe Browers auf; es kommen dabei, wie 
schon bemerkt, mehr als 26 Nummern zu Tage. Ich 
werde den von Brower unter einer Zahl vereinigten 
Stücken die Buchstaben a, b u. s. w. beisetzen. 

1. Alta res 2 magnumque bonum salubre. 

Hymnus de Caritate 66. 

2. Lumen darum rite fulget. 

Hymnus de Natale Domini 68. 

3. Carmina psallere voce, lyra. 

Hymnus de Natale Innocentum 69. 

4. En, caeli rutilant lumine splendido. 

Hymnus de Epiphania 70. 

5. Venit Deus f actus homo. 

Hymnus in Epiphania 71. 

6. Christus, redemptor plebium. 

Item alius 71. 

7. Cantemus Domino Deoque nostro. 

Hymnus dicendus in Pascha Domini 71. 

8. Adest dies sanctus Dei. 

In Ascensione Domini ad Vesperum 73. 



1 Vgl. Hauck, Kirchengesch. Deutschlands II (2. Aufl.) 665, 
Anm. 4. 

2 Bei Browerus „Altar es". 



— 60 — 

9. Festum nunc celebre magnaque gaudia. 

Hymnus ad Matutinum 73. 

10. Veni, creator Spiritus. 

Hymnus in Pentecosten 74. 

11. Gratuletur omnis caro. 

Hymnus de Natale Christi 74. 

12. Quod chorus vatum venerandus olim. 

Hymnus in Purificatione s. Mariae 74. 

13. Fit porta Christi pervia. 

Item hymnus in Sollemnitate s. Mariae .... 75. 

14. Christe, sanctorum decus angelorum. 

Hymnus de s. Michaele archangelo 75. 

15. Gloria Deo in excelsis hodie. 

Hymnus de Natale Domini 76. 

16. Tibi, Christe, splendor patris. 

Hymnus ad sanctum Michaelem 76. 

17. Aurea luce et deoore roseo. 

Hymnus de sancto Petro et Paulo 76. 

18. Praeco praeclarus sacer et propheta. 

Hymnus in Natale s. Johannis Baptistae ... 76. 

19. Sanctorum pariter promite principum. 

In Natale Apostolorum Fetri et Pauli .... 77. 

20. Inclita sanctorum cum gloria crescit ubique. 

Hymnus in laudem s. Bonifacii martyris ... 78. 

21. Nobis, ecce, dies ordine congruo. 

In Natale s. Andreae apostoli 80. 

22. Sancte confessor meritis beate. 

Hymnus de Confessore 81. 

23. Claras laudes ac salubres. 

Hymnus de s. Marcellino et Petro matyribus . .81. 

24. Salvator mundi, qui caeli sceptra gubernas. 

Item versus 1 de iisdem martyribus 82. 

24a. Ante saecula et mundi principium. 

Ohne Überschrift 83. 

24b. Angelus Domini venit ad virginem. 

Versus de Anuntiatione Mariae 83. 

24c. Dens orbis reparator. 

Ohne Überschrift 83. 

24d. Surrexit Christus a sopore dormiens. 

Ohne Überschrift 84. 

24e. Tertio in flore mundus. 

Ohne Überschrift . 84. 

24f. Sophia patris, | Christe magister. 

Ohne Überschrift 84. 

25. A solis ortu usque ad occidua. 

Hymnus Columbani ... de obitu Caroli ... 85. 

26. Alma, vera ac praeclara. 

Hymnus de caritate 86. 

1 In der Tat kein Hymnus; von Dümmler unter die echten 
Gedichte versetzt als Nr. LXXXIII. S. 236. 



— 61 — 

In dieser Liste befinden sich nur sechs Hymnen, 
die von Brower mit einem Asteriskus bezeichnet sind, 
nämlich die Nummern 11 — 13 und 15 — 17 K Diese 
Hymnen waren in seiner Quelle nicht von erster Hand 
geschrieben, sondern von zweiter nachgetragen. Daraus 
ergibt sich nicht notwendig, daß sie unecht sein müssen; 
es ergibt sich aber, daß sie nicht ohne weiteres mit 
den andern gleichzusetzen sind. Alle übrigen waren 
unter der Aufschrift „Versus Hrabani" von erster Hand 
geschrieben. Daraus folgt ebensowenig, daß sie sämt- 
lich echt sein müssen. Es, liegt im Gegenteile offen 
zutage, daß einige nicht von Raban herrühren können ; 
so zunächst Nr. 25 nicht, welches ja die Überschrift 
„Hymnus Columbani ad Andream episcopum de 
obitu Caroli" einem andern Dichter zuweist. Dasselbe 
gilt von Nr. 24 a. Hier nennt sich in Str. 2 der sonst 
unbekannte Verfasser: 

Aspice, Deus, de supernis sedibus, 

Quos Deudofredus condidit, versiculos. 

Nr. 24 b und 25 d sind aus inneren Gründen aus- 
zuscheiden, da sie mit Rabans Gedichten keinerlei 
Verwandtschaft zeigen. Letzteres enthält nicht eines 
von Rabans Lieblingsworten, keine der ihm geläufigen 
Wendungen, zeigt dagegen eine gänzlich verwilderte 
Rhythmik. Ein solches Stück darf nicht einmal unter 
die Dubia aufgenommen werden. Zudem sind beide 
völlig belanglos; 24b besteht aus nur fünf Verszeilen 
mit einer Art von Rundreim aus einer Zeile; 24 d ist 
ein Bruchstück (4 Strophen) eines längeren, trocken 
erzählenden Gedichtes; es befindet sich ganz in Pari- 
sinus 1154, aus dem es Dümmler 1. c. 254 sq. abge- 
druckt hat. Nr. 24 e ist ebenfalls nur Fragment 
(2 Strophen und Doxologie) eines langen erzählenden 
Gedichtes, welches die Geschichte des ägyptischen 
Joseph behandelt. Man findet den Text bei Dumäril, 
PoGsies inädites du moyen-äge p. 286 sqq. und bei 
Hagen, Carmina medii aevi p. 84 sqq. Es würde dies 
Gedicht, ganz abgesehen von der Verfasserfrage aus 



1 Anal Hymn. L, 181 sind irrtümlicher Weise nur fünf auf- 
geführt. 



unserem Material schon deshalb ausscheiden, weil es 
nicht der hymnischen Lyrik, sondern der erzahlenden 
Poesie angehört. Dasselbe gilt von Nr. 26, einem 
didaktischen Abcdarius über die Tugend der Liebe, 
der wenig oder gar nichts von Rabans Behandlungs- 
weise an sich trägt, sondern eher an Bedas Art erinnert. 

Was die mit einem Asteriskus bezeichneten Hymnen 
betrifft, die von zweiter Hand beigefügt waren, so 
sind aus der Liste zweifellos drei zu streichen: Nr. 13, 
das nur ein Bruchstück (3 Strophen) eines in seiner 
Gänze verloren gegangenen Abcdars ist, bezüglich 
dessen ich mich auf das Analecta Hymnica medii aevi 
XXVH, Nr. 82, S. 117 ff. Gesagte beziehen darf. Nr. 15 
ist ebenfalls aus einem Fragment (2 Strophen) eines 
längeren Weihnachtshymnus des Paulin von Aquileia; 
vgl. Anal. hymn. L, 127 sqq. Nr. 17 ist ein, schon im 
Mittelalter irrigerweise einer Dichterin Elpis, der 
Gattin des Boötius, zugeschriebener Osterhymnus, der 
sich auch stilistisch als völlig rabanfremd ausweist. 

Belassen wir dagegen als möglicherweise von 
Baban herrührend in der Liste die Nr. 11, 12 und 16 
und fügen wir der Liste hinzu die beiden Hymnen 
Sanctorum meritis inclita gaudia de Communi 
plurimorum martyrum sowie den Martinus-Hymnus 
Fratres unanimes foedere nexili, über die ich 
mich am Schlüsse besonders aussprechen werde, so 
haben wir jenes Ensemble von Hymnen, welches ich 
im L. Bande der Analecta hymnica Baban zugewiesen 
habe. Ich werde versuchen, bezüglich dieser Hymnen 
den oben versprochenen Beweis zu führen. Ich muß 
dabei notgedrungen Rabans poetische Werke nach 
verschiedenen Ausgaben zitieren. 

1. Ich zitiere die Hymnen nach Anal. hymn. L, 
180 — 209. Ich kann sie nicht nach Brower zitieren, 
da seine Ausgabe einmal zu selten und zu schwer zu- 
gänglich, dann aber auch nicht vollständig ist, da ihm 
die letztgenannten Hymnen fehlen, einige andere mehr 
Strophen haben als Browers Quelle ihnen gibt; ich 
kann sie nicht nach Dümmler zitieren, weil derselbe, 
wie schon bemerkt, alle von Mone u. a. bereits publi- 
zierten Hymnen aus seiner Ausgabe fortließ, mithin 



— 63 — 

gleichfalls nicht vollständig ist. Ich zitiere die Hymnen 
mit drei arabischen Ziffern, von denen die erste, fett- 
gedruckte den Hymnus, die beiden andern Strophe 
und Verszeile anzeigen. 

2. Die übrigen Gedichte Rabans, deren Echtheit 
nicht angezweifelt wird, zitiere ich nach der Ausgabe 
Dümmlers, Mon. Germ. Poetae Latini H, 159 sqq. Die 
beiden Hymnen auf Bonifatius sowie auf Marcellinus und 
Petrus (Anal. hymn. 1. c. Nr. 18 und 21), die Dtimmler 
stillschweigend unter die genuina versetzthat(Nr. LXXXI 
und LXXXII), muß ich selbstverständlich bei den 
Hymnen belassen, die Hymnen Anal. hymn. 1. c. 
Nr. 1 — 3 dagegen haben bei den zweifellos echten 
Schriften zu verbleiben, da sonst das Beweismaterial 
unrichtig auf die beiden Seiten verteilt würde. Ich 
zitiere die Gedichte der Dümmlerschen Ausgabe mit 
einer römischen Zahl, welche das Stück, und einer 
arabischen, welche die Verszeile bezeichnet. Zwei 
römische Zahlen zeigen an, daß der Herausgeber unter 
einer Nummer mehrere Gedichte vereinigt hat, zwei 
arabische, daß das Gedicht strophisch gegliedert ist 1 . 

3. Mit großem Nutzen habe ich auch die Gedichte 
des Liber de laudibus sanctae crucis zum Vergleiche 
herangezogen. So zerquält und verrenkt diese, Spiele- 
reien schlimmster Art dienstbar gemachten Verse auch 
erscheinen, sie sprechen ein deutliches Wort bezüg- 
lich der Diktion Rabans. Da Dümmler sie aus seiner 
Ausgabe ausschloß, die andern Drucke aber seltener 
sind, zitiere ich sie nach der Ausgabe von Migne (PP. 
LL. 107, 147 sqq.), mittelst einer römischen und einer 
arabischen Ziffer, denen ich zum Unterschiede von 
den Zitaten nach Dümmler ein F (Figura) oder ein P 
(Prafatio) vorsetze. 

Für die Hymnen bei Brower besteht, da sie in einer 
die Werke Rabans enthaltenden Handschrift sich fanden 
und als Versus Hrabani bezeichnet waren, soweit nicht, 
wie vorgesehen, gegen einzelne der Beweis des Gegen- 
teils geführt ist, die Präsumptio der Echtheit. Ich 



1 Es erscheint angezeigt, darauf hinzuweisen, dass Nr. IV bei 
Dümmler infolge Druckfehlers irrig ab Nr. VI bezeichnet ist. 



— 64 — 

werde nun das sprachliche Material, das ein Vergleich 
der echten Dichtungen Rabans mit den fraglichen 
Hymnen mir an die Hand gibt, in eine dreifache 
Schichtung verteilen. Dasselbe zeigt 1. daß die Hym- 
nen (nach Ausscheidung des Auszuscheidenden) sich 
als das. Werk eines Dichters darstellen. Dies würde 
angesichts der Präsumtion, von der ich sprach, schon 
als Beweis für die Echtheit genügen. Denn wenn sie 
das Werk eines Dichters sind, dann kann dieser eine 
eben — nach den äußeren Umständen — nur Raban 
sein. Ich werde dann 2. zeigen, daß Raban überhaupt 
eine unschwer zu erkennende, sich nicht verleugnende 
poetische Diktion hat und 3. daß diese seine Eigen- 
tümlichkeiten sich in den Hymnen in so genügendem 
Maße wiederholen, daß an ihrer Abfassung durch ihn 
nicht zu zweifeln ist. Zum Schlüsse werden einige 
Bemerkungen, einzelne Hymnen betreffend, beizu- 
fügen sein. 

Kapitel H. 

Die Hymnen das Werk eines Verfassers. 

§ i. 

Die Hymnen 4—27 (Anal. hymn. L, 185 sqq.) sind 
das Werk eines Dichters. 

1. Lesen wir den ersten dieser Hymnen, so wird 
uns kaum der dreimalige, auffällige Gebrauch des 
Wortes arx entgehen: 

Spiritum sanctum dedit haec ab arce 4. 9, 1. 
Ad honorem regia in arce magni 4. 11, 2. 

Ecce, haec dilectio vera, haec arx 4. 13, 1. 

An den beiden ersten Stellen bedeutet dem Dichter 
arx, und zwar das Wort allein, ohne jeden erklärenden 
Beisatz, wie z. B. arx polorum oder ähnliches, den 
Himmel. An der dritten Stelle wird kaum weniger 
auffällig die Tugend der Liebe entweder schlechthin 
arx genannt, oder, wenn wir nach arx kein Komma 
setzen wollen, arx summa virtutum. 

Ecce, haec dilectio vera, haec arx 
Summa virtutum, caput et regina. 



— 65 — 

Beides ist gleich auffällig. Sehen wir uns nun 
in den übrigen Hymnen um, so werden wir in sechs 
weiteren demselben Worte in gleicher oder verwandter 
Bedeutung begegnen: 

Mentis in arce manet Dominus 6. 7, 5. 
sociemur astris | Arce polorum 16. 6, 3 sq. 
Cum quo lucis in arce 17. 2, 3. 
Regnans solus in arce 19. 19, 3. 
Qui poli summa residet in arce 24. 5, 3. 
Quos arx orbis et regina 21. 3. 

Hier wird Rom die Citadelle der Welt, arx orbis, 
genannt; Christus residiert im Geiste des Menschen 
wie in einer Burg; der Himmel wird zweimal als arx 
poli, beziehungsweise polorum, einmal arx lucis, einmal 
wieder schlechthin arx genannt. 

2. Der Dichter dieser Hymnen, wer immer es sei, 
hat eine Vorliebe für das Umstandswort rite, die 
nicht unbemerkt bleiben kann. An dem Worte selbst 
ist nichts auffalliges; auffallend ist nur die häufige 
Wiederkehr. Es genügt völlig die Belegstellen zu 
verzeichnen : 

Cuncta virtus rite regens, potens lex 4. 2, 3. 

Lumen darum rite fulget 5. 1, 1. 

Qui sua munera rite dedit 6. 10, 3. 

Kegis pacifici rite cunabula 7. 2, 2. 

Regnum rite suum firmiter undique 7. 5, 3. 

Flagrans rite Petrus adit sepulcrum 10. 9, 3. 

Grates pias rite ut tibi 11. 7, 3. 

Tu rite promisso patris 13. 3, 3. 

Kite tollen tem scelus omne mundi 16. 2, 2. 

Ambo rite tenent Deum 17. 6, 4. 

üt te rite colentes 17. 8, 3. 

Laudem rite crucis fortiter expetunt 19. 5, 1. 

Confert hie famulis rite canentibus 23. 3, 3. 

Eite canentes 26. 2, 4. 

3. Nicht ganz so aufdringlich, aber doch nicht zu 
übersehen ist die Vorliebe dieses Dichters für ein 
anderes Wort, das an sich zu den allergewöhnlichsten 
gehört, das Wort bonus. Stelle ich indes zusammen, 
wie oft und in welchen Wendungen in diesen 23 meist 
kurzen Hymnen bonus und bene sowie die Steigerungs- 
form optimus vorkommt, so wird sich wohl niemand 
dem Eindrucke entziehen, daß hier in der Tat eine 
Eigenheit zutage tritt. 

Dreves, Fortunatus- und Raban-Studien. 5 



— 66 — 

Duz bone, arbiter egregraa 6. 6, 1. 

Victoris boni gloriam 12. 2, 4. 

Sed iustis bona praemia 12. 5, 4. 

Hoc tu, nate Del et bone Spiritus 12. 6, 2. 

Cuius vita salus et bona maxima 17. 9, 2. 

Hoc tu, nate Dei et bone Spiritus 19. 10, 2. 

Rex. Christe bone, caelitus. 22. 2, 4. 

Facque rogantes bene noe parentem 16. 5, 2. 
Et cuncta veniant bene 17. 7, 4. 
Sed corde tacito mens bene conscia 22. 4, 3. 
Ditantur bene fulgidis. 22. 5, 4. 

Christus et optimus hie Deus est 6. 10, 5. 
Qui nos ad patriam ducat et optimam 7. 8, 3. 
Jesu, precamur, optime 8. 5, 1. 
Praesta hoc, genitor optime, maxime 12. 6, 1. 
Tantorum comitum regia et optimi 17. 2, 2. 
Paulus nam socius doctor et optimus 17. 4, 2. 
Sen8um corde pium confer et Optimum 17. 8, 2. 
Praesta hoc, genitor optime, maxime 19. 10, 1. 
Victorum genus Optimum 22. 1, 4. 

4. Das Gesagte gilt auch von dem Worte piüs 
und dem Gebrauche, den unser Dichter von demselben 
macht. Es gibt an sich kein Wort, dessen Gebrauch 
unauffälliger sein könnte, als dieses Eigenschaftswort. 
Stellen wir indes wieder die Stellen zusammen, an 
denen wir ihm in diesen wenigen, kurzen Liedern be- 
gegnen, so tritt deutlich in die Erscheinung, daß der 
Gebrauch des Gewöhnlichen ein ungewöhnlicher ist. 

Lux pia mundi 4. 1, 4. 
Lux de luce pia et pater omnium 7. 8, 2. 
Laudes ex animo pio canentes 10. 1, 3. 
Quam sedare nequit pia medella 10. 4, 3. 
Insontem ut cruciet pium ac f lageilet 10. 5, 4. 
Donans astra piis, dolorem iniquis 10. 7, 4. 
Cuatodes pavitant, pii resultant 10. 8, 3. 
Caelorum pius arbiter 12, 1, 4. 
Sensum corde pium confer et Optimum 17. 8, 2. 
Quae dudum Dominum extuleras pium 19. 7, 2. 
Praebe pius veniam 27. 1, 4. 
Ergo pius obstinati 27. 6, 1. 

Ecce, poscentem pie cerne plebem 16. 5, 1. 

Per cuncta pie saecula 17. 10, 4. 

Per cuncta pie saecula 19. 10, 4. 

Unde nunc praesens pie te rogamus 20. 3, 1. 

5. Kaum anders verhält es sich meines Fühlens 
mit dem Gebrauche des Wortes orbis statt des ge- 



- 67 — 

wohnlicheren terra, mundus u. dgl. Der Gebrauch 
erklärt sich ja gewiß durch den Zwang des Metrums; 
trotzdem bleibt derselbe eine Eigentümlichkeit in der 
Schreibweise unseres Hymnoden: 

Conditor orbi 4. 4, 4. 

Visitat orbe 4. 9, 4. 

Totus orbi s gaudeat 5. R, 2. 

Quod per totum splendet orbem 5. 1, 3. 

Te laus orbis et regioa 5, 11, 3. 

Quem Judaea tenens orbis et ultima 7. 2, 3. 

Nam rez Christus adest orbis et arbiter 7. 8, 1. 

Consecrat orbis artifex 9. 2, 4. 

Quem colit orbis 16. 4, 4. 

Cuius orbis honor, cuius et aethera 17. 9, 1. 

Post ambo rapiunt orbis et agmina 19. 4, 2. 

Et meritum splendor fulget in orbe soll 18, 2. 

Sed merito ecclesiae laudantur in orbe magistri 18, 33. 

Sparge per orbem 26. 2, 2. 

Deus orbis reparator 27. 1, 1. 

6. Auch der Gebrauch, den der Dichter von dem 
Worte pariter (fast stets an gleicher Versstelle) 
macht, ist ein solcher, daß er in diesen wenigen 
Liedern zu einem Charakteristikum wird: 

In Bethlem pariter cumque parentibus 7. 4, 2. 
Gandemus pariter mentious, en, precor 7. 7, 1. 
Sanet aegrotos pariterque nostros 15. 4, 3. 
Sanctorum pariter promite principem 17. 1, 1. 
Sit nato pariter consona gloria 17. 10, 2, 
Exaequant pariter, dogmata colligunt i9. 3, 2. 
Cantemus pariter Carmen amabile 23. 2, 1. 

7. Auffällig ist auch der Gebrauch der beiden 
verba tenere und retinere und das mit Rücksicht 
auf die Häufigkeit sowohl wie auf die Art des Ge- 
brauches: 

Quem Judaea tenens orbis in ultima 7. 2, 3. 
Regni sceptra tenens est Deus atque homo 7. 1, 4. 
Nunc paschalia festa cum tenemus 10. 1, 4. 
Caeli regna potens tenens 17. 3, 4. 
Ambo nte tenent Deum. 17. 6» 4, 
Qualecunque sit, tenere 21. 3, 3. 
Regni tenes solium 27. 7, 2. 
Hi sunt, quos retinens mundus inhorruit 28. 2, 1. 
Clara quae celsi retinens (Hympi 24. 4, 3. 

5* 



— 68 — 

§2. 

Verlassen wir nunmehr diese mehr durch Zahl 
und Wiederholung wirkenden Worte und beobachten 
wir andere mehr qualitativ wirkende Einzelheiten. 

1. Der Ausdruck Christi comites als Bezeichnung 
für die Apostel ist in sich nichts Auffallendes, ist 
vielmehr einmal verwendet, nahezu etwas selbstver- 
ständliches. Er kehrt aber in diesen wenigen Hymnen 
viermal wieder und wird so fest zu einem ständigen 
Epitheton: 

Pruritus Christi comites dehincque 4. 10, 2. 
Hanc habere eins comites iubebat 4. 15, 2. 
Tantorum com i tum regis et optimi 17. 2, 2. 
Dum Christum comites gressibus et pares 19. 3, 1. 

2. Unverkennbar ist bei dem Dichter dieser 
Hymnen eine Vorliebe für Iterativformen, sollte sie 
auch nur aus metrischen Verlegenheiten sich her- 
schreiben. Er liebt Verben wie rogitare, vocitare, 
volitare, pavitare, quaesitare: 

Caelitus mitti rogitamus aulam 15. 2, 2. 
Iure formantem rogita tonantem 16. 6, 2. 
Angelus cum tu vocitaris alti 16. 6, 1. 
Hancque mandatum vocitat novum auctor 4. 15, 1. 
Pellat antiquum, volitet ab alto 15. 3, 2. 
Spiritum supra volitare sanctum 16. 3, 2. 
Custodes pa vi tant, pii resultant 10. 8, 3. 
Lactis potum quaesitans 5. 9, 4. 

3. Selten stoßen wir in der Hymnendichtung der 
Lateiner auf das Wort chaos, am wenigsten wohl in 
der Bedeutung von Unterwelt. So braucht es unser 
Dichter in zwei Hymnen, die sich so als das Produkt 
einer Feder insinuieren: 

Sic Herodes stimulante chao 6. 4, 1. 
Emitten8 animum chaos penetrat 10. 7, 1. 

4. Berechtigt uns dies, Hymnus 6 und 10 für das 
Werk eines Dichters zu halten, so erlaubt uns eine 
ähnliche Beobachtung dieselbe Annahme rücksichtlich 
der Hymnen 10 und 19. In ersterem lesen wir Str. 10: 

Quid, Judaea, fremis Deo reluctans, 
Fingens arte scelus dolo reperto, 
Furatum crepitans, qui ovat coruscans? 



- 69 — 

Crepitare im Sinne von „laut verkünden" ist ge- 
wiß auffallig. Wir finden aber das Wort in der 
gleichen auffälligen Bedeutung wieder Hymnus 19, 
Str. 5, wo von Petrus und Andreas gesagt wird: 
Laudem rite crucis fortiter expetunt, 
Dum Christi crepitant de cruce gloriam. 

Beide Apostel sterben am Kreuze, beide verkünden 
vom Kreuze herab die Größe Christi: crepitant. Ich 
mache auch darauf aufmerksam, daß das Wort ein 
Iterativum ist, also zu den unter n. 2 aufgeführten 
Verben gehört. 

5. Ich behaupte des weiteren, der Dichter des 
10. Hymnus ist auch der des 23sten. Letzterer be- 
ginnt mit den Worten: 

Fratres unanimes, foedere nexili, 

ersterer dagegen, ein Osterlied, mit den Versen: 

Cantemus Domino Deoque nostro. 
Fratres unanimes, probas verenter. 

6. Die Hymnen 12, 17 und 22 sind von einem 
Verfasser; er verrät sich durch Anfänge wie: 

Compellunt animos carmina promere 12. 1, 2. 
Sanctorum pariter promite principum 17. 1, 1. 
Nam gliscit animus promere cantibus 22. 1, 3. 

Man vergleiche auch in den Hymnen 6, 17 und 22: 

O socii, sine fine Deum 6. 10, 1. 
Natalem, socii, psaUite laudibus 17. 1, 2. 
Pangamus, socii, gestaque fortia 22. 1, 2. 

Ich glaube auch die Verse 11. 7, 4 und 13. 6, 4 
in Parallele bringen zu dürfen: 

Reddamus omni tempore. 
Credamus omni tempore. 

Ebenso vergleiche man die Doxologie des Hym- 
nus 12: 

Praesta hoc genitor, optime, maxime, 
Hoc tu, nate Dei et bone Spiritus, 
Begnans perpetuo fulgida trinitas 
Per cuncta pie saecula 

mit derjenigen des Hymnus 19, der nur ins Asclepia- 
deum tertium überträgt, was jener im Asclepiadeum 
secundum geboten: 



— 70 — 

Praesta hoc, genitor optime, maxime, 
Hoc tu, nate Dei et bone spiritus, 
ftegnans solos in arce 
Per ouncta pie saecula. 

Es ist auch interessant zu beobachten, wie sich 
die Lieblingsausdrücke, die wir bei unserem Dichter 
feststellten, häufen, indem ihrer nicht weniger als 
vier in dieser Doxologie untergekommen sind. 

Folgere ich zuviel, wenn ich behaupte: Auf diese 
Merkmale innerer Verwandtschaft hin dürfen wir dreist 
die in Frage stehenden Hymnen als das Werk eines 
Verfassers bezeichnen? Sind sie aber das Produkt 
eines Dichters, dann ist dieser Dichter eben Raban 
und kein anderer, denn unter seinen Gedichten stehen 
sie mitten drin. Dieser Beweis würde allein voll- 
kommen genügen. Wir sind aber in der glücklichen 
Lage, ihn bedeutend verstärken zu können. 



Kapitel III. 

Eigentümlichkeiten der poetischen Diktion 
Rabans. 

§1. 

An zweiter Stelle versprach ich den Nachweis zu 
führen, daß Raban einen charakteristischen, unschwer 
zu erkennenden poetischen Stil habe. Dieser Nach- 
weis hat sich also auf die anerkannt echten Dichtungen 
Rabans zu beschränken, auf die bei Dümmler befind- 
lichen carmina de diversis und auf die im Liber de 
laudibus sanctae crucis enthaltenen. 

1. Ich stelle zunächst den Gebrauch des Umstands- 
wortes rite in diesen Gedichten fest: 
Scripturam et sacram rite pararet ovans I. i, 12. 
Quo typicos numeros tropicas et rite figuraa I. i, 15. 
Ac libri legis grammate rite dabant I. I, 20. 
Praesul ut eximius sit rite Gregorius almae I. n, 3. 
Tu modo suscipias, teneas et rite fruaris I. v, 11. 
Artificem vilem rite tuendo prece I. v, 12. 
Quo verbum et sensum facundia rite probaret I. vi, 7. 
Pro artifice ac vili fundite rite preces I. vi, 12 



— 71 — 

Quae mandai rite noscere yerba Dei II. n, 2, 

In legem Domini cernere rite iubens IL n, 6. 

Ne spernas, sumas sed, rogo, rite legas III, 22. 

Atque opus omne tuum dextra tu rite parasti YI. i, 2. 

Fac nos velle, rogo, tua iussa implereque rite IV. I, 27. 

Mente manuque simul atque haue imitabere rite IV. n, 11. 

Quae gentis propriae perfecit rite salutem IV. m, 3. 

His tu delictis frueris, si rite placebis V, 9. 

Hunc ego ex scriptis confeci rite libellum VI, 1. 

Quidquid protuleram rite loquendo prece hie IX, 48. 

Rite tabescentes morsibus invidiae X, 8. 

Iudex praednetus migrans tibi rite ministret XI, 35. 

Pascit cum toto et grege rite suo XI, 38. 

Fac me velle bonum, scire actu et rite probare XII, 16. 

Nupsit et ispsa viro insigni nam rite Rebecca XVI, 27. 

Quod gemino sensu vertere rite valet XVII. 24. 

Ut tua de caelis tempora rite regat XVII, 40. 

Praecepta atque sequi rite tua nionita XVIII, 30. 

Quem, peto, rite sequens te eiua vestigia serva XVIII, 45. 

Perfectum Dominum rite sequens famulus XVIII, 58. 

Quod quondam doeuit Albinus rite magister XXVIII, 19. 

Vincenti in fine rite Corona datur XXXIV, 22. 

Hoc quoque posco Deum per psalmos rite canendo XXXIV, 

Ut me commende8 rite Deo preeibus XXXIV, 32. 

Qui tua perpetuo tempora rite regat XXXV, 2. 

Pictura ostentans rerum non rite figuras XXXVIII, 6. 

Nam salvatori rite dieavit amor XLJ. m, 2. 

Rite iuvant preeibus atque bonis meritis XII. iv, 6. 

Quos nobis, Christe, rite favere facis XLI. vm, 8. 

Hoc altare ornant rite suis preeibus XLI. ix, 2. 

Hicque Golumbanus fixa stat rite columna XLI. xi. 5. 

Nam dileeta Deo hie rite Theophila mixtim XLI. xm, 5. 

Et Christi martyr rite patronus adest XLIII. I, 2. 

Tu, Benedicte, tuos rite iuves preeibus XLIII. n, 2. 

Si hie prece nos studeant rite fovere sua XLIII. in, 3. 

Hie locus, ecce, tenet sanetorum condita rite XLIV. n, 1. 

Virgo Dei genetrix, hanc aram rite teneto XLIV. vi, 1. 

Ipsum ut commendent rite Deo preeibus XL VI, 16. 

Hi pompam mundi spernentes rite tenebant XLVII, 7. 

Virginis hie matris sacra pignora rite locantur XLIX. i, 3. 

Praesule cum Humberto rite locavit et hie XLIX. n, 4. 

Hanc aram meritis rite colunt propriis XLIX. vn, 2. 

Hoc altare suis rite dicant spoliis XLIX. vm, 2. 

Ut studeas votis rite placare Deum L. n, 4. 

Coetus apostolicus cum his pictis rite ministris L. in, 1. 

Pro nobis Dominum poscere rite pium LIII, 34. 

Martyr Agatha Dei foveas, nos rite precamur LIII, 41. 

Ora pro nobis rite favendo Deum* LIII, 12. 

Quisquis dona velit rite impetrare tonantis LV. ni, 1. 

Otgarius coepit, Hrabanus rite peregit LV. iv, 1. 

Pontifices isti hanc sedem rite tenebant LVI, 1. 



— 72 — 

De Fresia huc vectus cum theca hac rite locatus LVII, 3. 
Scriptor evangelii dilectus rite Johannes LX, 1. 
Haec confes8orum spoliis pars rite refulget LXIII, 2. 
Riteque conservat ipse suos famulos LXVIII, 12. 
Quo tu, Christe Deus, facias nos rite iuvare LXXIV. rv, 3. 
Quattuor ergo viri scriptores rite probati LXXV, 9. 
Pluribus, ecce, locis venerantur rite sepulta LXXVI, 3. 
Cum sancto Andrea rite iuvant meritis LXXVII. n, 2. 
Hoc altare iuva rite tuis precibus LXXVII. vi, 2. 
Quapropter moneo cunctos, qui huc rite propinquant LXXVII. 

ix, 11. 
Hoc altare tenet in domate rite Philippi LXXIX. I, 1. 
Cuius hie dona condita rite micant LXXX. i, 2. 
Confessorque simul rite Philippus ovant LXXX. i, 10. 
Unde rogo, ut tantos quaeratis rite patronos LXXX. vi, 9. 
Assistit precibus rite iuvando piis LXXX. ix, 4. 
Rite colit habitans adiuvat et precibus LXXX. x, 8. 
Lulli diseipulus, successor rite Riculfi LXXXIV, 9. 
Hie locus, ecce, tenet congestos rite sepulcris LXXX VI. i, 1. 
Capite conteeta hie condita rite iacet LXXX VI. n, 2. 
Martyr rite locum consecrat et Domino LXXX VI. n, 4. 
Praesulis officium rite peregit ovans LXXX VII, 8. 
Ingrediens quisquis hanc aedem rite revisas LXXXIX, 1. 
Hanc, rogo, tu, lector, commenda rite tonanti LXXXIX, 19. 



Rite probant plebes iuris spondetque parentem F i, 5. 
Reddere posse iubar, cuius tunc rite figuram F iii, 29. 
His haec labbara dant signo rite et satis ora F iv, 25. 
Laudibus ut clara cantem tua rite tropaea F v, 2. 
Et rite patriarcharum ius plebsque pnora F v, 22. 
E foliis fruetus correptaque squalida rite F vi, 25# 
Parcens rite hosti dat fatu vivere multos F vu, 26. 
Quidquid rite probat et profert ordine mundus F vni, 7. 
Atque thoro in proprio decies quoque rite tricenos F ix, 7. 
Cum primum haec rite generatio maxima rerum F xi, 7. 
Rite valet, crux, dona tua, cui non satis omnes F xi, 31. 
Agnus hoc statuit signans quoque rite viando F xm, 16. 
Da mihi rite crucis victricia carmina fari F xv, 2. 
Hostiam et obtulerit summus se rite sacerdos F xv, 33. 
Expulso nam rite über genus omne retextum F xv, 33. 
Quem rite Isaiam scio et Septem his dare summis F xvi, 17. 
Os et rite facis caelestem psallere cantum F xvi, 34. 
Temporis instantis numerus hie rite figuram F xvm, 14. 
Qui bona summa capit rite et medioeria ducit F xx, 37. 
Velit rite die hoc et claudere saecula fine F xxi, 31. 
Rite pharos iustis se euneta per aera testans F xxi, 47. 
Qui bona euneta probans of>e tanta et talia rite F xxn, 3. 
Rite crucem cantu salvantem et voce sonemus F xxni, 33. 
Caelo ex terrigenis cantatis rite tropaeum F xxrv, 10. 
In pratis depascit, ovat, quem rite sequentes F xxrv, 27. 



- 73 — 

Rite sacrum Domini placemus carmine vnltum F xxv, 25. 
Hoc tum rite placet, si implemus iussa tonantis F xxv, 28. 
Rite novi testamenti et pia munera pandit F xxvn, 2. 
Te propter Christi spondet sat rite valere F xxvn, 32. 
I nunc ad superos, in caelis rite triumphas F xxvrn, 42. 

Wie erklärt sich dieser, ich darf wohl sagen, ab- 
norme Gebrauch eines solchen Umstandswortes? Es 
ist eben ein Flickwort. Raban hat eine Reihe solcher 
Flickwörter, die ihm alle sehr lose hängen und sich 
ihm, augenscheinlich unbewußt und unbeabsichtigt, in 
die Feder drängen, so oft, namentlich im Versmaße, 
die Lücke gähnt. 

2. Ein solches Verlegenheitswort ist auch das 
Adjektiv almus; das zeigt sein Vorkommen: 

Indidit, ut dona panderet alma Dei. I. I, 16. 
Alme, preces Domino sicque iuvato tuum I. i, 30. 
Per te ut alma crucis laus nunc acceptior exstet I. iv, 7. 
Destruxit mortem, vitam concesserat almam I. V, 5. 
Ut Deus omnipotens cunctorum conditor almus I. vi, 13. 
Nam quia tu templum dedicasti martyris almi II. I, 5. 
Quid cultura velit, gradibus quid nuntiet almis IL n, 12. 
Gratia nam Christi donis te impleverat almis VI. II, 6. 
Nunc, Deus alme, tuum famulum pietate sueta IX, 17. 
Quominus, alme pater, semper tua viscera cingat XV, 9. 
Spiritus alme, veni dulces mihi condere versus XVII, 1. 
Spiritus alme, veni, supera directus ab arce XVIII, 1. 
Te rogo, teque tui, ut fateor, sis nominis almus XIX, 21. 
Ut tua nunc pietas miserum me exaudiat alma XX, 3. 
Consilium cordis, tu, pater alme, vale XXX, 4. 
Altithronus Dominus, cunctorum conditor almus XXXII, 9. 
Qua pax alma viget, proelia nulla fiunt XXXVII, 38. 
Pagina quos cecinit auribus alma tuis XXXVII, 44. 
Accurrunt tumulo martyris almi XL. 14, 1. 
Hie pater alme virüm, monachorum maximepastor XLIII. n, 1. 
Theoaoius martyr, Humbertus praesul et almus XLIII. iv, 7. 
Cum almo Wigberto hie ovat et socio XLIII. iv, 8. 
Martinus praesul simul et Georgius almus XLIX. vn, 1. 
Victorum alme chorus, nos rege tu monitis LIII, 26. 
Alme, tuos socios moneas, Martine, precamur LIII, 33. 
Excellens inter quos gaudet Sergius almus LV. i, 3. 
Praesul Martinus martyr et Sergius almus LV. iv, 5. 
Postquam martyrium explevit Bonifacius almus LVII, 1. 
Crux micat alma Dei divin o munere plena. LXIV, 1. 
En, crux alma Dei venerando fulget amictu LXIV, 15. 
Martyris hie almi pie condita membra quieseunt LXVI. ni, 1. 
Horum nam unus erat Ferrutius almus et aptus LXX, 9. 
Sanctus Alexander papa hie Urbanus et almus LXXIV. i, 3. 
Hos, Theodule sacer, martyr et presbyter alme LXXIV. i, 5. 



— 74 — 

Ornat, amat multum, meritis conservat et almis LXXIV. n, 3. 
Alma Dei genetrix, sanctissima virgo Maria LXXIV. in, 1. 
Marianus praesul Britius confessor et alraus LXXIV. v, 1. 
Hie Leo papa manet, hie Marcellinus et almus LXXV. i, 3. 
Quorum praeeipuus Theodulus martyr et almus LXXVI, 5. 
Agapitus pariter et Felicissimus almus LXXVIL in, 3. 
Hie Isidorus ovat praesul Theodulus et almus LXXVTI. iv, 5. 
Cuthbertus praesul Arnulphus episcopus almus LXXVIL vi, 3. 
Felix, Iustinus, Goar et presbyter almus LXXVIL vi, 5. 
Papa, en, Gregorius Martinus praesul et almus LXXVIL vni, 3. 
Hicque Dionysius Chylianus martyr et almus LXXVIL ix, 3. 
Alma creuis Iesu hie portio condita Christi est LXXVIIL iv, 1. 
Albanus martyr Bonifacius almus et ipse LXXIX. i, 7. 
Virgineusque chorus pariter laetetur et almus LXXX. m, 3. 
Petrus et Andreas fratres hie Paulus et almus LXXX. v, 3. 
Cum quo sanetus ovat spoliaque hie al m a recondit LXXX. V1H, 7. 
Agnes nam virgo haue aram dedicat alma LXXX. IX, 1. 
Discipulis pastor plebis et almus amor LXXX VIII, 12. 



Et regere et tegere stes numinis alma quod ara F m, 13. 
Horrida bella draconis ovans cum milibus almis F m, 15. 
En, alis sensim tradunt alma altaque pandunt F iv, 29. 
Condistis, ima plebs alma est voce reperta F v, 7. 
Quae, crux alma, piis iusta das laude probando F vi, 10. 
Pactum coniunxit et lex patris alma rigavit F vi, 29. 
En, almum et non vaaharo rursus dicite vera F vn, 13. 
Auctorem Christum Dominum omnipotentis et almi F ix, 39. 
Nempe patris natum, verum, almum atque arce supernum F ix, 40. 
Te, pater alme, poli doctorem carmine in isto F xi, 1. 
Exorta est ex invisis, crucis alma refulsit F xi, 8. 
Gloria, cum dono lux alma beavit et arva haec F xi, 9. 
Scripserit atque in prineipio Deus unus et almus F xv, 8. 
Ut crux alma foret divino haec munere dives F xv, 27. 
Spiritus alme, veni supera directus ab arce F xvi, 1. 
Namque creatura invisa in conspectibus almis F xvi, 16. 
Almus ametur amorque, seien tia cui detur omnis F xvi, 21. 
Quod crux alma Dei bene facto schemate signat F xvi, 23. 
Dat, docet alma, adnectit amantibus atque beata F xvn, 16. 
Loricam ligat et bene iustitiae induit almam F xvm, 20. 
Eius et hoc numero sua deserto alma trahebat F xvm, 25. 
Reddere dextra pia trepido, hie alma quietis F xix, 18. 
Quae cantare solet sors alma et ut scripta serena F xxn, 26. 
Quod iuvet iis nos scriptio ut alma est aeris arce F xxn, 31. 
Cum apparebit ovans servorum hinc et rapit almi F xxn, 32. 
Verus amor decorat iusti beat atque opus almum F xxttt, 22. 
Ora bonis possint modulis et cantibus almis F xxv, 4. 
Crux alma, vates, haec edidit auetor in hisque F xxvi, 36. 
Alma tropaea tua sermo, crux, laudat ubique F xxvn, 11. 
laus alma crucis, semper sine fine valeto F xxvni, 43. 



— 75 — 

3. Beschränkter ist naturgemäß der Gebrauch, 
den der Dichter von dem Worte altithronus, einem 
Beiworte Gottes, macht und machen kann. Dafür ist 
aber auch das Wort an sich ein seltenes. In den um- 
fangreichen Werken des Fortunat findet es sich bei- 
spielsweise nur viermal; in den weit weniger umfang- 
reichen Gedichten Babans 13 mal: 

Altithrono et redde pignus, quod praestitit ipse J. I, 25. 
Alti thron um poscit, qui dives regnat ubique XI, 15. 
Filius altithroni sanguine nempe suo XVIII, 26. 
Altithronus Dominus, sanctorum conditor almus XXXII, 9. 

Altithronus glorioso XXXIX. 81, 1. 

Doxa tibi, altithrone XXXIX. 100, 1. 
Placatum nobis altithronum facias XLI. ix, 4, 
O Deus altithrone, semper adesto pius LIII, 10. 
Propitium nobis celsithronum facite LIII, 16. 
Placans altithronum funde preces, petimua LIII, 32. 



Regia altithroni sancta tropaea simul. P, 4. 
Unius altithroni devoto in laudis honore F n, 7. 
Altithroni donum carae et pia portio sponsae F xvi, 6. 

4. Weniger häufig als die Lieblingsworte rite und 
almus, immerhin aber häufig genug, um damit auffällig 
zu werden, gebraucht Raban das Wort aptus und 
das Adverb apte: 

Plurima complexus hie tarnen apte dedi II. n, 20. 
Mysterii8 plena est lectorem quaerit et aptum III, 3. 
Tempus nunc aptum est atque aeeeptabile Christo IV. ni, 27. 
Grammata nempe Dei digitus sulcabat in apta XXI, 11. 
Quis tegumenta parat ornatum quaerit et aptum XXXIII, 9. 
Martyris et tumulo subsidia apta feret XLI. xi, 6. 
Cum quibus gaudet hie Victoricius apte XLI. xiv, 9. 
Horum nam unus erat Ferrutius almus et aptus LXX, 9. 
Pauperibus larga, omnibus apta bonis LXXXIX, 12. 
Quae fuerant apta plurima ad officia XC, 10. 
Ore manuque simul populo huic qui praefuit apte XCIII, 3. 



Omnibus apta bonis, stirps veneranda satis P, 6. 
Munera ut apta darent templa ad honesta Dei P, 18. 
Namque quadriga piis bene cornibus apta quaternis F vi, 
X numerat semper cruci apta et amica figura F xix, 31. 
Ducere verba tibi contero plana apta figurae F xxv, 12. 
Inserui angelicos intexi et versibus aptis F xxv, 14. 



- 76 — 

5. Eines der häufigst gebrauchten Lieblingsworte 
Rabans ist das Wort arx in der Bedeutung „Himmel". 
Arx ohne weiteren Beisatz ist bei ihm immer die Hof- 
burg Gottes, und dieser Gebrauch ist gewiß ein höchst 
charakteristischer. Es kommt aber auch in den ver- 
schiedensten Zusammensetzungen bei ihm vor, am 
öftesten als arx poli oder polorum: 

Ut vivas felix semper in arce poli IV. m, 34. 

Gaudentes pariter iungat in arce poli VI, 24. 

Proelia post terrae regnat in arce poli XIII, 72. 

Cui bona hie opto laeta et in arce poli XVIII, 6. 

Cum Domino et sanetis semper in arce poli XVIII, 54. 

Cum Christo et sanetis perpes in arce poli XIX, 42. 

Cum Christo ut maneas semper in arce poli XX, 18. 

Gaudentem secum semper in arce poli XXIII, 10. 

Gaudentes pariter iungat in arce poli XXV, 16. 

Et varium non sit quod tegit arce polus XXXVII, 6. 

Nam altera vita suis servatur in arce polorum XXXVII, 37. 

Cum Christo sursum semper in arce poli LIII, 60. 

Gratia quod Christi salvet eum arce poli LXXIII, 8. 

Et veram requiem semper in arce poli XCVII, 24. 

* 
Et vestrum numerum complevit in arce polorum F. m, 36. 
Eoum solem verbum hausit in arce polorum hoc F xv, 5. 
Gloria, stemma, thronus, quis abditur arce polorum F xvu, 39. 
Ut Deus arce poli et iustus cum advenerit isthuc F xxn, 14. 
Inferni, requiem nunc, o Christe, arce polorum F xxvm, 38. 

Unter diesen Beispielen begegnen wir dem Hexa- 
meterschlusse in arce poli nicht weniger als elf-, 
der ganzen Hexameterhälfte semper in arce poli 
nicht weniger als sechsmal. Seltener ist die Verbin- 
dung arx caeli oder arx caelorum: 

Si Christo regnum, caelorum si annuis arcem XI, 43. 
In terris serret, caeli perducat ad arcem XXII, 13. 
Quidquid ab arce Deus caeli direxit in orbem XXIII, 13. 
Stelligeram caeli summus qui continet arcem XXVI, 2. 
Hinc laudem in terra meruit atque insuper arce 

Caelorum vitam et regna beata simul LXXI, 9. 

* * 

* 

Traxerat atque cadens de caeli Lucifer arce F x, 9. 
Iustorum et plebes, qui in caeli sistitis arce F xxv, 36. 

Einmal, LXXX. x, 3, begegnet uns auch die hier 
beizufügende Zusammensetzung mit caelestis: 
Quos pariter Christus caelestem duxit ad arcem. 



— 77 — 

Fünfmal begegnen wir der Zusammenstellung mit lux, 
arx lucis; 

Et post hanc vi tarn conscendes lucis ad arcem IV. in, 11. 

Cernam quod vultum lucis in arce tuum IX, 46. 

Liber ovas semper lucis in arce manens XVIII, 48. 

Lucis in arce manens quod tecum gaudia carpam XVIII, 65. 

Aeternae vitae lucis in arce manens XVIII, 66. 

Damit verwandt ist die Ausdrucksweise aetheris 
arce und aeris arce, die wir je lmal beobachten: 

Gloria sed perpes maneat tibi in aetheris arce IV. n, 14. 
Quod iuvet iis nos scriptio, ut alma est aeris arce F xxn, 31. 

Fünfmal treffen wir auf die Verbindung mit superus 
oder supernus: 

Teque tuosque simul superam perducat ad arcem XIV, 17. 
Spiritus ahne, veni supera directus ab arce XVIII, 1. 
Qui sequitur Christum gaudebit in arce superna XVIII, 43. 
Quos rex Christus ovans arce superna XLVTII. iv, 2. 
Spiritus alme, veni supera directus ab arce F xvi, 1. 

Wäre schon dieser Gebrauch auffällig und charak- 
teristisch genug, charakteristischer ist noch das Vor- 
kommen von arx ohne jede weitere Beifügung als Be- 
zeichnung für den Himmel: 

Quem tecum summus salvet in arce Deus II. i, 14. 

Semper vos salvet summus in arce Deus II. n, 28. 

Semper in aeternum Christus in arce Deus III, 28. 

Arbiter omnipotens, qui solus regnat in arce IV. i, 23. 

Paschalis pastor, sanctorum civis in arce VII, 3. 

Christus in arce Deus, rector in orbe pius X, 18. 

Sum tibi mente pius, audit ab arce Deus XI, 54. 

Mundum fine capis lumen et arce dabis XI, 58. 

Possideat vitam semper in arce tuam XI, 60. 

In caelis tecum summus in arce Deus XI, 62. 

Iusque poli mavult praecelli et in arce teneri XVIII, 33. 

Christus in arce Deus conservet semper utrumque XXIII, 11. 

Post finem vitae semper in arce vale XXXIV, 36. 

Hoc nobis tecum summus in arce Deus XXXVII, 100. 

Christus in arce sedens praemia magna parat LI, 2. 

His tu mercedem tribuas in arce benignus LV. IV, 3. 

Qui fuerant Christi, nunc et in arce manent LXXVIII. ni, 6. 

Pars crucis hie Domini est, qui summus regnat in arce LXXX. iv, 1. 

In cruce confixus Christus in arce Deus LXXX. xi, 2. 

Quod te conservet summus ab arce Deus XCII, 16. 



In cruce sie positus dederat Deus arce coronam F i, 14. 
Duceret, inclinans humilis tum venit ab arce F in, 22. 



— 78 — 

Quis steterat Adam sons regna Sabaoth in arce F iv, 15. 
Christus salvator, Christus rex arce serenus F vm, 1. 
Iustitiae quidquid arce, quidquid manet orbe F Yin, 6. 
Nempe patris natum, verum, almum atque arce supernum F ix, 40. 
Fraude perire lupi, hanc, maxime conditor, arcem F xiv, 35. 
Dolatio, idque refectio, pastio larga et in arce F xvn, 23. 
Cuius in arce thronus, aspectus in infima cuius F xvm, 35. 
Hortatur miserans, spondet pie conditor arcem F xxn, 5, ♦ 
Qui saper astra locum sedesque tenetis in arce F xxrv, 34. 

Bei dieser bewußten oder unbewußten Vorliebe 
Rabans für das Wort arx, kann es uns kaum mehr 
befremden, wenn wir ihn dasselbe in einigen anderen 
auffallenden Bedeutungen gebrauchen sehen. So wenn 
Kreuz und Ciborium arx genannt werden oder auch 
der Gipfel des Hügels, auf dem Christus die Berg- 
predigt hält: 

Emblemate inclusum arx tenet ista crucis XLIX. vi, 2. 

Ornas qui totum arce crucis Dominus pie mundum F Vi, 2. 

Ciborii hanc arcem, Christe, tui famuli LV. IV, 2. 

Quaeque sedens montis oravit in arce magister F xvn, 10. 

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie oft sich dies 
Wort in die Feder Rabans drängt, vergleiche man 
beispielshalber in seinen Gedichten Nr. DT, es enthält 
das Wort fünfmal, in den Versen 43, 54, 58, 60 und 
62, oder Nr. XVIII, es enthält dasselbe achtmal in 
den Versen 1, 6, 33, 43, 48, 54, 65 und 66. 

6. Eine andere Umschreibung für den Himmel, deren 
Raban sich nicht selten bedient, ist das Wort astra. 
Diese Umschreibung ist natürlich nichts eigenartiges. 
Wenn sie dennoch unsere Aufmerksamkeit erregt, kann 
dies nur von dem öfteren Gebrauch herrühren, ob- 
schon derselbe nicht so häufig ist wie beispielshalber 
bei den Worten rite, almus oder arx. 

Missus sed lucis ducat ad astra poli IX, 42. 

Astra petivit ovans vatis quondam aureo currn XVI, 89. 

Buoloni ut regnum det super astra Deus XXIV, 16. 

Super astra celsissima XXXIX. 73, 3. 

Postquam martyrio astra superna petit XLI. v, 2. 

Pars hie, ecce, loci est, quo Christus astra petivit XLI. x, 1. 

Sanctis pro meritis collocat astris XLVIII. rv, 3. 

Qui regit imperium, mundi qui continet astra L. i, 1. 

Aeternam huic requiem da super astra pius LXXXV, 14. 

Post funus tecum laetus ad astra petam XCII, 18. 

Corpore sed tantum, spiritus astra petit XCIII, 2. 



— 79 — 

Qui astra et siderea editus omnia luciferum ante F i, 44. 
Omnis namque simul scandit ob nomen ad astra F V, 28. 
Nam hora itad hanc tempus, annalis cursus et astra F ix, 13. 
Haecque decus mundi est, Sem regit astra poli hinc F rx, 22. 
Lux abiit cum snmma iujjis prima astra adit, en, sol Fix, 25. 
Septenosque gradus supens erexerat astris F xvn, 36. 
Gentes ac populos ad celsa et provocat astra F xxi, 48. 
Dat super astra piis dimittens debita vultu F xyttt, 18. 
Qui super astra locum sedesque tenetis in arce F xxrv, 34. 

Vergleiche auch die verwandten Wendungen: 

Qui cum martyribus sidera praestet XLVOT. v, 4. 
Celsa scandun t sidera LXXaII. 12, 1. 

7. Ebenso in die Augen springend wie der brachy- 
logische Ausdruck arx für „Himmel" ist der verwandte 
auctor als Synonymum für creator und somit für 
Gott. Gerade wie wir es bei dem Worte arx beob- 
achteten, braucht Raban auch dies Wort bald mit er- 
läuternden und näher bestimmenden Beiwörtern, bald 
ohne solche. 

Sexus, personas aetatis perspicis auctor IV. i, 11. 
Quo Dens aeternus, hominum fortissimus auctor VI, 7. 
Omnipotens genitor, qui rerum es maximus auctor IX, 1. 
Te, bone Iesu, precor, rector, salvator et auctor IX, 47. 
Quod Deus aeternus, mundi mitissimus auctor XVIII, 49. 
Auctor et ipse Deus pacifica tribuat XXIV, 4. 
Te Deus aeternus, hominum sanctissimus auctor XXVI, 1. 
Unicus esque meus, auctor te protegat unus XXIX, 3. 
Te tibi totum extra famulantem sentiat auctor XXIV, 25. 
Cunctaque tempus habent, ni solus temporis auctor XXXVII, 25. 
Quod tibi cpncedat auctoris sancta potestas XXXVII, 99. 
Ni solius dementia | Auctoris et potentia XXXIX. 40, 1 sq. 
Cum venit auctor luminum XXXIX. 63. 4. 
Auctor est omnis hominis XXXIX. 92, 2. 
Auctor vitae et redditor XXXIX. 97, 2. 



Aeternum Dominum tacet, o auctor sanctus hicorbeest Fl, 11. 
Summipotens auctor, qui continet omnia, rector F I, 25. 
Nam auctorem haec illum, palmo qui claudit et arva F i, 28. 
Auctorem Christum Dominum omnipotentis et ahm F ix, 39. 
Inque sacra laude fecundat germinis auctor F x, 21. 
Post quos ipse suos a yinclis solveret auctor F x, 30. 
Auctorem Dominum cognoscant laude beata F xn, 32. 
Domata atque artus hominis sibi sumeret auctor F xv, 7. 
Esse suae voluit, dum Spiritus auctor es omnem hanc F xvi, 13. 
Lumen evangelii imitabile condidit auctor F xx, 5. 
Et sociale decus, quod spiritus auctor in ore F xx, 15. 



— 80 — 

Testamentoram Dens auctor opus crucis ipse F xxi, 43. 
Auetor ad aetherei iustis dare praemia patfls F xxn, 15. 
Nam hoc nullus diffudit dux ni Bolus et auctor F xxiv, 19. 
Crux alma, vates, haec edidit auctor in hisque F xxvi, 36. 
Portio tuque mea, sanete salvator et auctor F xxvm, 7. 

8. Wie das Wort almus an sich ein gewöhnliches 
ist, dessen Gebrauch nichts auffalliges haben kann, so 
in noch höherem Maße das Wort bonus und das 
Adverbium bene. Dennoch ist der Gebrauch, den 
Raban von diesen Worten macht, ein sehr auffälliger, 
einmal wegen der Häufigkeit, anderseits auch wegen 
gewisser Eigentümlichkeiten des Gebrauches. 

Et quaeeunque facit parvi bona temporis hospes IV. m, 21. 
Laudaturque modo iure poeta bono X, 16. 
Dux bonus ille quidem, redeunt quo carcere plebes XVI, 95. 
Summa bona exoptans, sanete pater, tibimet XVIII, 56. 
Ergo beata bona est vivere vita Deo XVIII, 60. . 
Nempe beata bona est vivere vita Deo XXIII, 24. 
Cantantes Domino, qui pius et bonus est XXXVII, 84. 
Rite iuvant preeibus atque bonis meritis XLI. IV, 6. 
Actus det placidos spemque fidemque bonam LIII, 52. 
Et carnem castam tempus et omne bonum LIII, 54. 
Consecrant preeibus atque bonis meritis LXXX. vm, 2. 
Claros martyrio actibus atque bonis LXXX. x, 4. 
Fleete genu palmasque leva, bone lector, et orans XCVI, 11. 



Cuncta venusta bona hanc laude beavit amor P, 16. 
Scripta bona iuste consurgunt in cruce vita F m, 20. 
Edunt, quae sit virtus ac bona, quae tribuit rex F rv, 10. 
Et voce firmata viget bona struetio vitae F v, 30. 
Quo templo dedicat laeta bona mansio Christi F V, 33. 
Ostendens se psallere iam bona tempora posse F vi, 20. 
Hincque bonum quidquid, verum mirumque videtur F vm, 5. 
Angelus atque bonus quae nam suffert et iniquus F vm, 8. 
Iusti pollentes per mystica signa bonumque F Vin, 22. 
Cuncta bona dederas demebas et mala cuncta F xi, 36. 
Cuncta venusta, bona remearunt, cara, beata F xn, 7. 
Iam bonus in primis tunc finxit quae exa diebus F xiv 1 14. 
Digna, bona atque pia, Christi afficeras quia membraFxvn, 3. 
Nam bona, quae in terram pius arbiter ore sereno F xvii, 8. 
Crux quia tota bona complectit et optima per se F xvn, 15. 
Quos comitatur amor, ratio, lux, laus, bona virtus F xvn, 38. 
Qui bona summa cupit, rite et medioeria ducit F xx, 37. 
Qui bona cuncta probans spe tanta et talia rite F xxn, 3. 
Dextra tunc meritis capiat bona munera dignis F xxn, 16. 
Quando vir hie f actus tanta bona reddidit orbi F xxn, 19. 
Esse bonis meritis psallendum cantica partos F xxn, 25. 



- 81 - 

Tarn bona cuncta bonus compleyit facta Creator F xxm, 9. 
Ora bonis possint modulis et cantibus almis F xxv, 4. 
Immissus bona dat palmae et mors Uli remota F xxv, 20. 
Haec laus non bona laus, sed veri fictio falsa F xxy, 32. 
Qui solabatar verax, bonus omnibus aequus F xxvn, 9. 
Dax, via, lux, vita, meroes bona, ianua regni es F xxviu, 8. 
Ut me tu pie suscipias, bone Christe, per aram F xxvm, 21. 

Charakteristischer ist der Gebrauch von bene, 
besonders wo es nicht adverbial gebraucht ist, sondern 
wo es mit einem Eigenschaftswort verbunden erscheint 
etwa in der Bedeutung von satis, z. B. bene placitum, 
bene credula, bene devota, bene apta u. s. w. 1 . 

Semper in aeternum, ut opto, valete bene I. vi, 18. 
Condignis f actis fidei bene iura tenendo IV. I, 28. 
Inservire Deo, cui bene servit amor IV. in, 28. 
Sicque bene ipsorum meritis precibusque iuvatus VI, 5. 
Frospere conservet tempora cuncta bene XXIV, 2. 
Qui bene nunc certat, dona futura capit XXXIV, 20. 
Temnerat ergo bene iam cuncta modestia virtus LIV, 7. 
Pontificale suum qui bene gessit opus LXXXIV, 4. 
Officium abbatis et bene gessit opus XC, 4. 
Et se mutavit ac bene post obiit XGI, 6. 
Nee pastoris opus iure bene placitum XCVII, 14. 



Victima patreque cum bene sit satus absque cadueo F i, 42. 
Et bene te extulerat, dire ne dicere puppup F n, 16. 
Quae bene devota corda seit dogmate primum F v, 24. 
Namque quadriga piis bene cornibus apta quaternis F vi, 4. 
Ex te iustitia bene fervens spernere gaudet F vi, 13. 
Corda bene hominum vota quo lumine gliseunt F vm, 21. 
Quifl bene mysteria dicit vel dicere cuncta F xi, 30. 
Quo bene sustentat caelum pelagusque solumque F xrv, 5. 
Nam scribens bene Matthaeus dedit ordine primus F xv, 28. 
Ut tibi devotam mentem et bene credula corda F xv, 2. 
Cui das ergo, bene intellectu singula carpit F xvi, 9. 
Quod crux alma Dei bene facto schemate signat F xvi, 23. 
Sancta bonos bene dona polum scandendo mereri F xvn, 33. 
Loricam ligat et bene iustitdae induit almam F xvm, 20. 
Psallite devote vi tarn, bene psallite Christo F xx, 28. 
Isteque iura bene conservat liber ac nie est F xx, 36. 
Et laetum Domini bene Christi intendere vultum F xxn, 36. 
Regina quia aeterna sie tum et bene gaudia novit F xxn, 41. 
Qui bene nos facit quique auxit quique redemit F xxin, 34. 
Laudes, carmina et artatis bene hieve paratis F xxiv, 17. 



1 Vgl. hiemit male trox F xxi, 11. 

Dreves, Fortunatus- und Raban-Studien. 



- 82 — 

AccSpiet sed vera bene per famfoa vufas F xxv, 31. 
Ergo prophetaram bene te, crux, famen hcmorat F xxvi, 1. 

Fü^en wir, wie oben Kap. IL, § 1, n. 3 geschehen, 
die Steigerungsform bei: 

Optimus est animufl Christi vestitas «more XV, 13. 
Tfe pater alme virum monachoram atque optime pastorXX, 1. 
Optima quaeque tibi tribuat dirina potestas XXIX, 7. 
Depoecens opto optima quaeque tibi XXIX, 8. 
Da vota corais optima XXXIX. 2, 3. 

* * 

* 

▲mctaeque anres caelestibus optima digne F vi, 23. 
Et plebs Carmen ei optime, pure, mira tropaea F xi, 20. 
Mystica dona suis consortibus optime donans F XV, 14. 
Crux quia tota bona complectit et optima per se F xvn, 15. 
Taliter, en, laudes fatu pius optime dioens F xxvm, 13. 

9. Das Wort Carmen beiRaban ist mir in seinen 
Hymnen aufgefallen; daraufhin habe ich mich nach 
demselben in seinen Gedichten umgesehen. Er gebraucht 
es häufiger in Liber de laudibus s. crucis, seltener in 
den anderen Dichtungen, was sich daraus erklärt, daß 
ein so großer Teil der letzteren Inscriptiones sind: 

Carmina nempe tua dioo meliora Maronis X, 3. 

Carminibus celsi cantibus Ovidii X, 4. 

Carmine quam memoro, oreque mente, manu XIX, 6. 

Parvula haec liceat carmina ferro tibi XXIII, 2. 

Carmina sacra tibi resonent, carisaime frater XXIII, 5. 

Sit semper Christus Carmen in oretuo XXIII, 6. 

Te mea mens sequitur, seouitur quoque Carmen amorisXXV, 7. 

Dignus nam doota cum sie ut carmina sohras XXXII, 3. 

* 
Nostra capit pariter carmine et alloquio P, 2. 
Eura canunt, stellis motu tu carmina donas F n, 13. 
Carmine depromat crucis ardua dicat et acta F x, 4. 
Te, pater alme, poli doctorem carmine in isto F xi, 1. 
Et plebs Carmen ei optime, pure mira tropaea F xi, 20. 
Da mihi rite crucis victricia carmina fari F xiv, 2. 
Carmine permaneat, tu implebis carmine mutum F xvi, 33. 
Cruz mihi Carmen erit, Christi victoria clara F xvm, 37. 
Cruz mihi Carmen erit, aures adhibete, fideles F xrx, 1. 
Carminis hie pretium, hie via, portio fida quietis F xxn, 2« 
Carmine et in celebri crebros cantemus amores F xxttt, 35. 
Psaiirte non aliis vosmet imitabile Carmen F xxiv, 3. 
Landes, carmina et artatis bene hisve parati F xxiv, 17. 
Nempe ego te cecini, crux, isto in carmine vivo F xxv, 5. 
Et sacram effigiem caelesti carmine signat F xxv, 17. 
Rite sacram Domini placemus carmine vultum F xxv, 25. 
Carmine namque illo, quod erit in sedibus altis F xxv, 26. 



- 83 - 

10. Achtomdzwaraigmal begegnet uns in Rabans 
Gedichten das Fremdwort dogma: 

Istius ecclesiae dogmata sacra legens I. i, 4. 
Urbi8 Bomanae dogma et apoetoßcnm I. vi, 8. 
Dogmata craae Cimet» pla discere quaeve doeere II. n, 17. 
Nempe locum et sacro dogmate plena micat III, 6. 
Te sermone loqui, te discere dogmate recto XII, 11. 
Omaibus ut niteas dogmate, pace, fide XIII, 18. 
Pande viam conotts per dogmata sacra salutis XIII, 19. 
Condat dogma bonum fluitantia oorda reorum XVII, 19. 
Ut fias fehx dogmata sacra sciens XXXIV, 28. 

Patefecerat dogma tum XXXIX. 55, 6. 

Per mundi piagas dogmate XXXIX. 67, 2. 
Lucas, qui scripsit com geetis dogmata Christi XliV. rt, 1. 
Lucrata est Christo dogmate Oaecilia XLVII, 10. 
Gentem hie Francorum quaesivit dogmate claro LXVIII, 7. 
Dogma et apostolicum protolit ore, mann LXXXIV, €. 
Hie fuerat caate dogmata sacra legens LXXXVTII, 6. 
Seilers et streimus diyinae dogmata legis XO, 5. 
In Fulda post haec dogma sacrum didlci XGVII, 4, 
In quo nee meritum vitae nee dogma repertnm est XOVII, 13. 



Tela rapit, Tah, Martia, Esaiae dogmata complens F i, 9. 
Induta, en, veritas veste, quid dogmate Christus F i, 22. 
Quae bene devota oorda seit dogmate primum F v, 24. 
Eobore consurgit, qui dogmata sensit aperta F x, 10. 
Dogmata Vera Dei per euneta haec tempora mundi F xiv, 24. 
Ut benedieta patris proles haec dogmate eignet F xvn, 14. 
Id voluit signare modis in dogmate scriptis F xxi, 12. 
Perfectumque decus perfecto dogmate discant F xxm, 26. 
Permissum complens et verax dogmata vatum F xxvii, 5. 

11. Zu den dankbarsten Flickwörtern eines latei- 
nischen Dichters gehören jedenfalls die Interjektionen 
en und ecce. Es kann uns daher bei einem Dichter, 
der stark in Flickwörtern macht, wie Raban, nicht 
Wunder nehmen, wenn wir diesen Interjektionen auf- 
fallend oft begegnen. Da es in diesem Falle wenig 
Interesse hätte, die Belegstellen im einzelnen vorge- 
führt zu sehen, unterlasse ich deren Abdruck und be- 
gnüge mich mit der Bemerkung, daß ecce in den Ge- 
dichten Rabana 34, im über de laudibus s. crucis 
7mal vorkommt, en in den Gedichten 11, im Opus de 
s. cruce 23 mal In den Gedichten herrscht also ecce, 
in den laades en vor. 

6* 



— 84 — 

12. Da das Wort f am en auch von Dümmler unter 
den „voces rariores" seiner Ausgabe geführt wird, will 
ich sein Vorkommen bei Raban belegen: 

Hunc puerum docui divini f amine verbi I. i, 5. 
Terraque per hominem maledicti famina sensit XVI, 19. 
Ut verbum fidei claro tu f am ine narres XVII, 13. 
Grammata haec monstrant f am ine cuncta sno XXI, 14. 
Haec facie verum monstrat et f am ine verum XXVIII, 13. 
Patris et matris famina XXXIX. 95, 4. 



Christioolas socias ac sacro f amine vivaz F u, 18. 
Hoc Gabriel alacer dans darum famen ad aurem F in, 25. 
Exaltate, ignis nam hie vester f am ine lucet F iv, 2. 
Famine evangelii, decalogi et foedere claro F x, 34. 
Inderiso famine qui hoc modo splendida donat F xxiv, 20. 
Mentibus et species factis et famine linguae F xxv, 29. 
Accipiet, sed vera bene per famina virtus F xxv, 31. 
Ergo prophetarum bene te, crux, famen honorat F xxvi, 1. 
Unde apostolicus iusta per famina fida F xxvii, 10. 
Hino, credo, aeeipiant orantis famina Hiesus F xxvii, 17. 
Ast Iacobus hinc nos hortatur famine puro F xxvii, 20. 
Hoc mea mens poscit primum, hoc famen et ora F xxvni, 19. 

13. Das Fremdwort gramma Mit ebenfalls in 
Rabans Wortschatze auf. Es kommt im ganzen zweiten 
Bande der Poetae latini, außer bei ihm, nur noch 2 mal 
vor, nämlich lmal bei seinem Schüler Walahfrid und 
lmal in dem Appendix ad opera Walahfridi. Bei 
Raban finde ich es 9 mal in den Gedichten und 3 mal 
im Liber de laudibus s. crucis: 

Ac libri legis grammate rite dabant I. i, 20. 
Oui psalmista pari concordat grammate plebem II. n, 5. 
Grammata sola carent fato mortemque repellunt XXI, 9. 
Praeterita renovant grammata sola biblis AXI, 10. 
Grammata nempe Dei digitus solcabat in apta XXI, 11. 
Grammata haec monstrant famine cuncta suo XXI, 14. 
Haec tibi, sanete pater, optando grammate pinxi XXXIV, 27. 
Plus quia gramma valet quam vana in imagine forma XXXVIII, 4. 
Ast petram Dominus legis cum grammate sculpsit XXXVIII, 24. 



Significat, namque hie tegitur in grammate raro F i, 24. 
Grammata nee hoc una semel, sed hoc quater una F xx, 12. 
Hiezechiel cernit visu Tau grammate Signum F xxvi, 16. 

14. Das Zeitwort latitare an sich — ich zähle 
es bei Raban 5 mal — , würde unsere Aufmerksamkeit 



— 85 — 

kaum erregen. Was dagegen Aufmerksamkeit erregt 
und verdient, ist die Vorliebe für Iterative überhaupt. 
Außer latitare finden wir das Wort dormitare: 
Te vigilem serret, qui non dormitat in aevum I. iv, 17, 

dessen Gebrauch an dieser Stelle allerdings durch 
Ps. 120, 3 veranlaßt ist; das Wort fluitare: 

Condat dogma bonum fluitantia oorda reorum XVII, 19; 
dann latitare: 

Nee dissensio nee nomine frans 1 atitat XIX, 12. 
Et David latitans impia seeptra fugit XXXVII, 62. 

La titabat umbramine XXXIX. 29, 4. 
Sarcophago latitat, spiritus alta petit LXXXVI. i, 4. 
Perpetuae latitant, ubi noxque diesque vicissim F xyin, 6. 

Ferner das Wort minitare: 

Mitigat haec Austri mini tan tia flabra procellas LXII, 6; 

das Wort rogitare; das 4mal vertreten ist: 

Sic psalmista docet: Quae ad pacem sunt, rogitate XXIV, 5. 
Cum vatum tnrba saepins hoc rogites XXXIV, 12. 
Corde tuo mundo hoc« rogito, facias LXXX. i, 12. 
Quapropter rogito # nummatum dives ut isthic P, 25; 

endlich die Form vocitare statt des einfachen vocare: 

Tu decus es populi, vocitaris episcopus ipse XI, 21. 
O quem te vocitem, ne controvensia constet XIX, 3. 

15. Nicht übersehen dürfen wir auch das Wort 
manere, das, gewöhnlich in sich, doch dazu beitragt, 
der Ausdrucksweise Rabans das ihr eigentümliche Ge- 
präge zu verleihen; besonders als einfaches Synonymum 
rür esse: 

Sed spes firma man et bonitas ei magna tonantis I. i, 23. 
Ut tua laus maneat, merces et gloria semper I. u, 17. 
Bolus amor Christi semper ubique man et VI. in, 20. 
Salva manet sursum cum pietate Dei VI. in, 22. 
Sospes in orbe mane, sospes in ore mone X, 2. 
Fixus sed maneas vincere sieque vales XTV, 64. 
Quae salvatoris edita voce manet XVIII, 8. 
liber ovas semper lucis in arce manens XVIII, 48. 
Quae quoque vallatur, undique tuta manet XXXIII, 18. 
Qui regem hunc sequitur, Victor et ipse manet XXXIII, 22. 
Qui fuit, est semper et sine fine manet XXXVII, 26. 
Quo reparata manet progenies hominum XXXVII, 50. 
Atque coronati quattuor, ecce, manent XLI. v, 12. 
Martyr cum Paulo hie atque Ionanne manet XLI. vin, 2. 
Cuthbertus, Beda hie Equitiusque manent XLI. xi, 4. 



Gentianua martyr congratulando man et XLI. xiv, 10t 
Eustratius, Bomulus perpete laude manent XLUI. rv, 6. 
Eugenia hie vir^o ataue Basttla manent XLIV. n, 6. 
De Arimino Yeniens hie simul ipse man et XL VI, 12. 
Caeciliahic maneat, virgo Agnes, martyr Agatha LXXIV. m, 5. 
Hio Leo papa manet, hie Marcellinus et aJmusLXXV. i, 3. 
Qui fuerant Christi nunc et in arce manent LXXVII. nr, 6. 
Hie tecum maneat virgineusque cltorus LXXVII. v, 2. 
Miütorum ad vitam pignora sacra manent LXXVIII. iv, 4. 
Praecursor Domini manet hie Cyriacus et almus LXXrx" . n, 5. 
Virginibus sacris associata manet LXXIX. iv, 2. 
Ascensusque sui portio sacra manet LXXX. i, 4. 
Lucia cum Lioba et Iuliana manent LXXX. in, 6. 
Pontifices clari hie Ferrutiusque manent LXXX. vi, 2. 
Quorum hodie est festum, sacra manent spolia hie LXXX. vi, 6. 



Caelestisque manet cuius generatio tota F xn, 24. 
Lux ubi pura manet, quo taetra süentia noctis F xvm, 5. 
Vestra manet palma iure immortalis in aethra F xix, 8. 
Cui manet altus amor, perfectio redditur omnis F xxn, 37. 
Castus amor maneat et sobria vota serenet F xxvii, 23. 

16. Ein ganz verzogener Liebling Rabans ist das 
Wort meritum; es wimmelt davon^ m den Gedichten, 
während es merkwürdigerweise imLiber s. crucis nur 
2 mal vorkommt: 

Sancte Dei praesul meritis in saecula vivens I. I, I. 

Tantum tu preeibus ipsum meritisque sacratis I. i, 37. 

Praeclarus meritis et pietate potens I. in, 4. 

Vitam, quam nequeo per propna merita I. iv, 12. 

Nomiaiß atque sui restituat meritum I. iv, 18. 

Magnis pro meritis tribuens caelestia nutu IV. u, 19. 

Sicque bene ipsorum meritis preeibusque iuvatus VI X 15. 

Dum iudex venias meritorum iura rependens IX, 43. 

Mercedem meritis reddat ut ipse tuis XI, 16. 

Antistes Domini meritis in saecula vivens XIII, 1. 

Tunc famulus sumet meritorum dona fideha XIII, 49. 

Ut eunetis reddat nam propria merita XIV» 16. 

Nullus te verbis vituperet merito XV, 20. 

Non nostri merito sed bonitate sua XVII, 4. 

Virtutum titulis augeat et meritis XVIII, 52. 

Est pius ille labor, merito cui non Takt alter XXI, 3. 

Presbyter aetate meritis et presbyter ahne XXII, 1. 

Liberet a poenis augeat et meritis XXIV, 14. 

Concedatque tui omonimi meritumque locumque XXVI, 5t 

Te virtute beet, augeat et meritis XXXII, 10. 

Ut crescat meritis, crescit ceu temporiß aevo XXXIV, 5. 

Reddeiet saevo merita XXXIX. 59, 5. 
Exornaat meritis Paneratiusque ptus XU. u, 2L 



— 87 — 

Kite iuvant preeibus atque bonis meritis XLL rv, 6* 
ßicque jriis meritis sancta Pudentiana XLL vi, 4. 
Virginei flores, meritis pukate tonantem XLL xiii, 7. 
Haue aram meritis semper vivaeibus ornant XLII. in, 3. 
Aequati et meritis regna superna tenent XLIII. i, 4. 
Propitium nobis te faciant meritis XLIII. in, 4. 
Aequales meritis atque saeris preeibus XLIII. iv, 10. 
Virgo Dei genetrix quam dicat et meritis XLV, 9. 
Nomine praeclarus ekrior et meritis XLVII, 12. 
Sanctis pro meritis collocat astris XL VIII. iv, 3. 
Hanc aulam et totam ipsa dicat meritis XLTX. i, 4. 
Officio insignes atque saeris meritis XLIX. u, 6. 
Hanc aram meritis rite colunt proprüs XLIX. vn, 2, 
Hoc altare tenet atque iuvat meritis L. in, 2. 
Valde iuvant preeibus atque piant meritis L. v, 2. 
Hos saeris meritis atque iuvent preeibus LV. iv, ft. 
Martinus praesul adiuvat et meritis LVIII, 2» 
Exomant meritis laudibus atque suis LIX, 4. 
Exornant meritis atque saeris preeibus LX, 10. 
Ornat, amat multum meritis conservat et almis LXXIV. n, 3. 
Cum preeibus saeris atque bonis meritis LXXIV. iv, 4. 
Hunc ornat meritis martyr Bonifacius almus LXXV, 7. 
Cum saneto Andrea rite iuvant meritis LXXVH. n, 2. 
Hunc titulum retinent ataue dicant meritis LXXVH. in, 4. 
Hie assint tecum nosque iuvent meritis LXXVH. vi, 4. 
Hie tecum gaudens aaiuvet et meritis LXXX. in, 4. 
Ornantes meritis atque saeris preeibus LXXX. vn, 2. 
Consecrant preeibus atque bonis meritis LXXX. vin, 2. 
Cum Petro socio consecrat et meritis LXXX. x, 2. 
Commendatque suis ipsa piis meritis LXXX. x, 6. 
Ambobu» meritis non minor isto fuit LXXXTV, 10. 
Ipsorum meritis caperet ut gaudia vitae LXXXIX, 9. 
In quo nee meritum vitae nee dogma repertum et XCVII, 13. 
Non merita aspiciens sed pietatis opus XCVII, 2(X 

* 
Dextra tunc meritis capiat bona munera dignis F xxu, 16. 
Esse bonis meritis psaÜendum cantica partos F xxu, 25. 

17. Weniger häufig, aber nicht weniger charakte- 
ristisch für Rabans poetische Schreibweise ist seine 
Vorliebe für die Partikel nempe. Sie kehrt lOmal in 
seinen Gedichten, ja sogar 12 mal im über s» crucis 
wieder: 

Nempe ego cum fueram custos humiüsque minister I. i, 3. 

Nempe locum et sacro dogmate plena micat III, t>. 

Carmina nempe tua dico meliora Maronis X, 3. 

Omnia nempe tua sapientia condita fuleit XII, 8. 

Nempe talenta sibi multiplicare data XIII, 44. 

Nempe beata bona est vivere rita Deo XXIII, 24. 



— 88 — 

Nee Boreas glacie stringere nempe valet XXVIII, 4. 
Quondam nempe meum gaudebam te esse sodalem XX VIII, 13. 
Tot versus scripsi, quot horas nempe diei XXXIII, 23. 
Omnia nempe mea poenarum milia qaotquot XXXVII, 65. 



Mandatam vetere nempe est et lege quibusque P, 17. 
Te beat orbs totus, ala inclita nempe polorum F in, 7. 
Nempe patris natum, verum, almum ac arce supernumF ix, 40. 
Nempe datorum mysterio Septem et pie panum F xv, 15. 
Nempe decet dudum Christus quia nascier illa F xv, 35. 
Omnia nempe cruci concordant tramite dictu F xix, 34. 
Legem nempe suam crucis ordine fecit amatam F xxi, 36. 
Nempe sacram faciem quos verus nuntiat auetus F xxn, 24. 
Omnia nempe Deum verum haec testantur ubique F xxin, 28. 
Nempe aliam in fine agnus cum corpore reddet F xxiv, 31. 
Nempe ego te cecini, crux, isto in carmine vivo F xxv, 5. 
Nempe amen in medio vitae signacula spondet F xxv, 15. 

18. Der Gebrauch der Interjektion o (oh) tritt 
auffallend nur in dem Liber de laudibus s. crucis zu 
Tage; aus den andern Gedichten sind nur zwei Stellen 
bemerkenswert: 

pater, o pastor, cui Christus dona superna XVIII« 7. 

quem te vocitem, ne controversia constet XIX, 3. 



Aeternum Dominum tacet, o auetor sanetus hie orbe est F j, 11. 
Salve, saneta salus, Christi o tu passio laeta F in, 1. 
vos agmen apostolicum, tu martyrum et ordo F v, 5. 
Angelicos populos, o singuli et undique fulgeant F ix, 28. 
tu crux speciosa, o pinus pulchrior omnia F xin, 26. 
Quae vincis nemora, o cedris altior ipsis F xm, 27. 
tu regem iusti, ecce, agnum da pie, Lucas F xv, 17. 
Alleluia sonat, quis o tarnen aula erit haud hae F xxn, 29. 
populi, turmae, plebs, agmina, turba, cohortes F xxiv, 33. 
Tu pia compleras haec o omnia, passio Christi F xxvi, 37. 

19. Ausgesprochen ist wieder Rabans Vorliebe für 
das Wort opus. Da wir aber nicht nötig haben 
werden, auf dies Wort zurückzugreifen, ist es nicht 
erforderlich die Belegstellen einzeln aufzuführen. Ich 
begnüge mich den Dichter auszuzählen; ich finde das 
Wort im ganzen 34 mal verwendet, 26 mal in den Ge- 
dichten, achtmal im opus de s. cruce. 

Das gleiche gilt, nur in viel höherem Maße von 
dem Worte orbis, das jedenfalls zunächst metrischen 
Gründen seine häufige Verwendung verdankt, da es 



— 89 — 

nicht wie terra oder mundus Positionslängen schafft, 
das aber dann augenscheinlich ein Gewohnheitsaus- 
druck wird. 

Tu caput ecclesiae es, primus patriarcha per orbem I. m, 3. 

Lux praeclara Dei, totum quae illuminat orbem III, 1. 

Omnia vertuntur mundi speciosa per orbem IV. m, 19. 

Qui graviter peccanß aeger in orbe dego IX, 6. 

Strinxi me voto, comple hoc pius arbiter orbis IX, 35. 

Sospes in orbe mane, sospes in ore mone X, 2. 

Nunc ruit orbis honor, deficit ipse simul XIII. 12. 

Quae Ventura Deus praedixit sanctus in orbem XIII, 23. 

Hoc opus antiqui patres fecere per orbem XIII, 39. 

Et virtutis honor lato celebratur in orbe XIII, 41. 

Hoc opus, hoc Studium magni est pastoris in orbe XIII, 43. 

Nunc durus tibi sit nullus in orbe labor XIII, 52 K 

Qui venturus erit Christus rex inclitus orbi XIV, 15. 

Mox fera de stipite miserum tibi subdidit orbem XVI, 15. 

Luceat, en, vestra lux ceu sol splendidus orbi XVII, 17. 

Christus, rex caeli, terrae rex, conditor orbis XVII, 47. 

Nunc ruit orbis honor, corruet ipse cito XVIII, 14. 

Quae Ventura Deus praedixit Christus in orbem XVIII, 15. 

Te Deus ex humili summum exaltavit in orbe XIX, 13. 

Lex pia cumque Dei latum dominans regit orbem XXI, 1. 

Eigil, te Christus salvet in orbe Deus XXII, 2. 

Quidquid ab arce Deus caeli direxit in orbem XXIII, 13. 

Nullus in orbe fuit, quem non consumpserit aetas XXVIII, 7. 

Multa quidem patitur sanctorum plebes m orbe XXXVII, 33. 

Et Ioseph quanta passus in orbe fuit XXXVII, 56. 

Quid memorem vetera, gaudet cum sancta per orbem XXXVII, 75. 

Quos huc diversis duxit ex partibus orbis XLVI, 7. 

Cum quibus hie pausant sumpti de partibus orbis XLVIII. in, 3. 

Claras in orbe soli martyr Bonifacius atque XLIX. v, 1. 

Qui Christi testis clarus in orbe fuit LXXVTI. iv, 6. 

Expansis manibus sie totum amplectitur orbem LXXX. xi, 1. 

Moxque urgente die raptus ab orbe fuit LXXX VII, 10. 

Tu memor esto mei, cum yivas sanus in orbe XCII, 17. 

Dona patris summi, quae largus reddidit orbi P, 3. 
Atque orbe dominans qui sancit solus et unus P, 15. 
Aeternum Dominum tacet, o auetor sanctus in orbe est F i, 11. 
Ipse tarnen ostensus ubique suo est opere orbi huic F i, 30. 
In terris cantus quos offert orbis, et exsul F n, 10. 
Te beat orbe totus ala inclita nempe polorum F in, 7. 
Monstrabas caeco, quae lümina reddidit orbi F in, 30. 
Proficere ac species fruetu pietatis in orbe F vi, 7. 
Quidquid in orbe meat, edacis quidquid ubique F vu, 6. 



1 Man beachte, daß das Wort hier in einem einzigen Gedichte 
sechsmal gebraucht ist. 



— 90 — 

Institute quidquid arce, quidquid manet orbe F vm, 6. 
Ora crucis comptet celsa, ibas barathrum, orbem ara F ix, 20. 
Quo hoc possent tetragoni quaerere partibus orbis F ix, 28. 
Quatenus exsilium specum mors aspera in orbem huc Fix, 35. 
Orbi, mundo, nam speciem totam ac pius hie est F xn, 18. 
Iure piagas orbis tamquam de nomine dietas F xn, 28. 
Hortus ditatua et par cui nullus in orbe est F xm, 3. 
Cuius in orbe sacra ex — fuerit nam — atiatio quando Fxiv, 6. 
Sed crucis ad vitam voto dedieaverit orbe huic F xiv, 36, 
Sit natus factuaque caro dominator in orbe F xv, 10. 
Promissus stirpe est salvator maximus orbi F xv, 36. 
Quaüter ipsa patris sapientia Christus in orbem F xti, 11. 
Propter amicorum pius arbiter orbis amorem F xvi, 24. 
Labitur orbis, ubi variabilis inditus ordo est F xvm, 8. 
Delens aratrum contra orbem tunc chirographum F xix, 4. 
Quod yitam signans in euneto expenditur orbe F xx, 7. 
En, orbis Domini, qui condit praemia in actu et F xx, 23. 
Ecce, crucis Christi, qua solvitur orbis ab ira F xxi, 2. 
Quot habet, en, linguas orbis et iura loquelae F xxi, 25. 
Nam octies ut novies variet os dicitur orbis F xxi, 28» 
Omnia namque orbis scelera consumpsit in ipso F xxi, 32. 
Dona quidem haec yeniens huc orbem lite iueunda F xxn, 9. 
Quando vir hie factus tanta bona reddidit orbi F xxn, 19. 
Quattuar ergo piagas laudat senarius orbis F xxin, 11. 
Ergo plagis orbis consignat ab omnibus est hie F xxiii, 23. 
Malachias cernit summum dominare per orbem F xxvi, 33. 
Quae Deus altus homo divinus detulit orbi F xxvn, 3. 
Princeps orbe sonat ex imo pectore Petrus F xxvn, 12. 
Tempestas stridet, cornu iam mugit in orbe F xxviu, 30. 

20. Ich übergehe den Gebrauch des Verbums 
ornare. In dem Opus s. crucis ist er weder häufig 
noch auffallig j in den andern Gedichten ist er auf- 
fällig nur in den Inskriptionen, in denen Verse wie: 

Hanc aedem sacram Michael archangelua ornat LXXV, 1. 
sich häufen. 

Nicht zu übergehen ist aber das charakteristischere 
ovare; kommt es auch am häufigsten in den In- 
schriften vor, so fehlt es doch auch in den andern 
Gedichten nicht: 

Scripturam et sacram rite pararet ovans I. i, 12. 
Sed quia hie claustra superavit carnis ovando I. v, 9. 
In Domino sperans euneta subegit ovans VI. m, 6. 
Sermo decorus ovet, servetur regula dictis X, 13. 
Cui domus et patria Norica tellus ovat XI, 6. 
Astra petivit ovans vatis quondam aurea curru XVI, 89. 
Exsistunt bello, pax perit, hostis ovat XVIII, 18. 
über ovas semper lucis in arce manens XVIII, 48. 



— 91 



Maximimifi praesul atque Medardus ovat XU. vn, 4» 

Silenus martyr et Timotheus ovat XU. vm, 6. 

Hie monachua Mamma», hie ovat et Simeon XLII. i, 10. 

Rex Sigismundus ovat Geseniusque simul XLII. n, 2. 

Hie ovat et preeibus, adiuvat ipse pios XLIII. i, 6. 

Cum almo Wigberto hie ovat et socio XLIII. iv, 8. 

Hos servus Christi Hraban suseepit ovando XLV, 3. 

Quos rex Christus ovans arce superna XLVIIL iv, 2. 

Cum quibus et saneta Praxis ovat atque Basilla XLIX. h, 5. 

Cum quibus Equitius ovat atque Antonius abbas XLIX. vn, 3. 

Cumque VaLentino Rusticus astat ovans LX, 6. 

Cum quibus hie gaudens Martinus praesul ovando LX, II« 

Crux ovat, orbis honor, Christi vietoria clara LXIX, 1. 

Sanctus Calhstus et Fabianus ovant LXXIV. iv, 2. 

Sanctus Alexander atque Calüstua ovant LXXVH. n, 4. 

Hie ovat et Zenon, Vincentius, ambo mimstri LXXVH. in, 5. 

Hie Isidoms ovat praesul Theodulus et almus LXXVH. iv, 5. 

Ambrosios doctor atque Medardus ovant LXXVH. vm, 4 

Sciptor evangelii atque Iohannes ovat LXXVH. ix, 2. 

Hie ovat Agapitus martvr Feficissimus atque LXXVTII. m, 3. 

Astat Martinus et Benedictus ovans LXXVIIL iv, 6. 

Cum Marcellino hie ovat atque Petro LXXIX. i, 8. 

Confessorque simul rite Philippus ovant LXXX. i, 10. 

Sanguine qui fuso saecla beavrt ovans LXXX. iv, 2. 

Hie Benedictus ovat, hie papa Gregorius astat LXXX. iv, 7. 

Scriptor evangelii atque Iohannes ovat LXXX. v, 4. 

Cum quo sanctus ovat spoliaque Mc alma recondit LXXX. vm, 7. 

Praesulis officium rite peregit ovans LXXXVII, 8. 



Horrida bella draconis ovans cum mflibus almis F in, 15. 
Prendamus laeti hinc rerum et resonemus ovant es F ix, 38. 
Vectorum votis et ovantibus omnia laudant F xi, 28. 
Crux ovat orbis honor, crux est erectio mundi F xyiii, 36. 
Omnes ergo crucem pariter laudemus ovant es F xix, 35. 
Cum apparebit ovans servorum hinc et rapit almi F xxh, 32. 
In pratis depascit, ovat, quem rite sequentes F xxiv, 27. 

21. Auch für die Partikel pariter besteht bei 
Raban eine augenscheinliche Vorliebe, wie die folgen- 
den Belegstellen ausweisen: 

Gaudentes pariter iungat in arce poli VI, 24. 

Cum sanetis pariter regna tenendo poli XVIII, 44. 

Me tecum pariter; duleis amice, vale XXII, 14. 

Ulius ac pariter et decus et species XXIII, 22. 

Gaudentes pariter iungat in arce poli XXV, 16. 

Hie salvatoris pariter genetricis et huius XLI. in, 5. 

Hie Clemens martvr pariter cum martyre Ldno XLI. iv, 1. 

Marius et Martha pariter cum pignore bino XLI. xiv, 5. 

Privatue martvr pariter et Abundius ipse XLII. i, 7. 



— 92 — 

Viigo sacra hie Digna pariter etEmerita fulgent XLIII. iv, 9. 
Coetus apostolicus pariter cum plebe fideli XLIV. i, 4. 
Hocque colunt pariter agmina et angelica XLIV. vn, 2. 
Omnes hie pariter aulam hanc satte ossibus ornant XLV, 13. 
Qui tum expresserunt, ecce, colunt pariter XL VI, 4. 
Borna, decus orbis, miserat huc pariter XLIX. n, 2. 
Obtinet altare cum soeiis pariter XLIX. v, 2. 
Doctoris Pauli relliauias pariter XLIX. vi, 4. 
Martyrio insignes hie habitant pariter XLIX. vm, 4, 
Coetus apostolicus pariter cum principe Petro LXVII, 1. 
Princeps et Petrus pariter martyrque Emerammus LXXII, 6. 
Qui in caelis gaudes cum soeiis pariter LXXIII, 6. 
Gordianus pariter atque Epimachus amant LXXVTI. iv, 7. 
Agapitus pariter et Felicissimus almus LXXVIII. in, 3. 
Astantes orant cum soeiis pariter LXXIX. i, 6. 
Virgineusque chorus pariter laetetur et almus LXXX, in, 3. 
Hie Agnes virgo pariter et martyr Agatha LXXX. vi, 3. 
Quos pariter Christus caelestem duxit ad arcem LXXX. x, 3. 



Inde decet pariter ora hymnizantia laudes F vu, 28. 
Vos ratio consors pariter direxit ad odas F vu, 31. 
Signum huius pariter nomen delevit et Uli F xr, 26. 
Omnes ergo crucem pariter laudemus ovantes F xix, 35. 
Infans atque anus pariter iuvenesque senesque F xxiv, 23. 

22. Zu den von Raban am häufigsten gebrauchten, 
um nicht zu sagen mißbrauchten Wörtern gehört ge- 
wiß das Adjektiv pius und das Adverb pie. Der 
Gebrauch desselben wird höchstens von den Wörtern 
rite oder arx erreicht werden: 

Causam, quam ferimus, suseipe mente pia I. i, 2. 

Eripe sanete piis monitis preeibusque sacratis I. in, 15. 

Delicti veniam det pius ipse suo I. vi, 14. 

Ex quo salvator venit in arva pius II. i, 8. 

Quatenus ipse pius concedat dona salutis II. n, 25. 

Et patris aeterni prodiit ore pio III, 2. 

In fibrös regum suseipe mente pia III, 14. 

Indita quae tribuunt dona superna piis III, 24. 

Strinxi me voto, comple hoc, pius arbiter orbis IX, 35. 

Tu devota piis connectis vineula verbis X, 9. 

Christus in arce Deus, rector in orbe pius X, 18. 

Fac me, summe pius, toto te corde fateri XII, 10. 

Qua pius et iustus rex Deus adveniet XIII, 28. 

Eripe, sanete, piis monitis preeibusque sacratis XIII, 29. 

Sed miserante pio mitis erit Dominus XIII, 54. 

Sit pius et prudens populorum doctor ubique XIII, 59. 

Omnibus sis aequus rector ubique pius XIV, 26. 

Carpitur igne sacro munus votumque piorum XVI, 65. 

Hie homo, qui Deus est, spes dudum optata piorum XVI, 105. 



— 93 — 

Spes in fine piis hie homo, qui Deus est XVI; 106. 

Qua pius ac iustus rex Deus adveniet XVIII, 22. 

Multiplica ergo pio pereepta talenta labore XIX, 29. 

Ad te clamantum rector ubique pius XX, 4. 

Lex pia cumque Dei latum dommans regit orbem XXI. 1. 

Est pius ille labor, merito cui non valet alter XXI, 3. 

Scripturae sanetae per pia verba viris XXIII, 14. 

Dignum est, ut mentem provocet ipse piam XXVIII, 6. 

Et nostris studiis tuque faveto pius XXXII, 2. 

Me miserum salvet ut pius ipse sator XXXV, 6. 

Qualia perpessus sit pius ipse ab eis XXXVII, 52. 

Dux pius ille quidem qui totam stravit Aegyp tum XXXVII, 57. 

Gantantes Dominum, qui pius et bonus est XXXVII, 84. 

Nam scriptura pia norma est perfecta salutis XXXVIII, 7. 

Dum pius mundi machinam XXXTX. 20, 1. 
Assistunt votas atque piis preeibus XLI. i, 4. 
Exornant meritiß Pancratiusque pius XLI. u, 2. 
Sicque piis meritis saneta Pudentiana XU. vi, 4. 
Tu quoque, Ghristophore, nostris pie mentibus assisXLJI. n, 3. 
Ossa simul memorans et pia facta colit XLIV. n, 2. 
Huc venere simul doctor uteraue pius XLV, 10. 
Sanctus Maximinus pastor et ipse pius XLIX. vu, 4. 
Cum Golumbano vota pia aeeipiant L. vi, 4. 
Quae vobis Christus, rex pius, ipse dabit LI, 4. 
In quo tunc euneta tu pia vota vide LIII, 8. 
O Deus altithrone, semper adesto pius LIII, 10. 
Felix, Urbanus Mauritiusque pius LIII, 30. 
Ex Borna est missus rector ubique pius LVT, 6. 
Hanc pius, ecce, domum salvator consecrat orbis LIX, 1. 
Christe, pius dominus, visum cor dirige dextra LXII, 9. 
Condigna laude semper amate piam LXIV, 4. 
Quae salvatoris pollet honore pio LXXII, 2. 
Pontifices vota hie pia suscipiunt LXXVII. u, 6. 
Sanctus Nazarius martyr et ipse pius LXXVII. vu, 6. 
Caesarioque simul vota pia aeeipiunt LXXVII. ix, 10. 
Vota pia aeeipiunt atque Deo referunt LXXVIIL iv, 8. 
Et Christi Domini munera valde pia LXXIX. n, 2. 
Assistunt votis atque piis preeibus LXXX. vi, 4. 
Assistit preeibus rite iuvanao piis LXXX. ix, 4. 
Commendatque suis ipsa piis meritis LXXX. x, 6. 
Aeternam huic requiem da super astra pius LXXXV, 14. 
Aeternam in caelis da pius mc requiem LXXXVI. n, 6. 
Hlotharii, magni prineipis atque pii XCI, 2. 

En, pia crux Domini, deeantans quis pie, Musa F n, 25. 
Nomine tu asperior, maior virtute piis hoc F n, 33. 
In cruce sacra pia complevit euneta creator F in, 24. 
Dispensasque tuis sanetis pia dona salutis F vi, 3. 
Namque quadriga piis bene comibus apta quaternis F vi, 4. 
Quae, crux alma, piis iusta das laude probanda F vi, 10. 



— 94 — 

Ad pia consüia, meutern aalert fronde voratam F vi, 15. 
Hinc moneo ut cautus, totos pia scriptaque agamue F ix, 34. 
Tu pius et Clemens sensum aans verpaque casta F xi, 3. 
Botrum hunc vecte pium remota vexit uteruue F xi, 27. 
Orbi, mundo nam speciem totam acpiushicisF xh, 18. 
Quos pia corde Mas, operis quos infuk vestit F xiv, 29. 
Qui pius omnipotens vifeun dedit ante salubrem F xiv, 32. 
Semper cum patre qui pio erat vitaque salusque F xv, 9. 
Altithroni donum carae et pia pactio sponsae F xvi, 6. 
Propter amicorum pius arbiter orbis amorem F xvi, 28. 
Digna, bona atque pia Christi affeceras quia membra F xvit, 3. 
Bedeute iure piis beat olim et stemmte dignos F xvn, 7. 
Nam bona, quae in terram pius arbiter ore sereno F xvn, 8. 
Discipulis tnouens pactum, pia foedera iuris F xvti, 11. 
Virtutum titulis Dominus pia pandere dieta F xvn, 13. 
Fac et iustitiam hoste pio, algida serva F xvn ; 18. 
Bina quater posita, en, re^ii pia formula pandit F xvn, 32". 
Beddere dextra pia trepido, hie alma quietk F xix, 18. 
Christus amor, votum, mihi qui pia munera dat haec F xxn, 1 . 
Nunc pia euneta pius opera benedixit amator F xxrn, 10. 
Dat super astra piis dimittens debita vultu F xxin, 13. 
Indexe consignans lesus pia praemia scis tu F xxnr, 19. 
Ad crucis auxilium pia numina poscere Iesu F xxin, 25. 
Laus pia perpetua sanetorum in luce superna F xxv, 1. 
Attactum sine voce pium Hgnoque eibandum F xxvi, 15. 
Tu pia compleras haec o omnia, passio Christi F xxvi, 37. 
Kite novi testamenti et pia munera pandit F xxvn, 2. 
Taliter, en, laudes fatu pius optime dicens F xxvn, 13. 
Sic dos mente pia socio patiamur amore F xxvin, 25. 

Dem Adverbium begegnen wir an den nachfolgen- 
den Stellen: 

Patronus mitis aeeipe, quaeso, pie I. i, 24. 

Vobiscum patiens nunc pie partieipo II. n, 22. 

Vos quoque sal terrae, hoc memorare pie XVII, 16. 

Sic monet ergo pie resonans: Ulciscere pac tum XVII, 23. 

Et Christi pactum firmet ubique pie XV11. 26. 

Nam supenntendens pie episcopus ipse vocaris XVII, 31. 

Pro tibi devotis semper ubique pie XVII, 38. 

Per missae officium te memorando pie XXXIV, 30. 

Et pie flectenda est preeibus dementia nostris XXXVII, 87. 

Quos pie suseipiens continet iste locus XL VI, 10. 

Cum qua sanetorum turba hie pie nobilis astat XLIX. t, 5. 

Qui Christo reddunt debita vota pie LXI, 6. 

Hie patrum spolia nostra pie viscera condunt LXVI. n, 2. 

Martyris hie almi pie condita membra quieseunt LXVI. üf, 1. 



1 Es ist interessant zu sehen, daß das Wort hier in einem 
Gedichte siebenmal vorkommt. 



— 96 — 

Sint sua facta pie Mc cuotaqae bae rapiat P, 38. 
Fundamentum, ovis, ac reddens pie vota saoerdos F i, 39. 
Compulerant vivam imperiis aulam pie regi F v, 26. 
Omas qui totum arce crucis Dominus pie mundum F vi, 2. 
Omnia crux tränst et sano pie iure Coronet F vir, 15. 
In quinis sensus summis des, quod pie cunctos F x, 36. 
Yitae serpen&em exaltasti et tu pie Christum F xi, 34. 
Cum adveait Iesus Adam pie in arva secundus F xh, 8. 
Designant xxlis arte, en, decet ut pie cuncta F xn, 31. 
Cum totam pie magnus vestit honorque decorque F xra, 6. 
Aeterno es radio, «taut in te nam pie vinctae F xiii, 12. 
Is tulerit, dabat iisse beate, cum pie venit F xin, 30. 
Imperium inque hümeris tanto sit quod pie regi F xiii, 35. 
Nempe datorum mysterio Septem et pie panum F xv, 15. 
O tu regem iusti, ecce, agnum da pie, Lucas F xy, 17. 
Progenitum esse hominem, signavit quem pi« votum F xv, 30. 
Nam pars summa erecta Dei pie mandat amorem F xvi, 22. 
Quo alta poli hine pie posse benignos panderet ire F xvn, 37. 
Ecclesia rabido pi« fort contraria täa hk F xvm, 16. 
Hincque novem pie reliiquias in luce beatum F xxi, 29. 
Hortatur miserans, spondet pie conditor aroem F xxii, 5. 
Iesum per typtcum pie verum peallit Iesum F xxvii, 26. 
Passio sancta pie Iesu per saecula Christi F xxvii, 35. 
Ut me tu pie suscipias, bone Christe, per aram F xxvni, 21. 

23. Obgleich er sich in bescheidenen Grenzen 
hält, ist doch der Gebrauch nicht zu übersehen, den 
Raban von den beiden verwandten Eigenschaftswörtern 
placidus und placitns macht. Wir begegnen dem 
ersteren: 

Commutans lacernm iam facito placidum IX, 32. 

Decantans placide pectora anrica notans X, 10, 

Sis rector placidus mansuetis, iustus ubique XIV, 7. 

Actus det placidos spemque fidemque bonam Uli, 52. 

Et clemens placide iure superna dabit IÄV, 8. 

Stare choro et placidis caelestia peallere verbfe LXI, 10. 

Qui vobis placidum vultis habere Deum LXXX vi, 10. 

Felle carens animo, placidus, dulcedine pastus LXXXVII, 7. 



Et placidae vultn seu saeva mente voiucres F vn, 20. 
Devota et placida, mansueta, quieta, redempta F xxi, 24. 

das Wort placitus finden wir an folgenden zehn 
Stellen verwendet: 

Accipe reginae valde Deo placitae IV. in, 2. 

Victima Äc placita est araque ille ipse sacerdos XVH, 57. 

Et cuoctis placitum ipsa satisfaciet XVIII, 42. 

Tu meus es placitus, plaoes super aethera Christo XXIX, 1. 

Insignesque viri martyrio placiti LXXX, iv, 4. 



— 96 



Nempe tenent sancti mattyrio placiti LXXX. vi, 8. 
Nee pastoris opus iure bene placitum XCVII, 14. 



Cuncta simul placite depromis singula voto F vi, 11. 

Magniflce et placite iusto tibi iure favere F x, 37. 

Es placita superis, crux, huic es navita mundo F xxvi, 19. 

24. Wir kommen zu einem anderen Worte, das 
sich Raban wieder und wieder in die Feder drängt. 
Wie die Erde ihm meist der Erdkreis, orbis, ist, so 
der Himmel durchgehends der Pol, polus. Beleg- 
stellen: 

Ut cum fine bono hinc scandat ad alta poli I. vi, 16. 

Vobiscum mihimet regna beata poli II. H, 26. 

Illic quo teneas regna beata poli IV. in, 12. 

Gaudentes pariter iungat in arce poli VI, 24. 

Limina pande poli, Paschalis ut intret in aulam VII, 7. 

Missus sed lucis ducat ad astra poli IX, 42. 

Ardua poscenti des quoque regna poli IX, 50. 

Tu humilis scande regna superna poli XIII, 36. 

Proelia post terrae regnat in arce poli XIII, 72. 

Et post haec scandas regna superna poli XVII, 44. 

Cui bona hie opto laeta et in arce poli XVIII, 6. 

Cum sanetis pariter regna tenendo poli XVEII, 44. 

Cum Domino et sanetis semper in arce poli XVEII, 54. 

Cum Christo et sanetis perpes in arce poli XIX, 42. 

Gaudentes secum semper in arce poli XXII, 10. 

Gaudentes pariter iungat in arce poli XXV, 16. 

Vim aula poli patitur violenti et sidera prendunt XXXIV, 19. 

Polum et siecum fecerat XXXIX. 20, 3. 
Et varium non sit, quod tegjit arce polus XXXVII, 6. 
Verbera post reddens praemia laeta polo XXXVII, 42. 
Tu nobis pandas regna poli preeibus XLI. vi, 6. 
Tu preeibus nobis limina pande poli LIII, 20. 
Christina, Brigida turmaque casta poli LIII, 46. 
Cum Christo sursum semper in arce poli LIII, 60. 
Aeternam vitam et regna superna poli LXX, 12. 
Gratia quod Christi salvet eum arce poli LXXIII, 8. 
Cumque tuis sanetis praemia redde poli his LXXXIII, 12. 
Iüsiusque animae regna poli tribuat LXXXV, 12. 
Linquens regna soli penetravit regna polorum LXXXIX, 17. 
Et veram requiem semper in arce poli XCVTI, 24. 

* 
Regna regenda poli crueifbd nudus et ardor F n, 3. 
Alta poli pandas, consignes numen et isthic F ji, 16. 
Te beat orbs totus, ala inclita nempe polorum F in, 7. 
Christicolae, quis aula poli terraque sata fit F vn, 21. 
Votaque declament grates, en, vestra polorum F vn, 29. 



— 97 — 

Ipsaque sancta poli attas gatufia ftlrflqtra tefraö V Vttt, äft. 
Haecqtte decns mtmdf est. Sem regit astra poli hinc F ix, &2. 
Te, pater ahne, poli doctoreffl carmine in isto ? xi, 1. 
Hie domimiö mundi, terrae jpontlqtie polique F xn, 25. 
Evum solem verbum hatteft in arce polorum hoc F xv, 5. 
Quis dedera« qtlöniam speetatio longa pölorum F xvn, Ö. 
Sancta bonos bene dona pol um scandendo toereri F xvn, 33. 
Quo alta poli Irinc pie posse benignos panderet ire F Xvn, 37. 
Gloria, stemma, thronus quis additur arce polorum F xvn, 39. 
Iam posse impetrare poli seeptra altaque regna F xxn, 6. 
Ut Deus arce polf et iustus cum advenerat isthuc F xxif, 14. 
Quae vertigo poli tornat, quae condit Olympus F xxm, 30. 
Sidera celsa poli nee sat valet uüus honori F xxv, 9. 

All diesen Stellen finden wir das Wort pohis 
ohne Verbindung fünfaial gebraucht, verbunden mit 
arx dreizehnmal, mit regna zwölfmal, mit alta drei- 
mal, mit aula, Ivmina, praemia je zwei-, je einmal 
mit astra, ala, gatuiiOf seeptra, eelsa, vertigo. 

25. Ähnlich ausgedehnt ist der Gebrauch des 
Wortes preces bei Kaban. Da aber* das Wort am 
häufigsten in den Inschriften wiederkehrt, fast gar 
nicht in dem Liber de laudibus sanetae crucis und 
nur einmal in den Hymnen, so genügt es vielleicht 
hier anzumerken, daß ich dasselbe in den vermischten 
Gedichten 67 mal gezählt habe. Häufig tritt das Wort 
in Verbindung mit metita, seltener mit monita y öfter 
mit vota-, von Verben am häufigsten mit iüvare (adiu- 
vare), 21 mal; mit astare (assistere) 15 mal; mit cont- 
mendare neunmal, mit fundere und ornare je sechsmal, 
mit adesse viermal, mit offerre und suseipere je drei- 
mal, mit favere, fovere, agere, exornare, poscere, je 
zweimal, je einmal mit insistere, pereipere, salvare, 
tuere, prodesse, consecrare. 

26. Das Wort satis kommt zwar in der Weise, 
in der es Raban gebraucht, teils als Steigerung bei 
einem Adjektiv, satis venerandus, teils mit einem 
Zeitworte, satis placere, ja selbst mit einem Adverb, 
sat rite, auch bei andern Schriftstellern, älteren und 
späteren (vgl. Anal. Hymn. VII, 15), vor. Dennoch 
trägt es zur Charakteristik seiner Schreibweise das 
Seinige bei, und so mag es sieb lohnen seiner Ver- 
wertung nachzugehen. 

Dreves, Fortanatni- und R&ban-Studien. H 



— 98 — 



Ecclesiae sensu enucleata satis III, 24- 

Sat dives est famulus, quique habet Dominum XIV, 12. 

Adiuveritque satis, cum sua vota petant XX XVII, 36. 

Credimus ergo satis placatum te affore nobis XLIII. in, 7. 

Omnes hi pariter aulam hanc satis ossibus ornant XLV, 13. 

Igsi aderunt parti sat precibus populi LXXVI, 4. 

Hie Christi ascensus pars veneranda satis LXXIX. i, 4. 

Per quem et confecit multa satis opera LXXXV, 8. 



Omnibus apta bonis, stirps veneranda satis P, 6. 
Hie haec labbara dant signo rite et satis ora F iv, 25. 
Hoc candore satis micuerunt arma prophetae F vni, 18. 
Nam Iudaea fremens satis extulit arbore pomum et F ix, 27. 
Orat et exodus hoc, iura satis et numerorum F xi, 16. 
Eite valet, crux, dona tua, cui non satis omnis F xi, 31. 
Ops et nunc valet hie atque hoc satis interna cum F xvii, 23. 
Quos satis ipse opere sacro et tutamine nobis F xxiii, 36. 
ßidera celsa poli nee sat valet ullus honori F xxv, 9. 
Te propter Christi spondet sat rite valere F xxvn, 32. 

27. Sehr häufig kommt bei Raban das Wort spolia 
vor in der Bedeutung von reliquiae, lipsana sanetorum. 
Da sich aber das Wort nur in den Inschriften findet, 
ohne sich in andern Gedichten zu wiederholen, und 
da es uns folglich für unseren Zweck keine Förderung 
bietet, mag es genügen auf dasselbe hingewiesen zu 
haben. 

Dagegen ist für Raban wieder charakteristisch 
sein häufiger Gebrauch von tenere und retinere 
im Sinne von haben oder besitzen: 

Cum Christo in caelis regna beata tenens I. in, 18. 

Tu modo suseipias, teneas et rite fruaris I. v, 11. 

In qua principium r et in et historia regum III, 5. 

Quod praenotatum pagina scripta tenet III, 18. 

Begna tenens humüis maneas, et plurima servat IV. n, 8. 

Nempe tenent saneti martyrio et placiti VI, 8. 

Cordula quem genuit, Africa quem tenuit X, 6. 

Caelestis quorum nomina carta tenet XIII, 42. 

Ut vivas laetus regna beata tenens XIV, 18. 

Semper amato, pater, firmiter atque tene XVIII, 40. 

Cum Christo et sanetis regna beata tenens XIX, 46. 

Servi quidquid habent, dominorum iure tenetur XX, 11. 

Sic, ego quae scripsi, omnia iure tenes XX, 12. 

Cum scio, quod semper pectora amica tenes XXII, 6. 

Te unum prae multis corde tenere volo XXII, 8. 

Quos sub clave tenes, frater amate, tuo XXIII, 12. 

Delectent, habeant, possideant, teneant XXIII, 18. 

Vivas cum sanetis regna beata tenens XXXI, 4. 



— 99 — 

Qui infima cum superis cuncta tenendo regis XXXIV, 2. 

Com sanctis post haec regna beata tenens XXXV, 10. 

Iussa quoque ostendun t Domino nos lege teneri XXX VHI, 29. 

Nulla vestra tristitia | Teneat nunc praecordia XXXIX. 72, 2. 

Principis et Petri sacra tenet spolia XII. x, 4. 

Hoc altare tenet Thimotheuß, apostolus almus XLI. xiv, 1. 

Hoc altare tenens Bonifacius ipse sacerdos XUII. i, 1* 

Aequati et meritis regna superna tenent XLIII. i, 4. 

Quos aula caeli possidet atque tenet XLIV. iv, 2. 

Virgo Dei genetrix, hanc aram rite teneto XLIV. vi, 1. 

Hi pompam mundi spernentes rite tenebunt XL VII, 7. 

Baptistae et sacri spolia tenet ara sacrata XLIX. vi. 3. 

Hoc altare tenet atque iuvat meritis L. in, 2. 

Hanc cryptam inhabitant et titulum retinent L. vi, 2. 

Cum Antonio et Paulo regna beata tenens LIII, 40. 

Pontifices isti hanc sedem rite tenebant LVI, 1. 

Hoc altare tenens ecclesiam dedicat LXVH, 2. 

Atque anima sursum regna beata tenet LXVlll, 10. 

Et Michael princeps recte tenent latent LXXII, 10. 

Cuius haec ara pignora sacra tenet LXXTV. i, 2. 

Hoc altare tene atque iuvato prece LXXIV. in, 2. 

Vitus et Albanus hunc titulum retinent LXXV, 6. 

ßancti evangelii haec loca sacra tenent LXXV, 10. 

Cuius reüiquias ara dicata tenet LXXVII. i, 2. 

Hoc altare tenet Stephanus Lauren tius atque LXXVII. in, 1. 

Hunc titulum retinent atque dicant meritis LXXVII. m, 4. 

Pontifices clari hunc titulum retinent LXXVII. iv, 2. 

Hoc altare tenet Gervasius atque Protasius LXXVII. vn, 1. 

Sacra locant spolia atque aram retinent LXXVHI. n, 2. 

Cum nato hanc aulam conti net at^ue dicat LXXX. v, 2. 

Nempe tenent sancti martyrio placiti LXXX, vi, 8. 

En, altare tenet hoc Marcellinus honeste LXXX. x, 1. 

Ecce, locum insignem retinet hunc martyr Agatha LXXX. x, 5. 

Quid locus hie habeat quidque tenens moneat LXXXV, 2. 

Cum Christo et sanctis gaudia vera tenens LXXXIX, 18. 

Atque ibi cum Christo gaudia vera tenet XC, 12. 



Laetitiam regni teneas quod lumine lumen F u, 15. 
Cuncta tenere modum sub magno numine Iesu F vn, 5. 
Annus adhaneque diemversum tenet omnis et ordo hie F ix, 12. 
Arbor sola tenens varios virtute colores F xin, 10. 
Ast decies duodena tenet hie Lamda character 1 F xx, 11. 
Qui super astra locum sedesque tenetis in arce F xxiv, 34. 
Quae promisisti, hoc teneo pietate fideque F xxvin, 40. 



1 Migne 107 col. 227 druckt den Gallimathias „hie lauda 
character**. Noch befremdlicher ist, daß auch die Ausgabe von 
A. Henze p. XL VII denselben Unsinn wiederholt 

7* 



— 100 — 

28. Das höchste Wesen als „Donnerer", tonans 
zu bezeichnen ist eine ans dem klassischen Aitertume 
übernommene^ wohl allen Poeten der karolingischen 
Renaissance geläufige Reminiszenz. Dennoch ist es 
nicht ganz ohne Interesse, das Auftreten des Donnerers 
bei Raban zu verfolgen. 

Sed Bpes finna manet bonitaa ei magna tonantis I. I» 33« 
Haec ego peecator Hrahanua dona tonantis IL n, 21. 
Buppiex voe posco testans per sceptra tonantis II, n, 23. 
Quo te perdueat vaiestaa cel» tonantis IV. m, 33. 
Bis memor ataue mei, testor per sceptra tonantis XIX, 43. 
Instantes precibus sunoa in laude tonantis XXIV, 11. 
Hoc tu, virgo Dei genetrix intacta tonantis XXXIV» 7» 

. . . supplex te tonantis XXXIV» 3k 

. . te . . posee tonanteaa XXXV» & 

Virginei floree, meritis pulsate ton an tarn XLI. xni» 7. 
Quisquis dona velit rite ixnpetrare tonantis LV* m» 1„ 
Virgo Maria» Dei geaetrix intacta tonaatia LX» 13. 
Qui populum iuvent precibus placentque tonan tan LXXVH. 1, 7. 
Virgo Maria, Dei senetrU intacta tonantis LXXX. v, 1« 
Hanc, rogo % tu* ieetor, coraroeada rite tonanti LXXXIX» 19k. 
* * 

Summi&it patris et dextera vera tonantis F xn» 3£k 

Hoc tum nte ptacet» si implemus iuasa tonantia F xxvy 2& 

Wie man sieht, ist der Wohnätz des „Donnerers" 
ausnahmslos der Schluß des Hexameters^ in den er 
sich metrisch so bequem schickt. 

29. Als letztes bevorzugtes Wort de» Dichters 
Raban muß ieh noch das Wort vota beifugen. Er 
gebraucht es: 

Servire studeaa Christo et suecunere Totig IV. n, 1(L 
Carpitur igne sacro munus votumque piorum XVI, 65. 
Nam precibus Christum pulsamus perpete voto XVII, 39. 
Est animus promptus, sunt sensus, accipe votum XXVIII, 1. 

Da vota eordia optima XXaIX. 2, 3. 
Adiungit vota atque faret precibus XLI. xni, 6. 
Suscipumt vota atqn» Deo referuat XLII. i, 8. 
Cum quibvss hie semper votia assiste preeamur XLII. I, II. 
Assistat votis- nos mvet et precibus XLIII. m, 2. 
Suacipiena yota atque Deo- referet XLIX. i, 6. 
Ut studeaa Yetis rite plaeare Deum L. n, 4. 
Cum Columbano vota pia aeeipiant L. vi, 4. 
Excipiunt vota hie atque Deo referunt LI, 11. 
Asajtetit votis saneta» et Hilarfc» LX, 11. 
Pontiac*» vota hie pia suscipiunt LXXVIK n, & 
Hie astent votia Bngida et Eugenki LXXVIL v, 6. 



— 101 — 

Caaflftrioyie simul vota pia accfpiunt LXXVIL ix* 10. 

Vota pia accipiunt atque Deo referunt LXXVIII. iv, 8. 
Hie quictunque Telia grata persolvere vota LXXIX. i, 11. 
Assistun t votis atque piis preeibus LXXX. Vi, 4. 
Ateis propitius cervorum atque anaitte votis LXXXIII, 3. 

* * 

Sed mihi larga Dei bonitas spes maxima Toti P, 12. 
Fundamen tum ovis ac reddens pia vota sacerdos F I, 39. 
Victae maiestate super sua vota ferunt te F n, 32. 
Sacratum atque decus arae firmant ouoque voto F iv, 9. 
Cuncta ämul placitö depromis singula voto F vi, 11. 
Concelebrant ut victori sie Vota superno F vn, 3. 
Votaque declament grates, en. vestra polorum F vn, 29. 
Iam sorte capiunt et votis valde requirunt F vn, 33. 
Corda bene nominum Vota quo lumine glkcunt F vtii, 21. 
Os, digitd, plectrum, vota, cor, lingua, loquela F x, 6. 
Ius demonstrandum vota ritusque perennes F XI, 6. 
Vectorum votis et ovantibus omnia laudant F xi, 28» 
Ambit verus honor, laetus loquitur ea voto F xiii, 7. 
Compescit vota iam arridens vinxit aperte F xm, 25. 
Sed crucis ad vi tarn voto dedieaverat orbi huio F XIV, 36. 
Progenitum esse hominum signavit quem pie Votum F XV, 30. 
Solvamus vota hinc orucifixo et debita regi F xix, 36. 
Christus amor votum, mihi qui pia munera det haec F xxn, 1. 
Versibus exoptans cantando et reddere vota F xxv, 6. 
Temptavique ideo hie ex caelis mystica voto F xxv, 11. 
Quod cantant iusti, cantabunt perpete voto et F xxv, 27» 
Per te, crux saera, voto veneranda frequenti F xxvu, 23. 

§2. 

Wir haben bisher in Rabatis Dichtungen nitf diu" 
zelne Worte beobachtet, welche in der Regel unsere 
Aufmerksamkeit nur dadurch erregten, daß sie ihm 
über Gebühr oft in die Feder kommen. Er Hebt aber 
auch eine Anzahl von Wortverbindungen des öftern 
zu wiederholen. 

1. So findet sich z. B. die Umschreibung scrijjtor 
evangelii statt des gewöhnlichen evangelista in seinen 
Inscriptiones 7 mal: 

Scriptor evangelii Marcus cum compare Luca XLIX. vi, 5. 

Scriptor evangelii Marcus Bonifacius atque LVIII, 3. 

Scriptor evangelii dilectus rite Johannes LX. 1. 

Scriptor evangelii Marcus Bonifacius atque LXXVIL I, 7. 

Scriptor evangelii atque Johannes ovat LXXVIL ix, 2. 

Scriptor evangelii Marcus Bonifacius atque LXXVIII. I, 3. 

Scriptor evangelii atque Johannes ovat LXXX. v, 4* 



— 102 — 

2. Während Petrus fast immer mit dem schmücken- 
den Beiworte princeps in Rabans Gedichten auftritt 
oder auch als princeps apostolicus, z.B. 

Priucipi apostolico Petro coniunctus in aevurn I. in, 19. 
Principi apostolico munera missa Petro I. iv, 8, 

erscheint Paulus immer mit dem stehenden Epitheton 
magister: 

Culmen apostolicum Petrus Paulusque magister XLIX. vm, 1. 
Claviger aethereus Petrus Paulusque magister Uli, 21. 
Principe cum Petro hanc aram Pauloque magis tro LXXIV. u,l. 
Hoc altare Petrus princeps Paulusque magister LXXVTI. n, 1. 
Princeps hie Petrus pollet Paulusque magister LXXX. i, 5. 

3. Ähnlich ist ihm praeco das ständige Beiwort 
Johannes des Täufers: 

Praeco, propheta Dei, paranymphus martyr et ipse XXXIV, 11. 

Zachariae natus praeco eunetique prophetae LIII, 17. 

Hac praeco et saneti numerantur parte prophetae LXIII, 4. 

Et praeco et mater sors et apostolica LXVT. i, 3. 

Hie praeco insignis Christi et baptista Iohannes LXXVII. ix, 1. 

Hie praeco insignis simul et baptista Iohannes LXXX. v, 5. 

Aus dem an dritter Stelle notierten Beispiele sieht 
man sogar, daß praeco schlechthin, ohne jede nähere 
Bestimmung Johannes den Täufer besagen soll. 

4. Eine auffallende Lieblingsphrase Rabans ist der 
Ausdruck mente manuque geworden, den er zu- 
weilen auch variiert in : ore manu, corde manu, lingua 
manu, calamo manuque; 

Librum, quem dudum mente dedi et calamo I. iy, 2. 
Confeci librum mente manuque simul I. vi, 4. 
Mente manuque simul atque hanc imitabere rite VL n, 11. 
Plebis hanc revelans oreque mente, manu VI. in, 8. 
Hinc tu mente, manu ... et sermone benigno VI. in, 29. 
Lingua mente, manu commisi noxia multa IX, 11. 
Mandataque tua corde manuque geram IX, 34. 
Offert suppliciter quod tibi mente, manu XI, 18. 
Quaerere te manibus, pura te mente precari XII, 12. 
Carmine quem memoro oreque mente, manu XVIII, 6. 
Hoc Kodolph pictor arte manuque dedit LXXII, 12. 
Dogma et apostolicum protulit ore, manu LXXXTV, 6. 
Ore manuque simul populo huic qui praefuit apte XCHI, 3. 



Quidquid lingua, manus orat et bucca beata F xxviii, 12. 
Corde, manu semper donum memorabile cantu F xxvni, 35. 



— 103 — 

5. Der Wendung poscere lucis opem oder 
poscere salutis opem begegnen wir 7 mal: 

Instat martyribus, poscite lucis opem XII. n, 6. 
Tu tibi devotis posce salutis opem XLIII. n, 4, 
Devoto hie coide poscite lucis opem XUX. iv, 4. 
Christus adest rector, poscite lucis opem XLTX. vm, 8. 
Poscite lucis opem, tenebrarum linquite curas LEE, 4. 
Supplex poscat opem hie martvrum et auxilium LV. m, 2. 
A Christo Domino poscite lucis opem LXIV, 18. 

6. Auffallend ist auch eine Vorliebe des Dichters 
für Wendungen wie: Gloria magna Dei, gratia 
magna Dei: 

Gloria magna tibi trinus vere et Deus unus XVI, 109. 
Gonditor omnipotens, gloria magna tibi XVI, 110. 
Fiat opus vestrum, gloria magna Deo XVII, 18. 
Gloria magna Deo, semper tibi gloria, Christe IX, 53. 
Amen, in aetemum gloria magna Deo IX, 54. 
Sit memor utque tui gratia magna Dei XXIII, 28. 
Semper in aetemum gloria magna Deo LXII, 4. 
Effecit Domini gratia magna sui XCVI, 8. 

7. Damit verwandt sind Wortverbindungen wie: 
Mystica dieta Dei, mystica verba Dei, mystica dona 
Dei u. a.: 

Condecet ordinibus mystica dieta Dei II, n, 18. 

Qui rimare sciat mystica verba Dei III, 4. 

Hie sacra dieta patrum resonant, hie mysticus ordo III, 15. 

Perpendens disce mystica dieta Dei XVII, 30. 

Mens volvet sensu mystica verba Dei XXI, 6. 



Iußti Dollentes per mystica signa bonumque F viu, 22. 
Mystica dona suis consortibus optime donans F xy, 14. 
Mystica quos virtus ornat, consecrat, honorat F xvm, 13. 
Indicat, oratum pandens, quo mystica scripta F xx, 9. 
Temptavique ideo hie ex caelis mystica voto Ducere verba 

F xxv, 11 sq. 

8. Die Blutzeugen der Kirche „rutilant martyrio" ; 
die Wendung findet sich 4 mal: 

Martyrio rutilans catholica ecclesia XXXVII, 76. 
Doctrina gratulans, rutilans et sanguine rubro LIII, 25. 
Insignesque viri martyrio rutilant LXXX. i, 6. 
Atque Sebastianus martyrio rutilant LXXX. iv, 6. 

9. Auffallen muß es als eine Eigentümlichkeit der 
Auffassung wie des Ausdruckes, wenn Raban einen 



- 104 — 

hervorragenden Kirchenfürsten oder einen ihm befreun- 
deten Mann eine Stadt, eine sichere Stadt nennt: 

Solus honor nobis, urbs tu fidissima semper VI, 11. 

Sal terrae seu lux mundi atque urbs incüta Christi XIII, 11. 

Urbs aeterua Dei estis vos et lumina mundi XIX, 23. 

Solus honor nobis, urbs tu fidissima semper XXV, 3, 

Zwar ist dieser Vergleich biblisch (vgl. Matth. 5, 14) 
so gut wie die andern vom Salz der Erde (ebenda 13), 
vom Licht der Welt (ebenda 14); er ist aber nichts- 
destoweniger auffällig und charakteristisch. 

10. Kaum weniger auffällig ist es, wenn die Worte 
honor oder amor als Appositiye ohne weiteres mit 
einem Eigennamen verbunden, sozusagen zusammen- 
geschmolzen werden, wie Servilianus amor, Augustinus 
honor ; 

Servilianus amor ßulpitiusque pius XL1. xiv, 4. 
Landebertus amor, Pancratius atque Georgius LXXVIL i, 9. 
Andreas, Iaeobus atque Iohannis* amor LIII, 22. 

Hoc altare Deo primum Bonifacius ipse 

Nam salvatori rite dicavit amor XLI. in, 1 sq. 

Landebertus honor, Leudgarius et Nicolaus XLI. v, 13. 
Augustinus honor doctor Hieronymus atque LIII, 37. 

Damit ist zu vergleichen IL I, 4: Dux sacer et 
princeps, lux, via, pastor, amor und XXII, 4; Prae- 
ceptor, pastor, semper amicus, honor. 

§ 3. 

1. Außer dieser bewußten oder unbewußten Vor- 
liebe für gewisse von ihm geprägte oder übernommene 
Ausdrücke und Redewendungen stoßen wir bei Raban 
auf eine noch auffallendere Art der Selbstreproduktion 
oder Selbstplünderung, indem er nicht selten halbe 
pder {ranze Verse aus früheren in späteren Dichtungen 
wiederholt. Ich stelle hier eine Reihe solcher Selbst- 
wiederholungen zusammen. Zunächst Halbverse; 

Accipe, sancte pater, Otgari summe sacerdos I. v, 1. 

Tu decus es nostrum, doctor summusque sacerdos IL i, 3. 



1 Hier ist wohl nach Analogie der anderen Stellen Johannes 
amor, nicht Johann« amor zu losen. 



— 105 — 

Et decus et doctor plebis et almus anior I. in, 2. 
Discipulis pastor plebis et almus amor LXXXVTII, 12. 

Quos nobis, Christe, rite favere facis XLI. vui, 8. 
Ora pro nobis rite favendo Deum LIII, 12. 

Artificem vüem rite tuendo prece I. v, 12. 
Pro artifice ac vili fundite rite preces I. vi, 12. 

Omnibus sis aequus rector ubique pius XV, 26, 
Ex Borna est miaeuß rector ubique pius LVT, 6 1 . 

Cum Christo in caeüs regna beata tenens I. in, 18. 
Cum Christo et sanctia regna beata tenens XIX, 46. 

Virgo Maria, Dei genetrix, hanc continet aram L. iv, 1. 
Virgo Maria, Dei genetrix, hie ceme precantes LIX, 9*. 

Virgo Maria, Dei genetrix intaeta tonantis LX, 13. 
Hoc tu, virgo, Dei genetrix intaeta tonantis XXXIV, 7. 

Clara Dei genetrix, sanetissima virgo Maria LIII, 11. 
Alma Dei genetrix, sanetissima virgo Maria LXXIV. in, 7. 

Christe Deus, hominum salvator, rector et auetor LXXXV, 13. 
Te, bone Iesu, precor, rector, salvator et auetor IX, 47. 

Spiritus alme, veni, dulces mihi condere versns XVII, 1. 
Spiritus alme, veni, supera directus ab arce XVIII, 1. 

Quod, peto, tu facias sacris altaribus astans XVII, 45. 
Sis memor atque mei sacris altaribus astans XXIII, 27. 

über ovas semper lucis in arce manens XVIII, 48. 
Aeternae vitae lucis in arce manens XVIII, 66. 

Christus adest rector, sanetorum exercitus omnis LIII, 3. 
Caelicolae euneti, sanetorum exercitus omnis LIII, 47. 

Horrida nulla tuam frangat temptatio mentem XIII, 63. 
H orrida quapropter nunquam t empta tio m ent em XXXVII, 91. 

Corpore hie pausat Spiritus alta petit XC, 2. 
Corpore sed tantum, spiritus alta petit XCIII, 2. 

Nunc ruit orbis honor, corruet ipse cito XVIII, 14. 
Nunc ruit orbis honor, deficit ipse simul XIII, 22. 

Exornant meritis laudibus atque suis LIX, 4. 
Exornant meritis atque sacris preeibus LX, 10. 

Rite iuvant preeibus atque bonis meritis XLI. iv, 6. 
Consecrant preeibus atque bonis meritis LXXX. vni, 2. 



1 Vgl. auch X, 18; XIII, 2 und XX, 4. 
* Vgl. auch XLIV. vi, 1; XLIX. m, 1. 



— 106 — 

Ergo beata bona est vivere vita Deus XVIII, 60. 
Nempe beata bona est vivere vita Dens XXIII, 24. 

Te Deus aeternus, mundi mitissimus auctor I. iv, 13. 
QuodDeus aeternus, mundi mitissimus auctor XVIII, 49. 

2. Diese Liste ließe sich unschwer um ein Be- 
deutendes vermehren; da aber das, was ich veran- 
schaulichen wollte, deutlich genug zu Tage tritt, glaube 
ich den Raum sparen und mich der Wiederholung 
ganzer Verse zuwenden zu dürfen. War es bei der 
Repetition von Halbversen zum Teile wenigstens 
erlaubt, an unbewußte Reminiszenz zu denken, so 
werden wir hier an der Annahme bewußter Selbst- 
plünderung nicht vorbeikommen. Raban hielt es mit 
sich genau wie mit anderen Autoren, aus deren Versen 
wir bei ihm Reminiszenzen und Anleihen zur Genüge 
finden. 

Sintque licet montes inter, cum fluctibus arva. 

VI, 13 und XXV, 5. 
Sis memor ergo mei sacris altaribus astans. 

XXVII, 7 und XXVIII, 17. 
Spiritus ahne, veni, supera directus ab arce. 

XVIII, 1 und F xvi, 1. 
Christe Deus, hominum salvator, rector et auctor. 

LXXXV, 13 und LXXXVI, 5. 
Sis memor ipse mei, sicut et ipse tui. 

VI, 22 und XXV, 14. 
Assistunt votis atque piis precibus. 

XLI. i, 4 und LXXX. vi, 4. 
Gaudentes pariter iungat in arce poli. 

VI, 24 und XXV, 16. 
Ante solum terrae caelique volubile cyclum. 

VI, 19 und XXV, 11. 
Tu renovator ades, patriae spes, rector honorque. 

I. ii, 9 und XVIII, 9. 
Solus honor nobis, urbs tu fidißsima semper. 

VI, 11 und XXV, 3. 
In terris positus claviger aethereus. 

I. in, 18 und XIII, 16. 
Tempora sunt huius vitae nunc plena periclis. 

XIII, 21 und XVIII, 13. 
Eripe, sancte, piis monitis precibusque sacratis 
Commissum tibimet, pastor, ab hoste gregem. 

I. m, 15 sq.; XIII, 29 sq. und XVIII, 23 sq. 
Vestra valet caelum reserare et claudere lingua 
In terris positus claviger aethereus. 

I. in, 7 sq. und XlII, 15 sq. 



— 107 - 

Pande viam cunctis per dogmata sacra salutis, 
Ut sis perpetuae lucis iter populo. 
XIII, 19 sq. und XVIII, 11 sq. 
Quae Ventura Deus praedixit sanctus in orbem, 
Saepius adveniunt signa tremenda nimis. 
XIII, 23 sq. und XVIII, 15 sq. 



Kapitel IV. 

Rabans stilistische Eigentümlichkeiten 
finden sich in den Hymnen wieder. 

Die Eigentümlichkeiten des Ausdrucks, welche 
wir an den dichterischen Erzeugnissen Rabans zu beo- 
bachten Gelegenheit hatten, sind nun zu einem guten 
Teile dieselbe, die wir auch in den in Frage stehenden 
Hymnen wahrnehmen. Ich sage zu einem Teile, denn 
es braucht wohl nicht erst bemerkt zu werden, daß 
wir in 23 kurzen Gedichten nicht alles das wieder- 
zufinden erwarten dürfen, was wir an dem viel um- 
fangreicheren Materiale der anderweitigen Dichtungen 
unseres Autors feststellen konnten. Es kommt noch 
ein anderer Umstand hinzu. Die Mehrzahl der Ge- 
dichte Rabans ist im heroischen oder elegischen Vers- 
maße geschrieben; unter den Hymnen aber, deren 
Authentizität uns beschäftigt, ist ein einziger (Nr. 18), 
der in Hexametern und Pentametern abgefaßt ist. 
Es sind aber gerade metrische Gründe, die Raban zur 
Wiederholung gewisser Wörter und Wendungen, ich 
darf wohl sagen, verleiten. 

§i- 

Einige der sich deckenden Eigentümlichkeiten 
sind schon im ersten Kapitel berührt worden, wo wir 
den Nachweis versuchten, die fraglichen Hymnen seien 
als das Werk eines Verfassers anzusehen. Wir haben 
daher hier nur auf dieselben zurückzuweisen. 

Wir beobachteten bei Raban einen geradezu un- 
heimlich häufigen Gebrauch des Wörtchens rite. 
Unter allen Worten, deren Verwendung bei ihm etwas 



— 108 — 

auffälliges hat, ist dieses das öftest gebrauchte. Der 
Gebrauch ist derselbe in den Hymnen. Es kommt in 
zwölf von vierundzwanzig Hymnen vor und in zweien 
derselben je zweimal Vgl. oben Kap. II. § 1 n. 2. 

2. Wir stellten ferner bei Raban einen auffallend, 
ja exorbitant häufigen Gebrauch des Wortes almus 
fest; das Wort fehlt auch dem Wortschatze des 
Hymnendichters nicht, wenn es auch bei ihm nicht 
auffällt: 

Haec creaturae fuit alma origo 4. 3, 1. 

Sanguine nempe suo requiem tibi comparat almam 18, 45. 

Almus et flatus tribuat, precamur 20. 5, 3. 

Quos yirtute regia almi | iortes vidi martyres 21. 2, 1. 

Das Wort aptus (vgl. Kap. III. § 1 n. 4) finden 
wir in den Hymnen nur einmal wieder: 
Quae proferre cogit apte. 

3. Dagegen ist wieder von Ausschlag gebender Be- 
deutung das Wort arx. Wer das Vorkommen dieses 
Wortes in den Gedichten Rabans beobachtet (vgl. 
Eap. in § 1 n. 5) und mit dem Auftreten in den 
Hymnen vergleicht (vgl. Kap. II, § 1 n. 1), der wird sich 
der Überzeugung, daß der Dichter der Hymnen nur 
Raban sein kann, unmöglich verschließen. Wir beo- 
bachten dies Wort in einem Gedichte Rabans (n. XI.) 
fünfmal, in einem anderen (n. XVIII) sogar achtmal; 
in dem ersten der uns beschäftigenden Hymnen (n. 4) 
finden wir es dreimal, in allen Hymnen neunmal. 

4. Gerne bedient sich Raban in seinen Gedichten 
als Umschreibung des Wortes „Himmel" des Aus- 
druckes astra, ad astra, super astra. Auch dem 
Dichter der Hymnen ist diese Ausdrucksweise geläufig: 

Christianam ducit ad astra plebem 4. 11, 3. 
Praemia hie super astra dabit 6. 8, 2. 
Donans astra piis, dolorem iniquis 10. 7, 4. 
Laudant astra, poli, mare solumque 10. 11, 1. 
Quatenus sanetis sociemur astris 16. 6, 3. 
Victor ad astra 20. 2, 4. 

5. Das Wort auetor ohne jede nähere Bestim- 
mung in der Bedeutung von „Schöpfer, Gott" erschien 
uns in Rabans Gedichten als etwas Eigenartiges. Ebenso 
gebraucht finden wir das Wort in den Hymnen: 



— 109 — 

lungeret au c toi 4. 6, 4. 

Hancque mandatum vocitat nontm auctor 4. 15, 1. 

Auetor summu# angeformn 5. 7, 3. 

Apparat auctor omnium 8. 1, 4. 

Eector humani genens et auctor 1& 1, 2. 

Bis memor, auctor 20l 3, 4. 

Da, Den» auctor 2& 1, 4. 

6. Die Rolle, welche wir in Rabans Dichtungen 
das Wort bonus, bene, optimus, optime spielen sahen 
(vgL Kap. m, § 1 n. 8) ist dieselbe auch in diesen 
Hymnen (vgl. Kap. II, § 1 n. 3). Wer die beiden 
zitierten Stellen mit einander vergleicht, wird sich der 
Überzeugung von der Identität des Verfassers nicht 
verschließen können. 

7. Wir spezifizierten Kap. HI, $ 1 n. 9 den Ge- 
brauch, den Raban in seinen Dichtungen von dem 
Worte carmen macht Dieser Gebrauch ist dort viel- 
leicht weniger auffallig als in den Hymnen, in denen 
wir lesen: 

Carmlna peallere voce, lyra 6. 1, 1. 
C arm ine iam resonemus eum 6. 10, 2. 
Compellunt animos earmina promere 12. 1, 2. 
Hoc hymnista carmen offert 21. 13, 1. 
Cantemus paritez caormea amabile 2& 2, 1. 

8. Auch das Vorkommen des Fremdwortes dogma 
in Rabans Dichtungen entging uns nicht (vgl. Kap. III, 
§ 1 n. 10). Wir fanden es achtundzwanzigroal; in den 
Hymnen finden wir es dreimal, eine Frequenz, die dem 
Umfange der Hymnen im Vergleiche mit den Dich- 
tungen völlig entspricht: 

Dogmate Christum 4 &, 4. 

Commendat placide haec sacra dogmata 7. 6, 4. 

Exaequant pariter, dogmata coUigunt 19. 3, 2. 

9. Wir stellten am a. O. unter n. 11 fest, daß 
Raban in seinen Gedichten sieh der Interjektionen en 
und eec-e als. Flickwörter bedient. Gaaa dasselbe ge- 
schieht in diesen Hymnen. 

Rn, Dei excmplar fieretque imago 4> 4, 2. 
Ecce, haec dilectio vera haec. arx 4» 13, 1. 
Laetus nobis, ecce, venit 5. 2, 3. 
En, admotum nunc libenter 5. 10", 3. 
Matris mammas, ecce, traetat b. 9, &. 
Ucee, sperant laetabund» 5. 13, 1. 



— 110 — 

En, caeli rutilant lumina splendid* 7. 1, 1. 
Gaudemus pariter mentibus, en, precor 7. 7, 1. 
En, est ista dies munere nobilis 7. 6, 1. 
Ecce, mens filius 14. 4, 2. 
Ecce, poscentem pie cerne plebem 16. 5, 1. 
En, quos iste vocat, ille supra locat 17. 5, 1. 
Mortuus, ecce, modo vivensque solebat ut ante 18, 23. 
Nobis, ecce, dies ordine congrno 19. 1, 1. 

Am a. 0. Nr. 14 konnten wir eine Vorliebe 
Rabans für Iterativformen wie dormitare, fluitare, 
latitare, rogitare, vocitare feststellen. Die gleiche Vor- 
liebe haben wir schon vorher (Kap. II, § 1 n. 2) bei 
dem Dichter der Hymnen konstatieren können. 

10. Das Wort manere liebt Raban anstatt des 
einfachen esse zu gebrauchen (vgl. Kap. III, § 1 n. 15). 
So auch in den Hymnen: 

Graudia peipetuaque manent 6. 9, 5. 
Laeti perpetuo manent 17. 2, 4. 

11. Eines der Wörter, die Raban am losesten 
hängen, ist unstreitig das Wort meritum (vgl. 
Kap. HI, § 1, n. 16). Es fehlt auch in den Hymnen 
nicht: 

Sancte confessor, meritis beate 20. 1, 1. 

Sanctorum meritis inclita gaudia 22. 1, 1. 

Martini meritis oppido nobile 23. 2, 2. 

Et meritum splendör folget in orbe soli 18, 2. 

Quos fidei meritum fecerat esse sacros 18, 32. 

Et merito ecclesiae laudantur in orbe magistri 18, 33. 

12. Wir bemerkten a. a. 0. n. 17 den häufigen 
Gebrauch der Partikel nempe. Dieselbe hat auch, 
so unwahrscheinlich es klingt, ihren Weg in die uns 
beschäftigenden Hymnen gefunden: 

Agnus nempe sacer patres de Aegypto 10. 2, 2. 
Sanguine nempe suo requiem sibi comparat almam 18, 45. 
Impetrat hanc nobis sanguine nempe suo 18, 45. 

13. Wir stellten sodann a. a. 0. n. 18 den Ge- 
brauch der Interjektion o (oh) bei Raban zusammen. Zu 
Anfang des Verses hat dieselbe nichts Ungewöhnliches, 
wohl aber im Versinnern; in der sonstigen Hymnen- 
dichtung werden wir dies nur selten konstatieren. In 
unseren Hymnen lesen wir: 

patria, o populus, tanto ditata patrono, 
Per quem vita venit, o patria, o populus! 18. 19sqt 



— 111 — 

Dignaque quae fiteres, o ter quaterque beata 18. 51. 
Mundi Chnste salus, o tibi gloria 23. 6, 4. 

Zu dem Verse patria, o populus etc. ist beson- 
ders Rabans „0 pater, o pastor, cui Christus dona 
superna" (XVIII, 7) zu vergleichen. 

14. Kap. II § 1 n. 5 wurde der Gebrauch des 
Wortes orbis in den Hymnen als etwas Auffälliges 
gekennzeichnet; Kap. irf § 1 n. 19 wurde der Ge- 
brauch desselben Wortes bei Raban, wie ich glaube, 
als ein ungemein häufiger nachgewiesen. Wer die 
beiden Stellen vergleicht, wird unwillkürlich auf einen 
Verfasser für Hymnen und sonstige Dichtungen hin- 
gewiesen. 

15. Zu dem Gebrauche des Wortes ovare bei 
Raban (vgl. Kap. III, § 1 n. 20) können wir wenig- 
stens zwei Stellen aus den Hymnen in Parallele 
bringen. 

Christus mortis ovans fugans tenebras 10. 7, 2. 
Furatum crepitans, qui ovat coruscans 10. 10, 3. 

16. Die Partikel pariter, über deren Gebrauch bei 
Raban a. a. 0. n. 21 gehandelt ist, findet sich auch 
in den Hymnen auffallig oft. Vgl. Kap. II, § 1 n. 6. 

17. Über den Gebrauch des Adjektivs pius und 
des Adverbs pie bei Raban einerseits und in den 
Hymnen anderseits vergleiche man die Ausführungen 
Kap. HI, § 1, n. 22 mit Kap. II, § 1, n. 4. Der Ver- 
gleich wird überzeugend für Rabans Autorschaft an 
diesen Hymnen reden. 

18. Das Wort placidus, dessen Auftreten bei 
Raban wir Kap. III, § 1, n. 23 nachwiesen, kommt 
in den Hymnen zweimal, also verhältnismäßig noch 
öfter als in den anderen Dichtungen vor: 

Commendat placide haec sacra dogmata 7. 6, 4. 
Salvator placide angelo ministro 10. 8, 1. 

19. Sehr ausgiebig ist bei Raban der Gebrauch 
des Wortes polus; wir haben ihn Kap. III, § 1, n. 24 
veranschaulicht. Wir haben dem aus den Hymnen 
gegenüberzustellen : 

Haec poli regnum dedit esse apertum 4. 8, 1. 
Laudant astra poli, mare solumque 10. 11, 1. 



— 112 — 

Intrat polornm fcntun» 11. 2, 4 
Arce polorum 16. 6, 4. 
Ad regna atque trahunt poli 19. 4. 4. 
Qui poli summa residet in arce 24. 5, 3. 
En, ad rutfla polorum 27. 3, 1. 

Den Eindruck dieser Belegstellen erhöht es wesent- 
lich, daß das Wort zweimal (16. 6,4 und 24. 5,3) mit 
arx verbunden ist. 

20. Zu dem a. a. 0. n. 26 kurz charakterisierten 
Gebrauche von satis schickt sich das einzige Beispiel, 
das uns in den Hymnen begegnet: 

Aetitras gratis satis et placere 20» 4, 2« 

21. Den Gebrauch von tenere und retiner e 
(vgl. a. a. 0. n. 27) haben wir bezüglich der Hymnen 
schon oben, Kap. II, § 1> n, 7 nachgewiesen. Er ist 
in den Hymnen so auffällig, daß wir glaubten, aus 
ihm ohne weiteres auf einen Verfasser für alle 
Hymnen schließen zu dürfen und zu sollen. 

22. Raban liebt es, Gott als den Donnerer zu be- 
zeichnen (vgl. Kap. HI, § 1, n. 28); der Dichter der 
Hymnen teüt mit ihm diese Vorliebe: 

Quod tonantem sttpra ctmcta fr. 6, 2, 
Caritas praeclara tonantis atque 4. 2, 1. 
Quis sit ton ans interrogat 11. 3, 3. 
Iure formantem rogita tonantem 16. 6, 2. 

23. Dem auffallend häufigen Gebrauche des Wortes 
Vota bei Raban (vgl. a. a. O. n. 29) können wir aus 
den Hymnen an aie Seite stellen: 

Votis assis tu piorum 5. 12, 1. 
Martinus quoniam vota fiddium 23, S, 1, 
Tu libens votis', petimu» precantes 24. 4, 1. 
Votis, voce psalümus 26. 1, 4. 

§ 2. 

Außer diesen Ähnlichkeiten, welche wir «wischen 
der Ansdraeksweise Rabans und der Schreibweise des 
Dichters der Hymnen fanden, können wir noch eine 
Reihe kleinerer Übereinstimmungen nachweisen, die 
sich weniger auf das Große und Ganze ab auf Einzel- 
heiten beziehen, die aber deshalb nicht minder frap- 
pant sind. 



— 113 — 

1. Es fällt entschieden auf, daß in den Hymnen 
Christus nicht einmal — das würde kaum die Auf- 
merksamkeit erregen — sondern viermal arbiter ge- 
genannt wird. 

Dux bone, arbiter egregius 6, 6, 1. 

Nam rex Christus adest orbis et arbiter 7. 8, 1. 

Caelorum pius arbiter 12. 1, 4. 

Districtus rediet arbiter omnium 12. 3, 3. 

Es bestätigt unser Resultat, wenn wir dies Wort 
auch in Rabans andern Gedichten wiederfinden u. z. 
zum Teil mit denselben Beiwörtern und näheren Be- 
stimmungen. So finden wir das im dritten Verse ge- 
brauchte „pius arbiter* in den Gedichten dreimal, 
den Ausdruck „arbiter orbis" zweimal wieder: 

Arbiter omnipotens, qui solus regnat in arce IV. i, 23. 

Strinxi me voto, comple hoc, pius arbiter orbis IX, 35. 

Victor conscendit arbiter omnipotens XLVH, 2. 

Arbiter omnitenens, rerum tu summe creator LIII, 1. 

* * 

* 

Sed tulit ipsa probans arbiter omnitenens P, 14. 

Propter amicorum pius arbiter orbis amorem F xvr, 24. 

Nam bona, quae in terram pius arbiter ore sereno F xvn, 8. 

2. Seltener als das Attribut „arbiter" gibt der 
Dichter Gott den Namen artifex. Er tut dies ein- 
mal in dem Liber de laudibus s. crucis, einmal in den 
Gedichten, einmal endlich in den Hymnen: 

Hie sonat artificis virtus operiBque beati F xrx, 5. 
Et genus humanuni reddidit artifici I. v, 6. 
Oonsecrat orbis artifex 9. 2, 4. 

Es ist hervorzuheben, daß hier zweimal Gott, 
nicht wie an dritter Stelle „orbis artifex", sondern 
einfach und schlechthin artifex, der Künstler, genannt 
wird. Genau so sahen wir, daß Baban Gott auch, 
nicht den „Urheber der Welt a u. a., sondern auch 
schlechthin „den Urheber" nennt. Vgl. Kap. III, § 1, 
n. 7. Sollte die Betonung Consecrat orbis artifex 
jemanden stoßen, so sei er darauf hingewiesen, daß 
gerade diese Betonung rabanisch ist: 

Mystica quos virtus ornat, consecrat, honorat F xvm, 13. 

3. Der Gebrauch des Wortes arduus an drei 
verschiedenen Stellen der Hymnen kann sich dem 
Beobachter unmöglich entziehen: 

Dreves, Fortnnatna- und Raban-Stndien. g 



— 114 — 

Qui fonnat minima et qui creat ardua 7. 1, 3. 
Cum Christus solium scandit ad arduum 12. 1, 3. 
Nam Petrufl titulum erigit arduum 17. 3, 1. 

Ganz so findet sich das Wort bei Raban ge- 
braucht: 

Qui laudem Christi resonat, crucis ardua facta I. v, 3. 
Ardua poscendi des quoque regna poli IX, 50. 
Ardua succumbunt, imaque celsa petunt XXXVI, 2, 

Atque sacram effigiem hostis in ardua sistit Iesum F ix, 26. 

Carmine depromat, cruciß ardua dicat et acta F x, 4. 

Octeno hoc numero ut super ardua dona requirant F xvii, 28. 

4. Ein immerhin selteneres Wort ist das Wort 
chelydrus,Schlange,zurBezeichnungSatans. Brauchen 
dasselbe auch andere Schriftsteller, so ist es doch 
interessant zu beobachten, daß dies Wort, das einmal 
in den Hymnen auftaucht: 

Virus pepulit chelydri 14. 9, 1, 
auch in den andern Werken Rabans sich findet: 

Qualiter antiquum vicerat et chelydrum I. i, 18. 

Haec saevus ut audierat | C hely drus et inviderat XXXIX. 25, 1. 

Et districta rupit excussi claustra chelydri F rv, 14. 

5. Zweimal in seinen Gedichten braucht Raban 
das Wort flammivomus. Er hat es nicht geprägt, 
sondern augenscheinlich (der ganze Vers verrat das) 
bei Iuvencus (praef. v. 25) entlehnt: 

Tunc cum flammivoma descendet mibe coruscans, 
wo es auch andere vor und nach ihm entdeckt und 
entlehnt haben. Dennoch bleibt es fQr unsere Frage 
nicht uninteressant, dieselbe Entlehnung in den Ge- 
dichten und in den Hymnen zu finden: 

Flammivoma veniet Dominus cum mibe coruscans XIII, 47. 
Flamm ivomo crucis ardore patiendo creator F xxi, 33. 
Ut cum flammivoma nube revertis 12. 5, 1. 

6. Auch den Gebrauch von f ortis und f ortiter, 
der in den Hymnen auffällt, darf ich hervorheben: 

Pangamus, socii, gestaque fortia 22. 1, 2. 
Laudem rite crucis f ortiter expetunt 19. 5, 1. 
Cessit his lacerans fortiter ungula 22. 3, 3. 

Ich will dem nicht sämtliche Stellen gegenüber- 
setzen, an denen Raban sich des Wortes forfis bedient, 



- 115 — 

sondern nur einige, die man als Parallelstellen ansehen 
kann und muß: 

Fortia dicta dabas, exhortatoria rerba XXIII, 1. 
Sicque fide fortes viceront proelia sancti XXXVII. 73. 
Farnes cum peste cruciant et fortiter urgent XVIII, 19. 
Fortiter adversa virtus patientia suffert LIV, 5. 

7. Dasselbe gilt von dem Worte horridus, dessen 
viermaliges Vorkommen in den Hymnen auffällt: 

TurgiduB, horridus atque ferox 6. 4, 4. 
Huic trux ipse licet saeviat horride 7. 5, 1. 
Non des supplicia horrida noxiis 12. 5, 3. 
Cum caesus capite Paulus et horride est 17. 6, 2. 

Ebenso oft finden wir das Wort in Rabans anderen 
Gedichten wieder: 

Horrida nulla tuam frangat temptatio mentem XIII, 63. 
Horrida quapropter nunquam temptatio mentem XXXVII, 91. 

Tota draconis horrida XXXIX. 58, 1. 
Horrida bella draconis ovans cum milibus almis F in, 15. 

8. Unmöglich kann man in den Hymnen das ver- 
hältnismäßig häufige Vorkommen des Beiwortes in- 
clitus übersehen: 

Bethlem nascens inclita 5. 2, 4. 
Diffusis radiis nuntiat inclita 7. 2, 4. 
Sanctomm populus praedicat inclitum 12. 2, 2. 
Oramus, Domine, conditor inclite 12. 4, 1. 
Cuius perpetuus exstat et inclitus 17« 4, 1. 
Germanusque Petri, principis incliti 17. 2, 2. 
Inclita sanctorum cum gloria crescit ubique 18, 1. 
Tu nos, inclite, protege 19. 9, 4. 
Sanctorum meritis inclita gaudia 22. 1, 1. 

In den Gedichten Rabans finden wir das Wort 
wieder an folgenden Stellen: 

Inclita sceptra tenens, commissum deprecor istud IV. n, 1. 
Sal terrae seu lux mundi atque urbs inclita Christi XIII, 11. 
Qui venturus erU Christus, rex inclitus orbi XIV, 15. 

* * 

* 

Te beat orbs totus, ala inclita nempe polorum F in, 7. 
Inclita crux Domini, Christi fundamen et aulae F v, 18. 
Vi tota, nisu forti hinc quoque ad inclita visu F vi, 17. 

9. Mit Vorliebe wird Christus in den uns beschäf- 
tigenden Hymnen der Name magist er gegeben: 

Christo inferre crucis dolo magistro 10. 4, 2. 
Cognovit Maria ex sono maeistrum 10. 9, 1. 
Tu nunc redde magistro 19. 7, 3. 
Christe mag ist er 26. 1, 2. 

8* 



— 116 — 

Wir beobachten denselben Brauch im Liber de 

laudibus s. crucis, wie die folgenden Stellen zeigen: 

Quaeque sedens montis orarit in arce magist er F xvn, 10. 

Praeceps mallet abire loca dans iura magist er F xxn, 12, 

Tu rex, tu doctor, tu es rector, care magist er F xxvin, 5. 

10. Täusche ich mich nicht, so ist auch das Vor- 
kommen von metere in den folgenden Stellen Rabans 
charakteristisch, nicht sowohl in der Verbindung 
„fructus metere", um so mehr aber in den Zusammen- 
stellungen: dona metere, praemia metere, ja sogar 
regna metere: 

Hie et in aetemum regna stiperna metas I. tv, 16. 
Sed fructus operis quisque metet proprii VI. in, 26. 
Exponis regi praemia larga metens XI, 28. 
Post obitum mortis dona beata metens XXXIV, 6. 

Dem ist aus den Hymnen an die Seite zu stellen : 
Et vitae faciat gaudia metere 7. 8, 4. 
Contuplicemque metens fruetum hie aoeipiet amplum 18, 37. 

11. Es ist schon weiter oben auf die Vorliebe 
Rabans wie des Dichters der Hymnen für verba itera- 
tiva hingewiesen worden. Dennoch ist es am Platze 
eines dieser Wörter, das seltenere pavitare besonders 
hervorzuheben und die Verse aus dem Opus s, crucis 
und aus den Hymnen zusammenzustellen: 

Olf actum pavitant, nardus et murra, cupressus P ir, 30. 
Oustodes pavitant, pii resultant 10. 8 3. 

12. Raban bedient sich verhältnismäßig oft des 
Wortes perpes. Belege: 

Gloria sed perpes maneat tibi in aetheris arce IV. rr, 14. 
Ignem cum renne, perpete cum gemitu IX, 16. 
Pectuö amor nostrum penetravit perpete flamma XV, ö. 
Nam preeibus Christum pulsamus perpete voto XVII, 39. 
Cum Christo et sanetis perpes in arce poli XIX, 42. 
Eustratius, Bomulus perpete laude manent XLIII. iv, 6. 
Quod cantant iusti, cantabunt perpete voto et F xxv, 27. 

Dem steht gegenüber in den Hymnen: 

Virtute firmans perpeti 13» 4, 4. 

Sit salus perpes, sit honor perennis 24. 5, 2. 

13. Mehrfach liebt es Raban die Pluralform ple- 
bes anzuwenden, zweimal in den Gedichten, darunter 
einmal als Singular, dreimal im Opus sanetae crucis: 



— J17 -, 

Dux bonus illequidem, redeunt quo a carcere plebea XVI. 95, 
Multa quidem patitur sanctorum plebes in orbe XXXVII, 33. 



Iure saorae fidei plebes concurrere scriptis F xvi, 9, 
Adpositus numerus undi^ue pergere plebes F xxm, 24. 
Iustorum et plebes, qui in caeüs sistitis ara F xxv, 16. 

dazu aus den Hymnen: 

Christus, ledemptor plebium 9» 1, I. 

14. Auf die Form regmina statt regimina ist an 
sich ein großes Gewicht nicht zu legen, da sie ver- 
schiedene andere karolingische Dichter gebrauchen, und 
Raban noch auffälligere Formen wie liberamina, ja 
sogar termina nicht scheut, das aber auch von einem 
Nominativ terminum hergeleitet werden kann. Regmina 
braucht er: 

Destruxit reprobans rectoris regmina falsa F xiv, 4. 

Und in den Hymnen: 

Aurum potentis regmina 7. 3, 1. 

15. Dreimal stoßen wir in Rabans Gedichten, zwei- 
mal im Opus s. crucis, einmal in den Hymnen auf 
das Wort trux: 

Sontem trux animam et cruciaret eam IX, 26. 
Miratuß truci se dare voce sonum XXVII, 20. 
Trux deturbat oves, caede cruentat XL. vm, 2. 

Arte venenata hominem trux expulit Eden F x, ß. 
Invasit, rapuit dominatum quod male trux für F xxi, 11, 

Huic trux ipse licet saeviat horride 7. 5, 1. 
Der Superlativ kommt auf beiden Seiten je einmal 
vor in Versen, die nicht paralleler sein könnten: 

Cornea Iudas trucissimus XXXIX. 60, 5. 

Ignorat haec trucissimus 8, 4, 2. 

17. Viermal begegnen wir in den Hymnen dem 
Worte valde; man sollte meinen, dies könne nichts 
auffälliges sein, und doch fällt es auf: 

Valde hinc nos hanc habeamus omnes 4. 15, 3. 
Magnam valde commendavit | per Ionannem gratiam 14. 3, 1 sq. 
IUI laudes valde dignas | Christo regi personant 21. 8, 3 sq. 
Tunc Severus turbalentus | valde iratus praecipit 21. 11, lsq. 

Vergleichen wir damit das Vorkommen des Wortes 
in Rabans anderen Gedichten: 



— 118 — 

Acctpe reginae Tai de Deo plachae IV. ra, 2. 

Ecoe, suae vitae valde benigna, bona IV. m, 4. 

Nunc quoqne Tal de tibi Domen hie conferat ordo XVII, 29. 

Fratribus ascitig poscite valde Deom XXXIV, 10. 

faomini quod yalde necesse XXXIV, 33. 

Sed homines saneti yalde et aacro online clari XLVI, 5. 

Unde decet yalde, quod cordis pma voluntas LXEX i, 7. 

Esse viios;i8toB praeclaros yalde patronoe XLEX. n, 1. 

Valde iuvant preeibus atqne piant meritis L. v, 2. 

Et Christi Domini munera yalde pia LXXIX. u, 2. 

Coniimctus yalde utilis huieque fuit XC, 8. 

Iam sorte lapinnt et yotis yalde requirunt F vn, 33. 

18. Zum Schlüsse mag noch auf das Auftreten 
des Teufels unter dem Namen zabulus hingewiesen 
sein. In den Gedichten: 

Com vitüs zabulus peDitur atqne fo ras X VI, 70. 

Poetquam zabulus pulsus est XXXIX. 54, 1. 

Terrorem zabuli, scandit benedictus amore 1 F vi, 14. 

In den Hymnen dagegen: 

Submerso zabulo unda passionis 10. 3, 4. 

Michaelem in yirtute | conterentem zabulum 25. 2, 5 sq. 

§3. 

Wir haben uns im letzten Paragraphen wieder 
auf den Wortgebrauch eingeengt. Wir werden das 
gewonnene Resultat abermals gestützt finden, wenn 
wir auch einzelne Redeweisen und Redewendungen in 
den Kreis unserer Beobachtungen einbeziehen. 

1. Schon oben (Kap. 1, § 2, n. 5) haben wir aus 
der zweimal beobachteten Anrede Fratres unanimes, 
wie ich glaube, nicht mit Unrecht auf die Einheit des 
Verfassers der Hymnen, und damit indirekt auf Raban 
als Dichter derselben geschlossen. Dieselbe Phrase 
führt uns aber auch unmittelbar zu ihm, denn wir 
finden sie in seinen Gedichten wieder: 

Poetquam tu, unanimis f räter, abisti XL. iv, 1. 

2. Derselbe Schluß wurde Kap. HI, § 2, n. 1 aus 
der viermal sich findenden Bezeichnung der Apostel 
als comites Christi gezogen. Auch diese Ausdrucks- 

1 amorre; Raban verdoppelt das r, weil er für seine Figur ein 
zweites r benötigt. 



— 119 — 

weise führt uns, weil wir sie in seinen anderweitigen 
Gedichten wiederfinden, direkt auf Raban: 

Bissenum et comitum dignus habetur honor XLI. in, 6. 
Bisseni comites venerantur sorte beata LXXIX. in, 1. 
En, comites Christi bissen o munere clari LXXX. n, 1. 
Hoc altare dicant comites testesque tonantis LXXX. vu, 1. 

3. Wir sahen ebenfalls (a. a. 0. n. 3), daß bei 
Raban dem Täufer Johannes das stehende Epitheton 
praeco gegeben wird. Der Hymnus auf diesen Hei- 
ligen nun, der sich unter den zu untersuchenden findet, 
hebt eben mit diesem Epitheton an: 

Praeco praeclarus sacer et propheta 16. 1, 1. 

4. Ebenda rückten wir unter n. 6 Stellen aus 
Rabans Gedichten zusammen, in denen Ausdrücke wie 
Gaudia magna Dei, gratia magna Dei sich als Lieb- 
lingsausdrücke des Dichters erwiesen. Zu diesen fügen 
die Hymnen noch den verwandten Ausdruck gloria 
magna Deo hinzu: 

Gaudia magna Dei intravit laetus et ille, 

Invitat nos ad gaudia magna Dei 18. 43 sq. 

Gloria digna Deo, talem qui illum dedit esse. 

Quique dedit nobis, gloria magna Deo 1 18, 53 sq. 

Gloria magna Deo semper per saecula cuncta 
Dicamus omnes: Gloria magna Deo 18, 55 sq. 

5. Unter den Wiederholungen ganzer und halber 
Verse, die wir a. a. 0. § 3 bei Raban konstatierten, 
fanden wir auch den an zwei Stellen wiederkehrenden 
Ausdruck meritis precibusque sacratis. Zu den 
dort genannten Stellen wären noch hinzuzufügen: 

Tantum tu precibus ipsum meritisque sacratis I. i, 37, 
Sisque memor nostri, precibus insiste sacratis XVII, 37. 

und dann damit zu vergleichen aus den Hymnen: 
Iudicem pulses precibus sacratis 20. 3, 2. 

6. Endlich ist der Sitte oder Unsitte Rabans zu 
gedenken, in seinen Versen sich der Tmesis zu be- 
dienen, Worte zu zerreißen und zwischen die Bruch- 
stücke andere Worte einzuschalten. Es ist dies keine 



1 So liest Browerus. Entweder ist auch hier, wie in der Zeile 
Yorher Gloria digna Deo zu lesen, oder dort gloria magna. 



— 120 — 

spezifisch mittelalterliche Unart Schon Enniuß schrieb 
das bekannte: 

...... aaxo cere — comminuit — brum 

(Annai 609, Vahlen ed. 2, p. 113). Nach ihm übten 
andere römische Dichter die Kunst, besonders Lucilius, 
von dem Ausonius sagt (Ep. 5, 36): 

Bescisso disces componere nomine versum, 
Lucili vatis sie imitator eris. 

Unter den christlichen Dichtern, die von näher- 
liegendem Einflüsse auf Raban sein mochten, liebte sie 
namentlich Eugenius von Toledo, der ein ganzes Ge- 
dicht [Nr.LXX (xxin), Auctt. antiq. XIV, p. 262] mit 
dem Anfange 

O Io — versiculoe nexos quia despicis — hannes 

verfaßt hat. Auch Rabans Lehrer Alcuin kannte den 
Kunstgriff und verschmähte ihn nicht: 

Pontificalis apex meritis archi — que — sacerdos, 

(II, 1; Poetae lat. I, 206). Bei Raban 'finden wir die 
Tmesis nur im Liber de laudibus s. crucis: 

Melchi — pontificis — sedech vinum quoque panem F i, 40. 
Terrestrum atque infer — iuxta ßuavincula — norum F u, 9. 
lata, en, perfidiam causat, prae — munere — cellit F x, 22. 
Cuius in orbe sacra ex — fuerit nam — altatio quandoFxiv, 6. 
Qui geminum mundo pate — verbo — f ecit abyssum F xxvu, 7. 

Einmal ist der Dichter auch in den Hymnen der 
Versuchung unterlegen: 

Haec prophetas et patri — fecit — archas 4. 5, 1. 

§4. 

Werfen wir noch einen Blick in Rabans Metrik; 
dieselbe wird uns das bereits gewonnene Ergebnis nur 
bestätigen. Es ist dazu nicht nötig die Sache zu ver- 
tiefen oder gar zu erschöpfen ; es würde uns das langer 
aufhalten ohne uns wesentlich weiter zu fördern, als 
wir bereits sind. 

Sehen wir von Einzelheiten ab, so fällt uns an 
Rabans Metrik besonders ein zweifaches auf. 

1. Die Längung kurzer Silben durch die Arsis des 
Verses ist bei ihm keine Lizenz, keine Ausnahme mehr. 



- 121 - 

sie ist schlechthin erlaubt und selbstverständlich. Die 
Belege dafür häufen sich in Rabans Versen derart, 
daß ein Sammeln derselben fast einem Abdrucke 
gleichkäme. Wir müssen es uns also an Beispielen 
genügen lassen: 

Indidit ut donä panderet alma Dei I. i, 16. 

Altithrono et redde pignus, quod praestitit ipee I. i, 25. 

Qui multa infandS semet fatetur egisse I. i, 31. 

Aetas lascivä quanta patrare solet I. i, 32. 

Abluit et fönte crimina multa sacro I. i, 36. 

Tantum tu precibüs ipaum meritisque sacratis I. i, 37. 

Unde opus est valde, tua quod protectio fortis I. in, 13. 

Commendans tibimet seque suäque simul I. rv, 6. 

Vitam quam nequeo per proprifi merita I. iv, 12. 

Sed quia hie clausträ superavit carnia ovando I, v, 9. 

Quae mandat rite noscere verba Dei II. n, 2. 

Sed licet haec totä non possim carpere scriptis IL u, 19. 

Ut quorum celebras festä, tu noveris actus VI, 3. 

Imponere, servo tunc miserere tuo IX, 40. 

Praedicat et donä, quae tibi contuleras XI, 14. 

Ut eunetis reddat nam propriS merita XIV, 16. 

Victima hie placita est aräque ille ipse sacerdos XVI, 57. 

Fiat opus vestrum gloria magna Deo XVII, 18. 

In der Regel geschieht diese Längung, wie man 
sieht, in der Cäsurstellung der Silbe, aber durchaus 
nicht immer, wie die beiden letzten Beispiele und der 
an achter Stelle aufgeführte Vers zeigen. Derselben 
Freiheit gebraucht sich auch der Dichter der Hymnen : 

Oramus, Domine, conditor inclite 12. 4, 1. 

Occultä hominum pandere iudicans 12. 5, 2. 

Non des suppliciä norida noxiis 12. 5, 3. 

Per eunetä pie saecula 12. 5, 4. 

Angelo teste decus et Helia 16. 4, 2. 

Cum caesus capite Paulus et horride est 17. 6, 2. 

Et eunetä veniant bene 17. 7, 4. 

Corporis clausträ reserans eundo 20. 2, 3. 

Sed corde tacito mens bene conscia 22. 4, 3. 

Diese Anschauimg betreffs einer Lizenz, die bei 
den Klassikern stets als eine Ausnahme von der Regel 
angesehen ward, hat Raban ersichtlich von seinem 
Lehrer Alcuin übernommen. Ich zitiere aus einem 
Gedichte desselben: 

Nunc tibi Haddo prior nocte non amplius una IV, 8. 
Dicito multoties: Salve", rex opthne, salve IV, 39. 
O Bassine bone, Spirensis gloria plebia IV, 56; 



— 122 — 

aus einem Hymnus (Anal. L, Nr. 109): 

Nostra dementer, Domine', precamur 1, 3. 
AuxerSt inde numerum piorum 7, 3. 
Obvifi yenit radians columna 8, 1. 
PraemiS digna retinet honore 9, 3. 
Gloria laucßfl resonet in ore 10, 1. 
ViscerS nostra pietate patris 3, 3. 
Lumina clara dedit ipse sanctus 4, 2. 
Lucidä fecit tenebrosa corda 4, 3. 
Multa praeclarä Domino favente 5, 4. 
Mortifer ursus timidus recessit 6, 1. 
Pectore pnro pia verba vera 7, 1. 

2. Das andere, was uns in Rabans Gedichten auf- 
fällt, ist seine Behandlung des Hiatus. Während er 
denselben im übrigen in der Regel vermeidet, ist ihm 
der Hiatus vor h und vor der Cäsur schlechthin er- 
laubt. Vor h: 

Bat dives est famulns quiqu<Tnabet Dominum XIV, 12. 

Virgo Deum genuit verumliominemque Maria XVI, 99. 

Cui bontThic opto laeta et in arce poli XVIII, 6. 

Hoc quoque psallente rultuTtoc ordine sacro XIX, 7. 

Sic reor, ut sponsaThymnorum in carmine canit XIX, 17. 

Omnibus te~horis protegat incolumem XXII, 12. 

Hunc precibus posceTiic tibi grata dabit XXXVII, 28, 

Nam dilecta Deo"nic rite Theophila mixtim XLI. xm, 5. 

Hie mensae DominOüc portio sacra sepulcri est LXXIX. i, 3. 

QuThuc germani detulit ossa sui XCVI, 10. 

Derselben Auffassung begegnen wir in den Hymnen : 

Haec pati Christum crucefhaec flagella 4. 7, 1. 
Eccefliaec dilectio veraTiaec arx 4. 13, 1. 
Gommendat placide~naec sacra dogmata 7. 6, 4. 
PraestaTioc, genitor optime maxime 12. 6, 1. 
OccultaTiominum pandere iudicans 12. 5, 2. 
Non des suppliciaTiorrida noxiis 12. 5, 3. 
In der Cäsurstelle ist der Hiatus nicht nur vor 
h, sondern schlechthin erlaubt: 

Firmavit nostriTunicus adveniens XVI, 104. 
Et eunetis placitunTlpsa satisfaciet XVIII, 42. 
Adiungit votaTatque favet precibus XU. xin, 6. 
Martyr Agatha Defet Petronella simul LIX, 10. 
Hoc altare tene~atque iuvato prece LXXIV. in, 2. 



— 123 — 

Lioba et AnastasiiTac Inliana simul LXXIV. in, 6. 

Sacra locant spolifTatque aram retinent LXXVIII. n, 2. 

Sortitur sanctfatque viri pariter LXXIX. i, 6. 

Sußcipiunt vota~atque Deo referunt LXXX. iv, 8. 

Principiß hie PetrPAndreae fratriß et huius LXXXVIII. iv, 3. 

Coniunctus valde^utük huieque fuit XO, 8. 

Ebenso finden wir den Hiatus vor der Cäsurstelle 
in den Hymnen wieder: 

Hoc tu, nate Dei,"et bone Spiritus 12. 6, 2. 
Hoc poecit utiqu(Tinclita gloria 17. 2, 1. 

Dagegen ist der nicht qualifizierte Hiatus bei 
Raban selten; ich finde nur: 

Transplantans aquila et venTomine vidi F xv, 4. 
Unde~apostolicus iusta per famina fida F xxvn, 10. 
Nereus, Achilles Friscaque et ipsefAquila LXXVII. ix, 6. 
Sacra locant spolia atque~aram retinent LXXVIII. n, 2. 

Ebenso ist der Hiatus, der nicht durch folgendes 
h oder folgende Cäsur entschuldigt wird, in den Hymnen 
eine Seltenheit: 

Donum DeTaltißsimi 13. 2, 2. 

Te~utriusque spiritum 13. 6, 3. 

Dies die einzigen Beispiele, die vielleicht noch 
auf Rechnung der Überlieferung zu setzen sind. 

Wir können somit abschließend unser Urteil da- 
hin zusammenfassen: Die von Browerus aus einer 
Rabanhandschrift veröffentlichten Hymnen tragen — 
nach Beseitigung des nachweislich zu Beseitigenden — 
so ganz und voll alle Kennzeichen des poetischen 
Stiles Rabans, daß an seiner Autorschaft nicht zu 
zweifeln ist. 

Kapitel V. 

Schlufsbemerkungen. 

Dem Gesagten habe ich nur noch wenige Bemer- 
kungen hinzuzufügen, die sieb zu einem Teile auf Einzel- 
heiten beziehen, zu einem andern aber auch allgemeinere 
Dinge berühren. 



— 124 — 

1. Unter den in Browers Handschrift Raban zu- 
geeigneten Hymnen befindet sich auch das bekannte, 
noch heute in allgemeinstem kirchlichen Gebrauch be- 
findliche Lied Veni, Creator Spiritus. Zu demselben 
bemerkt Mone, Lateinische Hymnen des Mittelalters I, 
242: „Vor allem muß ich einen Irrtum über den Ver- 
fasser dieses Liedes berichtigen, weil dies Einfluß auf 
dessen Kritik hat. Bei Tomasi S. 375 wird bemerkt, 
daß im Leben des hl. Notker (Acta SS. Bolland. April 
tom. I, 587) Karl der Große als Verfasser dieses 
Hymnus angegeben ist, und noch Daniel 1, 213 folgt 
unbedenklich dieser Versicherung, obgleich die Hss. 
dieses Hymnus zum Teil älter sind als Karl d. Gr., 
welcher keineswegs die lateinische Sprache so gut 
verstand, daß er einen solchen Hymnus hätte machen 
können. Wie sehr man dergleichen Angaben prüfen 
muß, ist oben bei Nr. 167 gezeigt, wo eine ähnliche 
Versicherung Hincmars widerlegt wird, der auch manches 
dem hl. Ambrosius zuschreibt, was nicht von ihm ist. 
Obiger Hymnus stimmt am meisten mit den Liedern 
Gregors d. Gr. überein, und ich halte ihn für den 
Verfasser. Die klassische Metrik mit teilweiser Zu- 
lassung des Reimes, besonders aber die gebetartige 
Behandlung sind den Liedern Gregors eigen. Auch 
die klassische Scansion V. 5. paraclitus verrät einen 
Kenner des Griechischen, was Gregor war, daher die 
Endstrophe nicht von ihm ist, teils wegen der Be- 
tonung paraclito, teils wegen dem regelmäßigen Reim. 
Die Doxologie ist schon V. 21 — 24 enthalten. Daß in 
diesem Liede Ambrosius nachgeahmt wurde, zeigt der 
Anfang und die entlehnten Verse." 

An diesen Aufstellungen Mones bedarf gar mancher- 
lei der Korrektur: 

a) Der von ihm angezogene Text bei Notkers Bio- 
graphen, dem jüngsten Ekkehart, lautet: „. . . necta- 
reum modulum eructavit ac toti mundo ad salutem 
propinavit, sequentiam dico, quaeest despiritu sancto: 
Sancti Spiritus assit nobis gratia. Cum ergo 
eam complesset, misit eam pro xenio imperatori Carolo. 
Idem verus christicola imperator misit ei per eundem 
baiulum, quod sibi idem Spiritus inspiraverat, hymnum 



— 125 — 

Veni creator." Wollte man dieser Erzählung einen 
Glauben beimessen, den sie nicht verdient, so könnte 
doch der Kaiser Karl, von dem hier die Rede ist, 
niemals Karl d. Gr, sein, der 814 starb, als Notker 
noch nicht geboren war, sondern nur Karl III., der 
Dicke, der 883 St. Gallen persönlich besuchte. Also 
nicht seine Unkunde des Lateinischen noch das Alter 
der Handschriften schließt Karl d. Gr. von der Autor- 
schaft des Veni creator aus, sondern die Unerbitt- 
lichkeit der Chronologie. 

Dieser Hymnus ist der einzige, für den sich neben 
der Fuldaer Quelle Browers ein anderes handschrift- 
liches Zeugnis zu Gunsten Rabans beibringen laßt. 
Cod. Londinen. Add. 18922, ein Breslauer Sammelband 
des 15. Jahrhunderts, bezeichnet das Veni creator aus- 
drücklich als „Impnus Rabani". Das Zeugnis ist, so 
spät es kommt, vom höchsten Werte. Denn Raban 
gehört im 15. Jahrhundert nicht zu den Namen, auf 
die man herrenloses literarisches Gut häuft wie z. B. 
auf Bernhard und gegen Ende des Jahrhunderts auf 
Bonaventura. Es ist also die Annahme gerechtfertigt, 
daß der Schreiber der Handschrift sich die Autoren- 
angabe nicht aus den Fingern gesogen, sondern älteren 
Quellen entlehnt habe. 

b) Die Behauptung Mones, die Handschriften des 
Veni creator seien zum Teile älter als Karl d. Gr., ist 
augenscheinlich das Produkt freiester Erfindung. Mone 
selbst scheint solche Handschriften nicht gesehen zu 
haben, denn unter den von ihm benutzten Quellen ist 
keine älter als das 14. Jahrhundert. Ich selbst kenne 
keine Handschrift, deren Alter Rabans Verfasserschaft 
im mindesten fraglich machen könnte. 

c) Mone ist des Glaubens, Gregor d. Gr. sei Ver- 
fasser dieses Hymnus, weil derselbe mit den Liedern 
dieses Papstes und seiner Behandlungsweise die größte 
Ähnlichkeit habe. Leider kennen wir aber kein ein- 
ziges hinreichend beglaubigtes Lied Gregors, ja wir 
haben nicht einmal Sicherheit dafür, daß er überhaupt 
jemals Hymnen geschrieben habe. 

d) Auch die Betonung paracletus deutet nicht auf 
Gregor als Verfasser, nicht einmal auf einen des Grie- 



— 126 — 

chischen kundigen Autor. Sie deutet vielmehr auf 
Raban, der auch in seinen andern Gedichten immer 
paracletus betont: 

Dona paraclSti igne micante capit XLIV. i, 5. 
Mona, aquila, paracletus, sie leo, pastor et hoedus F i, 38. 
Ipse paracleti missi undique numine plenus F xix, 27. 
Qui pignus dederat paracletum iure salutis F xx, 26. 
Primitivum cum paracletus agmen 4. 9, 3. 

Diese zweifelsohne richtige Betonung nötigt uns 
aber nicht im mindesten auf tiefe Kenntnis des Grie- 
chischen bei Raban zu schließen 1 ). Er selbst liefert 
uns genug Beweise des Gegenteils. Wenn wir ihn an 
andern Stellen hexagöni, decalögi, chirogräphum, monädes 
betonen sehen: 

Sed plagis posti satis exagöni Migne PP. LL. 107. coL 186. D. 
Quando tecturus hoc diaeönus erit LXXIII, 4. 
Famine evangelii, decalögi et foedere claro F x, 34. 
Delens aratum contra orbem tunc chirogräphum F xx, 4. 
Quae numerant sex insigni quater arte monädes* F xxiii, 4. 

fangen wir an, uns nicht unberechtigten Zweifeln hin- 
zugeben, ob die Betonung paracletus nicht vielmehr 
dem Zufalle oder auch der Nachahmung als der Kennt- 
nis griechischer Betonungsregeln ihr Dasein verdanke, 
wie die falsche Betonung monädes von Fortunat ent- 
lehnt ist. 

e) Ob wir endlich aus der entgegengesetzten Be- 
tonung paraclitus ohne weiteres auf die Unechtheit 
der Doxologie schließen dürfen, ist sehr fraglich. Aller- 
dings variiert diese Doxologie in verschiedenen Quellen 
und sicher enthält schon Str. 6 eine In-nucleo-Doxologie. 
Die Betonung paraclitus allein aber wird uns kaum 
genügen, Str. 7 als unecht zu verwerfen, wenn wir 
beobachten, daß sich Raban auch in andern Worten 
nicht immer getreu bleibt. Dies ist der Fall sogar mit 
seinem eigenen Namen, in dem er den doppelten a- 
Laut in der Regel langt: 

Hos ego Räbänus versus feci et precor, ut me LXXI, 11. 



1 Vgl. auch Sandys, Notes on mediaeval Latin authors, Her- 
mathena XII (1903) 8. 432 sqq. 

* Fortunatus: Lumen apostolicum cum spargeret una triades 
V- 2, 1. 



— 127 - 

was ihn nicht abhält, sie mehrmals zu kürzen: 
Edidit hos versus Rabanne coactus amore LXX, 13. 
2. Von den sechs Hymnen, welche Browerus in 
seiner Ausgabe mit einem Asteriskus versehen und 
dadurch als solche gekennzeichnet hat, welche von 
zweiter Hand eingetragen waren, konnten drei als nicht- 
rabanisch ausgeschaltet werden; die drei anderen, Nr. 14, 
24 und 25 habe ich, da sie nichts gegen Baban Sprechen- 
des enthalten, als dubii unter den andern belassen 1 ). 
Sie weisen im Gegenteil einzelne Züge auf, die positiv 
an Baban gemahnen. Doch sind dieselben nicht sehr 
zahlreich, was in so kurzen Gedichten nicht über- 
raschen kann. 

a) Nr. 14, das etwas umfangreicher ist (14 Str.), 
hat deren am meisten. So erinnert 3, 1 das Wort 
valde: 

Magnam valde commendavit / per Johannem gratiam, 
an den einigermaßen auffallenden Gebrauch dieses 
Wortes in andern Gedichten Babans. So in den Hymnen: 

Valde hinc nos hanc habeamus omnes 4. 15, 3. 

Uli laudes valde dignas | Christo regi personant 21. 8, 3 sq. 

Tone Severus turbulentus | valde iratus praeeipit 21. 11, lsq. 

In den Laudes saneti crucis: 

Iam sorte capiunt et votis valde requirunt F vn, 33. 
In den Gedichten und Inschriften der Dümmlerschen 
Ausgabe: 

Accipe reginae valde Deo placitae IV. in, 2. 

Ecce, suae vitae valde benigna, bona IV. in, 4. 

Nunc quoque valde tibi nomen hie conferat ordo XVII, 29. 

Fratribus ascitis poscite valde Deum XXXIV, 10. 

homini quod valde necesse XXXIV, 33. 

Sed homines saneti valde et sacro online clari XLVT, 5. 
Unde decet valde quod cordis pura voluntas XLIX. i, 7. 
Ecce, viros istos, praeclaros valde patronos XLIX. n, 1. 
Valde iuvant preeibus atque piant meritis L. v, 2. 
Et Christi Domini munera valde pia LXXIX. n, 2. 
Ooniunctus valde utilis huieque fuit XC, 8. 

Mehr noch erinnert an Baban die Synicese im 
Worte complacui 4, 3: 
in quo complacui dilectus; 

1 Anal, hvmn, L, 195 ist bei Nr. 14 die Kennzeichnung von 
Nr. 14 als dubius unterblieben. 



— 128 — 

denn dieselbe ist auch sonst bei ihm nicht ungebräuchlich : 

Indeesthuc missus, ipsum opus ei dederam I. iv, 10. 
Mentibus ignaris in novitate fidei XIII, 56. 
Sic fnerunt sancti, proximus esto tibi XXXVII, 46. 
Ipse quia mitis non sordent munera haec ei F xxvn, 19. 

Über das Wort chelydrus, das gerade in diesem 
Hymnus 9, 1 sich findet, vgl. schon oben Kap. IV, 
§ 2, n. 4. 

Auch 11, 6: cum triumpho nobili, möchte ich 
als einen Fingerzeig auf Baban deuten, so wenig die 
Stelle an sich zu besagen scheint; denn das Wort nobilis 
liebt er auch sonst: 

Ed, eßt ista dies munere nobilis 7. 6, 1. 

Baptismae haec Domini nobilis exstitit 7. 6, 2. 

Martini meritis oppido nobilis 23. 2, 2. 

Endlich erinnert der Schluß 14, 6: cum sancto 
spiramine an andere Hymnen desselben Autors; z. B.: 
Cum sacro spiramine eos replevit 4. 5, 2. 

Diese Ähnlichkeiten genügen gewiß nicht, um 
einen weiter durch nichts beglaubigten Hymnus Raban 
beizulegen; sie genügen aber vielleicht, emen Hymnus, 
den spätere Hand seinen Werken zugesellt hat, unter 
Vorbehalt in dieser Gesellschaft zu belassen. 

b) Der Hymnus auf Maria Reinigung, Nr. 24, hat 
nur fünf Strophen. Dennoch weist einiges in demselben 
deutlich genug auf Raban. So zunächst 4, 1 das Wort 
votis: 

Tu libens votis, petimus, precantes. 

Man vgl. dazu Kap. HÜ, § 1, n. 29 und Kap. IV, 
§ 1, n. 23. Auch das eingeschaltete „petimus* weist 
auf Raban, in dessen Liedern oro, posco, peto u. a. in 
dieser Weise fort und fort als Lückenbüßer verwendet 
werden. 

In 4, 2 ist das faveto: 

Regia aeterni genetrix, faveto 
nicht zu übersehen; denn Raban hat eine deutliche 
Vorliebe für diese Imperativform: 

Alme, preces Domino sicque iuvato tuum I. i, 30. 

Sic quoque eubiectae cnram tu semper habeto IV. in, 7. 

Duxque via populos angusta et praevius ito XI, 25. 



— 129 - 

Virgo Dei genetrix, hanc aram rite teneto XLIV. vi, 1. 
Quisquis hanc oerais laetus tu di cito Christo LXII, 3. 
Virgo Dei genetrix hanc aram tu ipsa dicato LXXVH. v, 1. 
Virgo Maria Dei genetrix hoc ipsa dicato LXXX. in, 1. 
Altare praesens atque iuvato prece LXXX. in, 2. 

In der folgenden Strophe erinnert in Vers 2: 
Sit salus perpes, sit honor perennis 

an unseren Dichter; vgl. Kap. IV, § 2, n. 12. 
Endlich ist ganz Raban 5, 3: 

Qui poli summa residet in arce. 

Wir können also auch rücksichtlich dieses Hymnus 
kaum zu einem anderen Resultate kommen als bei 
Nr. 14. 

c) Hymnus Nr. 25 enthält nur vier Strophen. Er 
bietet daher auch nicht viel, was deutlicher auf Raban 
hinwiese. Er hat 1, 4 Rabans Lieblingswort votis: 

votis, voce peallimus, 
er redet 2, 6 von zabulus: 

conterentem zabulum; 
vgl. dazu Kap. IV, § 2, n. 18; er nennt 3, 2 Christus 
„rex piisimus", vgl. Kap. HI, § 1, n. 22. Daß er 
4, 4 paraclito mißt statt des Raban geläufigeren para- 
clito, schließt diesen nicht notwendig von der Ver- 
fasserschaft aus; vgl. oben n. 1, e; doch bleibt sie 
zweifelhaft 

3. Obschon Browerus nur die öftererwähnten sechs 
Hymnen mittels eines Asteriskus als spätere Nachträge 
stigmatisiert, kann es doch einem Zweifel nicht unter- 
liegen, daß auch am Schlüsse seiner Hymnen nicht- 
rabanische, wäre es auch von erster Hand, angehängt, 
sind. Vgl. Kap. I, n. 1. Ich habe deshalb auch die 
Nr. 26 und 27, die unter diesen letzten Hymnen stehen, 
vorsichtshalber als dubii bezeichnet, obschon sie in 
manchem positiv an Raban gemahnen. 

a) Der kurze Hymnus Nr. 25 (er hat nur fünf 
Strophen) beginnt mit dem Adonius: Sophia patris. 
Dies erinnert insofern an Rabans Art, als er in dem 
Worte sophia stets die paenultima kürzt: 

Ethicae monitis et sophia e studiis I. i, 6. 
5 Sermoque sit sophiae conditus atque aale XIV, 10. 
Diligit omnipotens sophiam nam semper amantem XV, 15. 

Dreves, Fortunatus- und Raban-Studien. 9 



— 130 - 



Com sophla «mm oumbos est meüor XV, 16. 
Hie dam DaVid sophla et alta D» XXUI, a 
Presbyter his fneiat sophiae et stadiofliis amatar XC, 3. 

Zorn zweiten Verse: Christe magist er verweise 
ich auf das schon Kap. IV, § 2, n. 9 Gesagte. 

Zu 1, 5: Da Deus auetor vgl. Kap. IH, § 1, n. 7 
und Kap. IV, §1, n. 5. 

Zu % 3; Sparge per orbem vgl. Kap. II, § 1, 
n. 5; Kap. ffl, § 1, n. 19 und Kap. IV, § 1 n. 14. 

Zu 2, 4: Rite canentes vgL Kap. II, § 1, n. 2; 
Kap.m, § 1 n. 1 and Kap. IV § 1, n. 1. 

Zu dem fünfmaligen Hosanna in Str. 5 endlich 
verweise ich auf Carm. XI, 63: 

Amen, hoc fiat, Osanna, fideliter hoc mL 

Trota seiner Kurse trägt somit dieser Hymnus so 
viele und frappante Anklänge an den uns bekannten 
Raban, daß an seiner Abfassung durch diesen Dichter 
kaum ernstlich zu zweifeln ist Daß dieser Hymnus 
nicht mit dem Liede Nunc tibi, Christe (Anal. XIX, 
10 und 7), das ganz andere Mache zeigt, zusammen- 
geworfen werden darf, habe ich schon Anal. hymn. L, 
153 hervorgehoben. 

b) In dem kurzen Rhythmus Nr. 27 begegnen wir 
zweimal dem Worte pius: 

Praebe pius veniam 1, 4. 
Ergo pias obstinati 6, 1. 

Daiu vgl wieder Kap. HI, § 1, n.22. Zu dem Verse: 
Begni teneas solimn 

sei wieder verwiesen auf Kaj). m. 2 § 1, n. 27 und 
Kap. II, § 1 n. 7. Echt rabanisch ist auch die litera- 
rische Freibeuterei in Str. 3 : 

En, ad rutila polorom non snm dignns ßidera 

Infelioee pro delictis snWevare oculoe, 

womit die Verse Paulins von Aquileja zu vergleichen 
sind (Anal. hymn. L, 148) : 

Ad caeli clara non sum dignua sidera 

Levare meos infelices oculos 

Gravi depreasns peocatarum pondere. 

Die drei Betonungsfehler, wenn ich sie so nennen 
darf: 



- 131 — 

Facinöris eumuli 2, 2. 
Duritiam cofculi 6, 2. 
In unitate peremd 7, 3. 

werden den nicht irre machen, der sich die Mühe 
nimmt, die unglaublichen Betonungen Rabans in seinem 
Rhythmus „de fide catholica", bei Dflmmler 
Nr. XXXIX, zu vergleichen. 

4. Migne PP. LL. 112, col. 1668 fügt den Hymnen 
Browers noch zwei weitere hinzu, nämlich die neiden 
Hymnen auf Allerheiligen: Christ e, redemptor 
omnium (Anal. hymn. H, 66) und Jesu, salvator 
saeculi (Ibid. Nr. 80 Str. 3 ff.). Er beruft sich dabei 
auf Thomasius, Es sei deshalb hier festgestellt, daß 
Thomasius in seinem Psalterium, Opp. II, 397, diese 
beiden Hymnen mit keiner Silbe Kaban zuschreibt. 
Sie folgen dort freilich auf Rabans Hymnus Ghriste, 
sanctorum decus angelor um; die Verfasserangabe 
„Rabani, archiepiscopi Maguntini" aber bezieht sich, wie 
immer bei Thomasius, nur auf diesen einen Hymnus, 
nicht auf die folgenden. 

5. Ich habe nun zu den Hymnen Browers noch 
zwei andere hinzugefügt, Nr. 22 und 23, die ich für 
Rabans Werk halte. Im allgemeinen ist es allerdings, 
meiner Meinung nach, unzulässig, auf Grund der von 
uns beobachteten Eigentümlichkeiten, andere Hymnen, 
die nicht auch durch äußere Grunde — wie bei Browerus 
durch Vorkommen in einer Rahanhandschrift — gestützt 
werden, Raban beizulegen. Und das deshalb, weil die 
Eigentümlichkeiten Rabans sich zu einem £uten Teile, 
wenn auch nicht in demselben Maße, bei semem Lehrer 
Alcuin wiederfinden und auch auf seine zahlreichen 
Schüler, z. B. Walahfrid, übergegangen sind. Dadurch 
ist die Gefahr eines Irrtums näher gerückt, als sie 
sonst wohl läge, und können wir uns des gewonnenen 
Maßstabes nur da bedienen, wo es sich um Hymnen 
handelt, die schon anderweitig im Verdachte stehen, 
von ihm herzurühren. Dies ist aber mit den beiden 
hier ans beschäftigenden Hymnen der Fall: 

a) Der eine, Nr. 23, ist nicht nur sprachlich mit 
den Hymnen Rabans durchaus verwandt, sondern er 
feiert auch den Patron des Mainzer Domes and Sprengeis. 



— 132 — 

Er findet sich ferner mir in deutschen Quellen. Außer- 
dem ist er nur in die gedruckten Breviere von Utrecht, 
das ebenfalls Martinas als Bistumspatron verehrte, 
und in eines von Toul (1510) übergegangen, die wir 
übrigens beide ab deutsche Bistümer zu bezeichnen 
ein Recht haben. 

Raban weist diesen Hymnus zu der prägnante 
Eingang Fratres unanimes; vgl. Kap. DL, § 2, n. 5 
und Kap. IV, § 3, n. 1. 
Ferner ist in unserem Hymnus 1,4: 

Martini revehens feata celebria 
zu vergleichen mit 12. 1,1: 

Fe 8t am nunc celebre magnaque gaudia. 
In jenem Hymnus lesen wir 2,1: 

Cantemua pariter Carmen amabile, 
in diesem 1,2: 

Compellont animoe carmina promere 

in jenem 2,1: 

Cantemua pariter, 
in diesem 2,3: 

Concinit pariter 1 

Weise ich noch hin auf 3,3: 

Confert hie famulis rite canentibus, 

so kann für uns betreffend den Verfasser dieses Liedes 
kein Zweifel mehr bestehen. Zu bemerken ist noch 
die Messung des Wortes candeläbrum 4,1: 

Cunctis candeläbrum lnminis exstitit; 
sie ist nämlich auch sonst diejenige Raban s: 
Haec quoque candeläbrum est Septem distineta lucernie XVI, 51. 

b) Den andern Hymnus Sanctorum meritis 
(Nr. 22) habe ich schon 1885 in meiner Schrift „Ein 
Wort zur Gesangbuchfrage" S. 28 Raban zugeschrieben, 
ohne daß es mir jetzt gelingen wollte, eine Stütze für 
diese Behauptung beizubringen, oder mir ins Gedächtnis 
zurückzurufen, woher ich diese Kenntnis genommen. 

Betrachten wir die Diktion des Hymnus, so ist 
dieselbe so ausgesprochen rabanisch als die irgend 



1 Vgl. übrigens Kap. II § 1 n. 6 und Kap. III § 1 n. 21. 



— 133 — 

eines andern seiner Lieder. Der Hymnus beginnt 
— ganz nach Rabans sonstigen Gepflogenheiten — 
mit einer Entlehnung. Die Anfangsworte Sanctorum 
meritis stammen von Eugenius Toletanus (Auctt. 
antiq. XIV, 268): 

Sanctorum meritis claro aemperque beato. 

Dann bringt uns Vers 1 in inclita gaudia ein 
Lieblingswort Rabans; vgl. Kap. IV, § 2 n. 8. Vers 2 
bringt Rabans Lieblingsanrede socii; vgl. Kap. II, 
§ 2, n. 6; zugleich weist das: 

Pangamus, socii, gestaque fortia 
doch unverhohlen auf 23. 5,2: 

Pangamus propria cantica praesuli; 
der Vers 3: 

Nam gliscit animus promere cantibus 
ebenso deutlich auf 12. 1, 2: 

Compellunt animos carmina promere 
Zu dem in der späteren Hymnenliteratur häufigen, 
in dieser Zeit aber seltenen gliscere vergleiche man: 
Corda bene hominum vota quo lumine gliscunt F vm, 21. 

In 2,2: 

Hi sunt quos retin ens mundus inhorruit 

finden wir in dem Worte retine re einen alten Be- 
kannten wieder, betreffs dessen verwiesen sei auf 
Kap. H, § 1, n. 7 und Kap. III, § 1, n. 27. In 2,4: 
Eex Christo bone, caelitus, 

weist das Wort bonus auf unseren Dichter gerade 
wie 1,4: 

Victorum genus Optimum. 

Cfr. Kap. II, § 1, n. 3 und Kap. EI, § 1, n. 8. 
Noch zweimal kommt, und zwar in bezeichnendster 
Weise, das ebenfalls hierher gehörige Adverb bene 
vor: 4,3 mens bene conscia, 5,3 u. f. laureis bene 
fulgidis, wobei ich an das schon erwähnte male trux 
erinnere. 

Merkwürdigerweise steht der innerlich so tief be- 
gründeten Echtheit dieses Hymnus eine äußere ge- 
schichtliche Schwierigkeit im Wege. An der Doxologie 



— 134 — 

dieses Hymnus, nämlich an dem Ausdrucke „trina 
deitas": 

Te, trina deitae unaqna, poacuniia, 

hatte Hincmar von Reims Anstoß genommen und in 
seiner Kirche das Singen dieses Verses verboten; er 
änderte ihn in Te, 8 an et a deitas. Ratramnus von 
Corbie und nach ihm Gottschalk von Orbais, beide 
schon früher theologische Widersacher Hincmars, er- 
griffen die Gelegenheit und verteidigten die Formel. 
Auf diese Angriffe erwiderte der Bischof in seinem 
Buche „De una et non trina deitate". An drei Stellen 
dieser Schrift sagt Hincmar aus, daß er den Verfasser 
des Hymnus nicht kenne: „cuius auetor penitus igno- 
ratio Migne PP. LL. 125, 474; vgl. 498 und 500. 
Diese Ignoranz Hincmars nun würde, wenn sie eine 
tatsächliche, nicht etwa eine vorgeschützte war, gegen 
die Autorschaft Rabans ebensowenig ins Gewicht fallen 
als die Gottscbalks, der schwerlich diese Stelle ver- 
teidigt haben würde, hätte er gewußt, daß sein alter 
Widerpart Raban ihr Urheber sei. Denn von den 
meisten Hymnen kannte man die Verfasser nicht, und 
wo Hincmar solche zu kennen vermeint, schlagt er 
nicht selten daneben. Was interessanter ist, ist der Um- 
stand, daß auch Baban, den Hincmar ebenfalls in diese 
Kontroverse sich hineinzuziehen bemüht, wie er ihn 
in die Streitigkeiten über die Prädestination noch 
tiefer verstrickt hatte, diese Ausdrucksweise verleugnet. 
Er schreibt nämlich in einem von Kunstmann aufge- 
fundenen und herausgegebenen Briefe an Hincmar: 
„De eo autem, quod interrogastis, utrum iuxta Gode- 
scalchi et astipulatorum eius traditionem liceret trinam 
et unam deitatem, et trinam et unam potestatem, et 
trinam et unam sapientiam dicere, miror, quid per 
illam novam denommationem, quam nusquam in sanc- 
torum patrum sententiis antea legerunt, velint dicere. 
Cur non sufficiat eis in nulla (!) nuneupatione omni- 
potentis Dei ita profiteri, sicut saneti patres ante nos 
professi sunt?" 1 ). Aber auch diese Auslassungen sind 

1 KnnstmanD, Hrabamis Magnenthifi Mann», «ine hiatornehe 
Monographie, Main 1841, 8. 219. 



— 135 — 

kaum imstande, uns in dem Glauben zu beirren, daß 
Baban der Verfasser dieses Hymnus ist Alt und 
krank und mit Geschäften überansprucht, wollte er 
sich nicht tiefer in die theologischen Kontroversen 
hineinziehen lassen, in deren Mittelpunkt sich nun 
Hincmar gestellt hatte. Sollte er da, diesem gegen- 
über, sich als den Verfasser der Doxologie bekennen, 
die, in sich völlig einwandfrei, von jenem zu einem 
Schiboleth theologischen Gezänkes gemacht war? Nie- 
mand wird es ihm zur Pflicht machen wollen. Warum 
sollte er es sich zur Pflicht gemacht haben? Er durfte 
schweigen und schwieg. Später hat der größte Theo- 
loge des Mittelalters, Thomas von Aquin, gerade diesen 
verketzerten Ausdruck „Te trina deitas a in die Doxo- 
logie seines FronleichnarnshymnuB Sacris sollemniis 
übernommen. 

Ein Bruchstück eines Bonifatiushymnus, das nach 
Verskunst wie nach Spracheigentümlichkeit wahrschein- 
lich ein Erzeugnis Babans ist, habe ich nach einer Darm- 
stadter Handschrift des 15. Jahrhunderts mitgeteilt Anal, 
hymn. XXTTT, 148. Der Anfang desselben „Sinceros 
animos festa celebria" erweist wieder die so oft 
erkennbare Abhängigkeit Babans von Fortunat: 

Sinceros animos nubila nulla premunt VI. 2, 102. 
Sinceris animis vernat in ore dies 111. 23a, 20. 

Ich habe des öfteren einfließen lassen, daß Baban 
in seinen Gedichten sich in weitgehendem Maße 
zu Schulden kommen läßt, was wir heute mit dem 
Worte Plagiat bezeichnen würden. Dümmler hat in 
seiner Ausgabe nicht nur die Reminiszenzen aus rö- 
mischen Klassikern, sondern auch die Entlehnungen 
aus christlichen Dichtern, aus Sedulius, Fortunatus, 
namentlich aber aus Alcuin zu einem Teile, aber auch 
nur zu einem Teile, angemerkt. Am ungeniertesten 
hat Baban Fortunat sprachlich ausgebeutet. Es stimmt 
dies Verhalten Babans ganz zu seiner sonstigen Art, 
die ihn uns auch in seinen prosaischen Schriften weit 
mehr als Kompilator, Sammler, Enzyklopädist erscheinen 
läßt, denn als schöpferisch tätigen Schriftsteller. Schon 
Babans Zeitgenossen, die doch in dieser Hinsicht weit 
von moderner Empfindlichkeit entfernt waren, erhoben 



— 136 — 

deshalb Vorwürfe gegen ihn (vgl. Kunstmann a. a. 0. 
161). Rabans Gedichte nach dieser Richtung einer 
eingehenden Prüfung unterziehen, wäre eine Aufgabe 
für sich, die mich an diesem Orte von der meinigen 
ab- und zu einer anderen hinziehen würde. 

Im übrigen habe ich den Eindruck, als seien Ra- 
bans Hymnen das Beste, was wir unter seinen Ge- 
dichten finden. Am niedrigsten stehen jedenfalls die 
zerrenkten und zerquälten Verse de* Liber de laudibus 
s. crucis, in denen das Kunstwerk zum Kunststücke 
wird; dann folgen die Inschriften, die poetischen 
Episteln, die Hymnen. In ihnto erscheint Raban 
freier von fremder Beeinflussung, einfach und durch- 
sichtig im Ausdrucke und ermangelt, was die Haupt- 
sache ist, nicht eines Gefühles getragener Begeisterung, 
ja er ist nicht selten von einer Lebhaftigkeit der Em- 
pfindung, wie wir sie in den liturgischen Hymnen 
verhältnismäßig selten beobachten. 



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